Musik Mädchenduo Boy: Luftiger Pop für Großstädter

Mädchenduo Boy: Luftiger Pop für Großstädter (Foto)
Mädchenduo Boy: Luftiger Pop für Großstädter Bild: dpa

Selten war es so einfach, sich aus dem hektischen Alltag auszuklinken. Mit verspielten, eindringlichen Pop-Nummern entführt das Mädchenduo Boy in verträumt-melancholische Sphären.

Berlin (dpa) - Selten war es so einfach, sich aus dem hektischen Alltag auszuklinken. Mit verspielten, eindringlichen Pop-Nummern entführt das Mädchenduo Boy in verträumt-melancholische Sphären.

Vor allem nach Zerstreuung strebenden Großstädtern dürfte das Debüt «Mutual Friends» von Valeska Steiner und Sonja Glass gefallen. Die unbeschwerten Songs künden vom Jetzt und dem, was vielleicht sein könnte. Fest steht: Die Band dürfte für Aufsehen sorgen.

Dass es in dem Album vor allem auch um das Hoffen der beiden Musikerinnen selbst geht, wird schon gleich im Eröffnungssong deutlich. Begleitet von zartem Gitarrengeklimper singt Valeska: «This is the beginning / of anything you want» (Dies ist der Anfang von allem, was du willst). Damit gibt die 25 Jahre alte Schweizerin dem Duo selbst das Motto vor - möglich ist alles, wenn man es nur will.

Dabei waren die Anfänge von Boy eher unprätentiös. Zu Beginn stand kein Aha-Moment, der das gemeinsame Musizieren forciert hätte. Kennengelernt haben sich Sängerin Valeska und die 34-jährige Instrumentalistin Sonja aus Hamburg beim «Popkurs». Der Kontaktstudiengang an der Hamburger Musikhochschule ist vor allem dazu da, Musiker zu vernetzen. Manch heute erfolgreiches Projekt hat dort seine Wurzeln - etwa Wir sind Helden, Seeed oder Revolverheld.

Die beiden gingen danach zunächst getrennte Wege. Erst einige Jahre später kam der Plan: Warum nicht zusammen eine Band gründen? Per E-Mail schickten sie sich Songfragmente zu. Schnell war klar: das passt. Valeska zog von Zürich in die Hansestadt an der Elbe.

Mehr als zwei Jahre lang bastelte das Duo an den Songs und tourte währenddessen per Bahn und Auto durch die Lande - im Gepäck ein zunächst rein akustisches Programm. Dabei sind die Lieder für größere Besetzung gedacht. Ein klassisches Singer/Songwriter-Album war nie geplant. «Nur Gitarre, Gesang - das war uns zu wenig», sagen sie. Den Albumtitel «Mutual Friends» («Gemeinsame Freunde») darf man darum ganz wörtlich nehmen: Die Platte verbindet ihre Vorlieben und Ideen.

Mit dem Berliner Multi-Instrumentalisten Philipp Steinke fand Boy einen passenden Produzenten, der die ambitionierten Liedideen aufs Band brachte. Unterstützung gab es vom Schlagzeuger der Indie-Band Phoenix, Thomas Hedlund. Assoziationen zum «sophisticated pop» der Franzosen liegen darum durchaus nahe.

Zu hören gibt es reduzierte, kluge Arrangements mit starken Melodien. Begleitet wird das von wogenden Gitarrenkaskaden, pulsierenden Klavierakkorden, rumpelndem Schlagzeug, Klatschen, hupender Melodica, Streichern und gelegentlichen Synthie-Einwürfen.

Vor allem das kecke «Little Numbers» überzeugt und könnte mit dem hymnischen Refrain zum späten Sommerhit werden. Aber auch ruhigere Stücke wie die beschwingte Ballade «Waltz For Pony», bei der Sonja am Cello sitzt, hat Boy im Programm. Mit Nummern wie «Oh Boy» - einem heiteren Stück über eine Stadtschönheit, die sämtliche Männer abblitzen lässt - finden sich auch rockigere Stücke auf der Platte.

Was Boy liefert, ist luftiger Urban-Pop, der eher über den Dächern der Stadt spielt, denn in engen und überfüllten Kneipen. Zuweilen erinnert das an die sphärischen Töne einer Leslie Feist. Die Kanadierin war 2004 in der großen Musikwelt aufgeschlagen und bestückte weltweit die MP3-Player von Großstadtdschungel-Bewohnern. Ähnliches könnte auch Boy gelingen - freilich mit ganz eigener Note.

Dass Valeska und Sonja bei Herbert Grönemeyers Label Grönland untergekommen sind, ist somit wenig verwunderlich. Der Deutsch-Popper kümmert sich mit seiner ambitionierten kleinen Plattenfirma seit Jahren um aufstrebende Musiker. Das Motto: Im Vordergrund steht keine Marketingstrategie, sondern der Musiker und sein Handwerk selbst. Altmeister Grönemeyer attestiert der Musik von Boy darum: «Direkt von tiefen Herzen, melodiös, becircend. Wohltuend!»

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news.de/dpa

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