Durchgehört Was ist Heimat?

Von news.de-Redakteuren Katharina Bott und Mandy Hannemann
Raus hier! So das Motto von Säkert und Sondre Lerche. Erstere nehmen ihr Album noch mal auf Englisch auf, letzterer zieht gleich ganz nach New York. Etwas bodenständiger geben sich die Erlanger Iren von Fiddler's Green.

Säkert! Was wie eine finnische Motorsäge klingt ist eine vielversprechende, schwedische Band. Auch wenn ihr Albumtitel På Engelska für den europäischen Musikmarkt vielleicht etwas holprig ist, die Musik ist es nicht. Das Album wurde 2009 bereits auf schwedisch veröffentlicht. Doch die sieben Musiker aus Umeå entschlossen sich, erstmalig ein Album ins Englische zu übertragen, eben På Engelska – zu deutsch: auf englisch. Ein guter Entschluss, denn schwedisch ist zwar eine schöne, aber keine Weltsprache und nun versteht man auch, was den Schweden am Herzen liegt.

Die engelsgleiche Stimme von Sängerin und Frontfrau Annika Norlin klagt vornehmlich: Über die alltägliche Tristesse von Liebe, Leben, Arbeit und die Probleme beim Erwachsenwerden. Dabei fehlt es dem nunmehr dritten Album keineswegs an Schwung. Auch wenn der Opener November Selbstmordanstiftendes vermuten lässt. Aber der November ist eben ein trauriger Herbstmonat.

På Engelska bietet Gitarrenpopsongs (Fredrik), Popfolk (The Flu) und Handclapper mit Bläsereinsatz wie (Dancing, Thought). Wer Gitarren, Violinen, magische Frauenstimmen und das skandinavische Besondere mag, wird bald der stetig wachsenden Säkert-Fangemeinde angehören. Simpsons Erfinder Matt Groenning ist Annika Norlins Musik bereits verfallen. Anspieltipp: Fredrik.

Interpret: Säkert!
Album: På Engelska
Plattenfirma: Razzia Records
Erscheinungsdatum: bereits erschienen

Speedfolk, Metal, Schifferklavier, Banjo - und ordentlich Patriotismus: Auch nach 21 Jahren Bandgeschichte bleiben sich Fiddler's Green treu. Allerdings nimmt das Erlanger Sextett ein bisschen den Fuß vom Gas. Wall of Folk, P Stands For Paddy und Country Of Plenty sind zwar so treibend wie ein besoffener irischer Kutscher, der seine Gäule peitschenknallend durch die Landschaft hetzt. Doch mit Greens And Fellows und Lost To The Moon wagen die Erlanger einen Brückenschlag zu den deutlich sanfteren, nachdenklichen Tönen.

Fields Of Green/Nie zu spät gibt sich als Fußball-Hymne. Und in der Tat, hinter dem englisch-deutschen Sprachmix steckt ein Fan-Gesang des 1. FC Nürnberg (die im Stadion komplett deutsch zu hören ist). Patriotischer geht es wohl kaum. Kein Wunder, dass selbst Fußballverweigerer unweigerlich mitsingen.

Doch die Fiddler's wären nicht sie selbst, wenn neben den zahlreichen Eigenkompositionen nicht auch Klassiker vertreten wären, mit denen sonst The Dubliners Schwung in St.-Patricks-Day-Partys bringen. Aufgepeppt freilich, doch vielleicht gerade deshalb noch besser zum Mitgröhlen geeignet als sonst, kommen Irish Rover und Dirty Old Town aus dem Munde von Fiddler's Green daher.

Spritzig, rauh, mal düster, dann wieder spöttisch, aber immer mit Herzblut bestückt, zeigt Wall Of Folk mehr als deutlich, dass nach zwei Jahrzehnten noch immer nicht die Luft raus ist. Na denn: Slainte.

Interpret: Fiddler's Green
Album: Wall of Folk
Plattenfirma: Deaf Shepherd Recordings
Erscheinungsdatum: 16. September 2011 

In den USA und Großbritannien hat sich sein Talent schon länger herumgesprochen, dort wird er als «Norwegian Wunderkind» (Popmatters) gefeiert. Der Rolling Stone wählte sein Debüt Faces Down zu den besten Platten des Jahres 2002. Jetzt legt der immer noch junge Künstler mit dem schönen Namen Sondre Lerche eine selbstbetitelte Platte vor, die den Glanzstart voll bestätigt. Sondre Lerche (Tellé/Soulfood) ist bereits das sechste Studioalbum des gerade mal 29-jährigen Sängers und Multi-Instrumentalisten mit dem netten Jungsgesicht. Aber man sollte sich nicht täuschen lassen: Lerche ist ein virtuoser Songwriter, ein ausgefuchster Klangtüftler und ein profunder Kenner der Pop-Historie, der sich nur an den größten Vorbilder aus Folk, Rock, Pop und Jazz ausrichtet.

Auf dem neuen Album, dessen einziges Manko das verunglückte Cover-Foto ist, finden diese verschiedenen Fäden nun erneut wunderbar zueinander. Wieder fasziniert Sondre Lerches feines Gespür für leicht verschrobene und doch zugängliche Melodien. Ebenso erstaunt die Stilsicherheit, mit der dieser inzwischen in Brooklyn lebende Norweger seine Songs zusammen mit skandinavischen und amerikanischen Musikern im Studio umgesetzt hat.

So ist es wohl diese etwas leichtgewichtige Stimme, die gegen den ganz großen Durchbruch spricht. Ein beeindruckender Sänger, der den ambitionierten Songs immer seinen Stempel aufdrückt, ist Sondre Lerche nicht. Andererseits macht ein kleiner Wackler im Falsett oder eine windschiefe Phrasierung auch gerade den immensen Charme dieses Künstlers aus. Erst recht auf der Bühne, wo der Indiepop-Crooner ganz in seinem Element ist. 

Interpret: Sondre Lerche
Album: Sondre Lerche
Plattenfirma: Tellé/Soulfood 
Erscheinungsdatum: bereits erschienen

ruk/news.de/dpa

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