So., 27.05.12

«Taste The Waste» 08.09.2011 Unser Müll ist essbar

Von news.de-Volontärin Juliane Ziegengeist

Jede zweite Kartoffel und jedes fünfte Brot landen in Deutschland im Müll - meistens bevor sie im Supermarkt waren. Aber auch Verbraucher entsorgen unnötig viel. Die fatalen Folgen zeigt die Kino-Doku Taste The Waste in schockierenden Bildern und Zahlen.

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Wie oft haben Sie schon Lebensmittel weggeworfen? Lebensmittel, die noch genießbar waren trotz abgelaufenem Haltbarkeitsdatum? Viele von uns dürften sich jetzt angesprochen fühlen. Denn rund 58 Prozent der Deutschen werfen regelmäßig Nahrung in den Müll. Dort landen mehr als die Hälfte unserer Lebensmittel, einschließlich jener Waren, die es nicht einmal auf den Ladentisch schaffen - weil die Kartoffeln nicht schön genug, die Gurken zu krumm und die Tomaten nicht rot genug sind. Das Ergebnis: bis zu 20 Millionen Tonnen Lebensmittelmüll pro Jahr allein in Deutschland.

Die Kino-Dokumentation Taste The Waste von Valentin Thurn zeigt das Ausmaß unserer Wegwerfgesellschaft und macht anhand ungeschönter Fakten deutlich, wie absurd unser Leben im Überfluss ist. Von den 500.000 Tonnen Brot, die in Deutschland wegen Überproduktion jährlich weggeworfen werden, könnte ganz Niedersachsen leben. Bei der Produktion dieser Brote werden ungefähr so viele Treibhausgase freigesetzt, wie sie 300.000 Autos ausstoßen.

Der deutsche Durchschnittskonsument wirft rund 100 Kilogramm Lebensmittel pro Person und Jahr in den Müll. Laut einer Studie des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz tun dies 84 Prozent der Deutschen, weil die Ware überständig oder verdorben ist. Weitere Gründe: Die Verpackungen seien zu groß (19 Prozent), die Lebensmittel würden nicht schmecken (16 Prozent) oder es werde schlichtweg zu viel eingekauft (15 Prozent).

Pro Kopf wandern dadurch jährlich 330 Euro in den Müll. Dabei sind zehn Prozent des Haushaltsmülls originalverpackte oder lediglich angebrochene Lebensmittel. Der Wert der von deutschen Haushalten weggeworfenen Waren wird auf bis zu 20 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt. Die Verschwendung der Händler und Verbraucher ist alles andere als ressourcenschonend. Die Menge der in Europa vermüllten Lebensmittel - 90 Millionen Tonnen - würde reichen, um die Hungernden der Welt rund zweimal satt werden zu lassen.

Ganz zu schweigen vom Umweltaspekt: Weil in Europa, anders als etwa in Japan, Warenabfälle und Speisereste nicht an Tiere verfüttert werden dürfen, muss zusätzlich Getreide angebaut werden - rund fünf Millionen Tonnen. Würde der auf Kippen verrottende Lebensmittelmüll halbiert, könnten genauso viele Klimagase eingespart werden wie durch die Stilllegung jedes zweiten Autos weltweit.

Anbieter und Verbraucher müssen handeln

Dabei wäre es so einfach, all das zu ändern - schon im Kleinen. Im Buch zum Film, Die Essensvernichter von Stefan Kreutzberger und Valentin Thurn, werden regionale Einkaufsgemeinschaften vorgeschlagen. Supermärkte sollten noch stärker als bisher Waren kurz vor ihrem Verfall billiger anbieten oder verschenken. In Großbritannien ist das bereits Alltag. Dan Cluderay hat daraus sogar einen eigenen Online-Handel gemacht. Unter approvedfood.co.uk verkauft er fast abgelaufene Lebensmittel zu Spottpreisen. Original verpackt sind diese noch genießbar.

Hierzulande werden Waren noch viel zu oft wenige Tage vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums (MHD) aussortiert und die Regale mit «frischen» Produkten neu bestückt. Kleinere Verpackungen angesichts von immer mehr Single-Haushalten, eine bessere Nachschubsteuerung und eine engere Zusammenarbeit mit wohltätigen Verbänden könnten helfen, das Problem zu beherrschen. Noch erscheint vielen Supermärkten der Abfallcontainer im Hinterhof als die rentablere Variante.

Trailer «Taste The Waste»
Schockbilder einer Wegwerfnation
Video: Vimeo

Nicht zuletzt lastet auf dem MHD ein Mythos, den es zu brechen gilt. Dieses ist nicht mit dem Verfallsdatum zu verwechseln, das anzeigt, ab wann ein Lebensmittel nicht mehr gegessen werden sollte. Das MHD weist lediglich jenen Zeitpunkt aus, bis zu dem das Produkt Eigenschaften wie Geruch und Aussehen bei richtiger Lagerung behält. Wird es überschritten, heißt das nicht automatisch, dass es nicht mehr genießbar ist.

Statt dem System sollten wir einfach mehr unseren Sinnen trauen. Das jedenfalls riet Regisseur Valentin Thrun im ARD-Magazin ttt - Titel, Thesen, Temperamente: «Aufmachen, dran riechen, schmecken.» Anders als in bisherigen Lebensmitteldokus wie Super Size Me oder Unser täglich Brot macht er erstmals die Verschwendung zum bestimmenden Thema, das nicht neu, aber umso drängender ist. Spätestens wenn die Müllforscherin Felicitas Schneider im Film erklärt, dass pro Tag jeder Supermarkt etwa 45 Kilogramm noch genießbarer Lebensmittel entsorgt, wird klar: Nicht nur der Müll, sondern auch das System stinkt gewaltig.

Lebensmittel
Essen Sie mehr Müll!
Video: news.de

Titel: Taste The Waste
Regie: Valentin Thurn
Filmlänge: 90 Minuten
FSK: ohne Angabe
Verleih: W-Film
Kinostart: 8. September 2011 

In unserem news.de-Kinomagazin Popcorn stellen wir alle Neustarts der Woche vor.

car/news.de
Leserkommentare (16) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • Hans Christian Berchtold
  • Kommentar 16
  • 12.09.2011 15:47
 

Es ist der größte Bürokratiewahnsin den es gibt, das EU-weit keine Lebenmittelreste aus Haushalte und Hotel bzw. aus REstaurantbetriebe an Schweine verfüttert werden dürfen.Millionen Tonnen gute Lebensmittel müssen verbrannt werden. Ein wahnsinns Politikum, um seuchen zu verhindern.Was ist mit Dioxin im Hühnerfutter, was war mit Fleischresten im Rinderfutter, oder andere Futterskandale? Viehzüchter würden sich um die Reste reißen, da es hochwertig ist. Früher wurde es ja auch verfüttert, da war das Fleisch noch besser.Aber in den Köpfen der Politiker, ob Landes oder EU ist nur Stroh drin.

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  • annemarie wagemann
  • Kommentar 15
  • 11.09.2011 15:45
 

Ich suchte neulich in wirklich grossen, gut sortierten Supermärkten 125 g Butter, so wie sie früher auch abgepackt war. Da haben sie aber keine Chance, man muss ein halbes Pfund nehmen. Für die Firmen ist es so auf alle Fälle wirtschaftlicher, was kümmerts die, wenn Lebensmittel weggeworfen werden, ist doch reine Umsatzförderung. Gerade für Singles sollten kleinere Mengen abge-packt werden! Ein Umdenken von der Lebensmittel-Industrie kann ich mir aber nicht vorstellen und dem Staat ist auch die Mehrwertsteuer von 1.50 E lieber als von 80 Cent. Das Weggeworfende war alles mit Steuern belegt!

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  • RAGNAROEKR
  • Kommentar 14
  • 10.09.2011 18:43
 

Die einzig berechtigte Kritik an den Einstellungen des Volkes gegenüber ihren Lebensmitteln(L) ist die Hinnahme des Preisverfalls. Hier kommt die Respektlosigkeit zum Ausdruck: Industrielles Produzieren mit Chemie ersetzt die Essenskultur. Hinzu kommt, dass der Gesetzgeber völlig außer Tritt geraten ist, wenn er den Verkauf nach Verfallsdatum zur Strafsache macht. Aber auch die Umwertung von Agrarflächen in Raffinerie-Belieferungsflächen zeigt, dass die pol. Lebensmittelverfälschung weiter getrieben wird.Daher gilt,die Kriminellen sind nicht die Lebensmittelesser, sondern die L-politiker.

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  • Sigrid Liethen
  • Kommentar 13
  • 10.09.2011 18:07
 

Ich klage diesen Lebensmittelwahnsinn schon seit zig Jahren, doch es wird immer schlimmer. Unser Lebensmittelgesetz muss dringend dahingehend geändert werden, dass alle Lebensmittel mit einem MHD noch nach diesem Datum zum reduzierten Preis verkauft bzw. angeboten werden dürfen. Alle Discount/Supermarktleiter vertreten das Gesetz "wir dürfen das nicht". Was für ein Wahnsinn. Marke "Steinhaus" wird nie reduziert, sondern in frisch umgetauscht. Skandal! Ein Geschäft in Düsseldorf hiess auch 1/2 Preis, weil hier alles mit MHD zum 1/2 Preis verkaufte wurde, doch die hohe Ladenmiete gab das Aus.

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  • Hans Christian Berchtold
  • Kommentar 12
  • 09.09.2011 15:12
 

Ja es ist sehr traurig, wie hierzulande mit Lbm. umgegeangen wird. Es aber vielerlei Gründe, wieso das stündlich passiert. A: es wird zuviel produziert,B:das MHD ist mit schuld dran. So war es vor der Zeit nicht, als es das nicht gab. C: Die meisten haben keine Hungernot erleiden müssen, weil sie in solch kargen Zeit nicht aufgewachsen sind.D:Das Aussehen träg mit Schuld. Dadurch wurde das Produkt zunehmens noch ungesunder. E: Wie soll man die Überproduktion auch dahin bekommen, wo benötigt wird? Seit 50 Jahren gibt " Brot für die Welt" Heute stehen wir genau so da wie 1960.

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  • basba
  • Kommentar 11
  • 09.09.2011 11:57
 

Frühjahr 1946 Als 15 jähriger Befreiter lief ich durch den Wald um meinen Kohldampf mit Heidelbeer-und Brombeerblättern zu stillen. Ein Ami lädt einen Truck mit Küchenabfällen am Waldweg ab. Ich stehe mit hungrigen Augen daneben. Der GI übergießt grinzend die Pracht mit Benzin. Die hungernden Völker der Welt werden ähnliche Gefühle uns gegenüber empfinden wie ich seitdem gegen die vollgefressen Ami

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  • loddel
  • Kommentar 10
  • 09.09.2011 10:44
 Antwort auf Kommentar 6

Das Lebensmittel nach Ablauf noch geniessbar sind ist genau Thema und nicht das Gegenteil wie du immer noch meinst. Lies einfach nochmal nach, vielleicht fällt dann der Groschen. Konsumterrorist

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  • RAGNAROEKR
  • Kommentar 9
  • 09.09.2011 09:01
 

Es geht um Lebensmittel.Im Kommentar wird jedoch von Schuld gesprochen.Der Verdachtsapparat ggn.Konsumenten (und das ist nicht der,der Lebensmittel fortwirft)funktioniert wieder einmal in der hier üblichen dreckigen Art u.Weise.R hat dies an anderer Stelle "Soziologisierung der Lebensführungsschuld" genannt:Weil Lebensmittel weggeworfen werden, sind alle Konsumenten z.B.Klimakiller.R fordert die Konsumentensouveränität statt der Volksverdummung. Verbrecher sind die, die Terror durch Schuldzuweisung gegen das Volk betreiben.Lebt und kümmert euch nicht um abwegige Schuldzuweisungen.

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  • Emilmichel Dreckfresser
  • Kommentar 8
  • 09.09.2011 07:54
 

Noch verwerflicher ist es für unsere rein auf Profit für eine winzige Minderheit orientierte Wirtschaft, dass sie immer mehr Lebensmittel in Umlauf bringt, bei denen schon der Schimmel gedeiht, ehe die Verfallsdaten überhaupt erreicht sind. Frostschutzmittel im Wein, alle möglichen u. unmöglichen Gifte im "Fressen" lassen grüßen. Tierkörpermehl u. genmanipulierter Dreck, der Ratten in riesigen Versuchsserien zu 100 % verrecken ließ, landet ungekennzeichent in unserer Ernährung nach dem Schweine-/Geflügelmastprinzip. Nur die edelste Oberschicht wird aus bester, Lebensmittelproduktion ernährt.

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  • Kpital Zockler
  • Kommentar 7
  • 09.09.2011 07:42
 

Dass verkommene Lebensmittel essbar sind, ist ganz berechtigt anzuzweifeln. Es ist leider aber so, dass eben 20.000.0000 Tonnen Lebensmittel verkommen oder als verkommen eingestuft werden. Man produziert in krimineller Weise Gamellebensmittelberge und lässt dabei den Rest der Welt verhungern. Diese Sauwirtschaft ist Ausdruck eines völlig verwahrlosten, kriminellen Raubkapitalismus, - nicht Pumpkapitalismus. Der Pumpkapit. ist nur eine Folge des globalen verbrecherischen Wirtschaftsunwesens. Bei dem nur noch die Interessen einer schädlichen Minderheit zählen. Es lebe das Bankenzockertum!

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  • Jan Meves
  • Kommentar 6
  • 08.09.2011 21:20
 

Das zu kleine Kartoffeln usw. generel nicht verkauft sondern entsorgt werden ist schade, aber wenn die auch angeboten werden würden kämen Bauern nicht mit Ihren halbierten Einnahmen zurecht. Wenn das Haltbarkeitsdatum abgelaufen ist sollte man Lebensmittel wegwerfen. Auch wenn Tomaten stellen mit Schimmel haben. Einige schwarze Pilze können sich im Körper extrem vermehren und bei Kindern sogar zu Tod führen. Das Problem ist das Lebensmittelabfälle nicht in den Hausmüll gehören sondern recycelt werden müßen, den sonst fehlen im Boden immer mehr Nährstoffe.

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  • Paul Herchenbach
  • Kommentar 5
  • 08.09.2011 16:38
 

Das Mindesthaltbarkeitsdatum wurde von Wasserköpfen erfunden und muss logischerweise auch von denen überwacht werden.So vermehrt man sich u. glaubt auch noch man sei wichtig. Das ganze nennt man dann Entbürokratisierung.Der Bürger ist scheinbar zu dumm selbst zu erkennen,was noch gut ist oder nicht !! Wo sind denn die Erkrankten oder Toten aus all den Jahrhunderten vorher ohne Verfallsdatum ? ? ?

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  • Oelrich
  • Kommentar 4
  • 08.09.2011 14:38
 

.......alle,die den 2.Weltkrieg und die Nachkriegszeit nicht mit erlebt haben, besonders die heutige Jugend, sind Weltmeister im Entsorgen aller Art, auch der angeblich nicht mehr essbaren , mit Verfalldatum behafteten, Lebensmitteln! Nur bei Fleisch und Fisch iot große Vorsicht geboten!! NICHT weiter so!!

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  • Antonietta
  • Kommentar 3
  • 08.09.2011 14:07
 

Unter den weggeworfenen, essbaren Lebensmitteln befinden sich auch Fisch- und Fleischprodukte. Es sterben also Tiere unnötig, um im Müll zu landen.

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  • Nanny Tober
  • Kommentar 2
  • 08.09.2011 13:50
 

Wir haben in unserem eigenen Bereich nicht das Recht - SONDERN SCHEINBAR ........ WIR WERDEN GEGEN Windmühlen angehen ... Unrecht ist in DEUTSCHLAND vertreten und können so kein Recht daraus delegieren - wenn Polizei und Justiez Diebstahl und ENTEIGNUNG ZULÄSST - weil es millionäre sind die offenbar Spicken .........

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  • sultan123
  • Kommentar 1
  • 08.09.2011 13:20
 

hallo leute ich bin auch nur ein arbeitsloser,und besitze keine reichtümer.aber wenn ich dieses elend auf dieser welt sehe,frage ich mich ob wir überhaupt noch menschen sind oder schon maschinen.es sollte mehr über hunger und elend auf dieser welt diskudiert werden, als über finanzkriesen und wie die reichen noch reicher werden.auch die poliker sollten sich mal fragen,weshalb sie überhaupt vom volk gewählt werden.sie sollten eigentlich für die probleme eintreten die auf dieser welt herschen,als darüber nachzudenken wie kann ich die nächste wahl gewinnen oder meinen posten behalten.mfg.

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