Musik Dear Reader verzaubern auch beim zweiten Mal

Dear Reader verzaubern auch beim zweiten Mal (Foto)
Dear Reader verzaubern auch beim zweiten Mal Bild: dpa

Als Dear Reader vor zweieinhalb Jahren ihr Debüt «Replace Why With Funny» vorlegten, waren viele Indiepop-Fans verzaubert: von der mädchenhaften Leadstimme der jungen Sängerin Cherilyn MacNeil, der opulenten Produktion, den fein gesponnenen, immer etwas melancholischen Melodien, den klugen Texten.

Berlin (dpa) - Als Dear Reader vor zweieinhalb Jahren ihr Debüt «Replace Why With Funny» vorlegten, waren viele Indiepop-Fans verzaubert: von der mädchenhaften Leadstimme der jungen Sängerin Cherilyn MacNeil, der opulenten Produktion, den fein gesponnenen, immer etwas melancholischen Melodien, den klugen Texten.

Und der Geschichte, die dahinter steckte, denn Dear Reader, das waren zwei junge Weiße aus Südafrika, die bei allem Wohlklang auch bittere, traurige Lieder über ihr marodes Heimatland sangen. Hinzu kam ein genialischer amerikanischer Indierock-Produzent auf der Höhe seiner Kunst namens Brent Knopf.

Mit dem zweiten Album «Idealistic Animals» (City Slang) hat sich nun einiges geändert, aber zum Glück auch nicht allzu viel. Multi-Instrumentalist Daryl Torr ist nach Südafrika zurückgekehrt. Cherilyn MacNeil siedelte nach Berlin über, sie ist jetzt das einzige Gesicht von Dear Reader. Brent Knopfs Rolle als Arrangeur im Hintergrund ist eher noch wichtiger geworden. Musiker aus Deutschland, Südafrika, Nordirland, Schweden und den USA polstern die elf Songs aus.

Und diese nun allein von MacNeil geschriebenen Lieder klingen weiterhin märchenhaft und verspielt in all ihrer instrumentalen Fülle, die die Grenze zur Überproduktion zum Glück kaum überschreitet. Die meisten Tracks von «Idealistic Animals» sind nach Tieren benannt, tragen aber zur Sicherheit noch einen mehr oder weniger aussagekräftigen Zweittitel in Klammern.

Cherilyn MacNeil erzählt zum zweiten Dear-Reader-Album gern, dass es ihre Loslösung von einer extremen Religiosität zum Thema hat. Nicht jeder Songtext lässt sich darauf einengen, aber beim Lesen der Lyrics wird doch schnell klar, dass hier wie schon beim Debüt wieder kunstvolle Popmusik und recht düstere, depressive Texte aufeinandertreffen.

Die reine Schönheit des Gesangs und der getragenen Melodien mag manchmal etwas zu gleichförmig wirken, zumal Tempowechsel bei Dear Reader kaum stattfinden. Andererseits ist «Idealistic Animals» ein komplexes Album aus einem Guss, das nicht häppchenweise konsumiert werden will, sondern am besten zu einer ruhigen Stunde, womöglich unter dem Kopfhörer.

Für beinharte Fans noch interessant: Fünf der besten Songs des Albums («Monkey», «Whale», «Camel», «Mole» und «Bear») gibt es in einer bildhübschen Limited Edition zusätzlich als Akustikversionen, mit dem Berliner Martin Wenk (Calexico) an diversen Instrumenten.

Konzerte von Dear Reader im September:

13.09.MarburgKFZ
14.09.MünsterGleis 22
15.09.WeinheimCafe Central
17.09.DresdenBeatpol
18.09.MünchenFeierwerk
19.09.FreiburgJazzhaus
22.09.OsnabrückRosenhof
23.09.BremenTower
24.09.HamburgReeperbahn Festival
26.09.LeipzigConne Island
27.09.KölnGebäude 9
30.09.DortmundKonzerthaus

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news.de/dpa

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