Thriller-Autor Wulf Dorn ist Schriftsteller und Therapeut in einem. In der bayerischen Provinz arbeitet er in einer psychiatrischen Klinik, weit über die Grenzen Bayerns hinaus ist er inzwischen als Schöpfer nervenzerreißender Psycho-Thriller bekannt.
München (dpa) - Thriller-Autor Wulf Dorn ist Schriftsteller und Therapeut in einem. In der bayerischen Provinz arbeitet er in einer psychiatrischen Klinik, weit über die Grenzen Bayerns hinaus ist er inzwischen als Schöpfer nervenzerreißender Psycho-Thriller bekannt.
Immer wieder wagt Dorn den Blick in seelische Abgründe. Gerade ist sein neues Buch «Dunkler Wahn» erschienen, das sich mit dem Thema Stalking auseinandersetzt. Im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa in München wagt der 42-Jährige einen Erklärungsversuch für die Faszination Krimi.
Herr Dorn, Sie sind nicht nur Autor, sondern auch Therapeut in einer psychiatrischen Klinik. Aus der Arbeit ziehen Sie offensichtlich viel Inspiration...
Wulf Dorn: «Ja, das ist natürlich schon eine ganz eigene Welt, mit der man da zu tun bekommt. Man sieht diese vielen einzelnen menschlichen Schicksale - wobei ich natürlich vermeide, über konkrete Fälle zu schreiben, mit denen ich zu tun hatte. Was ich schreibe ist fiktiv, aber auf der anderen Seite auch belegbar.»
Gehen Ihre Patienten anders mit Ihnen um, seit sie wissen, welche Bücher sie schreiben?
Wulf Dorn: «Gottlob hat es sich unter den meisten noch nicht so wirklich rumgesprochen. Es gibt schon einige, die mich darauf ansprechen. Aber denen sage ich dann auch ganz klar, dass ich das komplett voneinander trenne. Der Wulf Dorn, der in der Klinik arbeitet, ist nicht der Autor Wulf Dorn.»
Ihre Bücher stellen immer auch die Frage nach dem Warum, nach der Entstehung von Brutalität und Verbrechen. Muss man Mitleid mit den Tätern haben?
Wulf Dorn: «Wenn ich von einem schweren Verbrechen erfahre, ist es bei mir schon so, dass ich mich frage, wer so ein Verbrechen begeht und was in so einem Menschen vor sich geht. Das heißt nicht, eine Entschuldigung für den Täter zu finden. Aber wenn wir etwas schlimmes hören, versuchen wir, es zu verstehen und zu begreifen und das ist mein Bestreben.»
Sind Sie weniger geschockt von Verbrechen als andere?
Wulf Dorn: «Nein, ganz im Gegenteil. Ich bin nach wie vor jemand, der noch sehr leicht durch schwere Verbrechen zu schockieren ist. Das mag mitunter auch einer der Gründe sein, warum ich über solche Themen schreibe. Das ist meine Art, ein Thema für mich aufzuarbeiten und zu analysieren. Und das ist sicher auch ein Grund, warum wir diese Literatur lesen - dass wir immer auch versuchen, eine Art Katharsis daraus zu ziehen.»
Was lesen Sie selbst?
Wulf Dorn: «Bei mir gibt es schon viel Mord und Totschlag im Bücherregal. Ich komme ja ursprünglich aus der Horror-Szene und habe Horror-Kurzgeschichten geschrieben. Ich lese aber unterschiedlichste Formen von Belletristik, viel querfeldein und auch Klassiker. Ich habe gerade meine Jules-Verne-Sammlung vervollständigt. Ratgeber lese ich auch - gerade erst wieder einen darüber, wie man Steingärten anlegt. Und wenn ich beim Schreiben merke, dass es mir zu viel und zu düster wird, dann lese ich Asterix.»
Gehen ihre Familie und ihre Freunde anders mit Ihnen um, seit sie wissen, was Sie sich für Ihre Bücher alles so ausdenken können?
Wulf Dorn: «Meine Mutter war am Anfang schon ziemlich schockiert. Sie konnte den "Trigger" nicht lesen - nach der Hälfte musste sie aufhören. Sie kann mit diesem Genre nichts anfangen. Da kam schon ein besorgter Blick mit der Frage "Junge, was haben wir bei Deiner Erziehung falsch gemacht?". Aber eigentlich freuen sich natürlich alle über meinen Erfolg. Den kann ich übrigens selbst immer noch nicht fassen. Ich komme mir jeden Tag vor, als hätte ich einen Sechser im Lotto.»
Interview: Britta Schultejans, dpa
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