Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen
Wolfgang Stumph und Robert Atzorn streiten um ein Haus. Und das mitten im Jahrhunderthochwasser. Am Ende geht es nur noch ums Überleben. Wie das ausgeht, ist heute Abend im Ersten zu sehen.
Wasser, Wasser, nichts als Wasser: Als im Sommer 2002 die Elbe und ihre Zuflüsse über ihre Ufer traten, zog eine unaufhaltsame Flutwelle eine Schneise der Verwüstung durchs Land. Der Freistaat Sachsen war am schlimmsten getroffen worden. 21 Menschen starben, 25.000 Wohngebäude wurden beschädigt, der Schaden betrug insgesamt mehr als sechs Milliarden Euro. Die Bilder aus dem erheblich verwüsteten Müglitztal gingen um die Welt.
In seinem Drama Stilles Tal greift Regisseur Marcus O. Rosenmüller diese Eindrücke wieder auf. Die Naturkatastrophe ist jedoch nicht das alleinige Thema der TV-Produktion, die heute Abend als Mittwochsfilm im Ersten zu sehen ist. Sie ist vielmehr die Kulisse für einen Ost-West-Streit, der sich ebenso tief wie das Wasser in die Erinnerung eingegraben hat. Es geht um einen Gasthof namens «Stilles Tal» im sächsischen Müglitztal, der das Streitobjekt eines Restitutionsverfahrens ist. «Rückgabe vor Entschädigung», so hat in dem Fall bereits ein Gericht entschieden.
Einst hatte der Vater von Hotelier Konrad Huberty, den Robert Atzorn spielt, das Gehöft bei der Flucht aus der DDR zurücklassen müssen. Thomas Stille, gespielt von Wolfgang Stumph, baute derweil den Bauern- zu einem Gasthof um. Er verbarrikadiert sich mit seiner Familie in dem Haus, um der Räumung zu entgehen. Der Alteigentümer kampiert mit Ehefrau Anna (Victoria Trauttmansdorff) im Wohnmobil auf dem Hof. Ostdeutsche Wagenburgmentalität trifft sozusagen auf westdeutsches Besatzertum, nur dass es im Film ganz so klischeehaft dann doch nicht zugeht.
«Mein Vater hatte keine Lust darauf, nach den Nazis auch noch die Kommunisten auszuhalten, mit denen Sie sich ja anscheinend recht gut arrangiert haben», knallt etwa Huberty seinem Widersacher aus Sachsen an den Kopf. «Kommen Sie mir nicht mit ihrem Vater. Sie sind doch der große Abstauber, der den Hals nicht voll genug kriegen kann», entgegnet Stille.
Das wird nass und hässlich
Die ersten Regentropfen lassen ahnen: Da kommt mehr. Das wird nass. Hässlich. Nicht umsonst sind im Vorspann auffällig oft Pfützen, Seen und Brücken über anschwellenden Flüssen zu sehen. Regen und Hochwasser hat Rosenmüller überwiegend digital produzieren lassen. Dennoch bibbert der Zuschauer regelrecht mit, wenn Stumph und Atzorn durch die Wassermassen waten.
Die beiden Hauptdarsteller kosten den Konflikt weidlich aus. Stumph gibt den störrischen Sachsen, der nicht einsehen will, dass Recht gilt, wo er Gerechtigkeit erwartet. Lieber verbarrikadiert er sich mit Frau Barbara (Ulrike Krumbiegel) und Tochter Diexie (Sarah Alles) im Haus, ein Wüterich, der doch mit Herzblut an seinem Gasthaus hängt. Liebevoll streichelt er über die Fotografien an der Wand und gibt beim Seniorengeburtstag den Conférencier.
Fotos vom Gasthof hängen allerdings auch bei seinem schnöseligen Kontrahenten an der Wand, in seinem Edel-Hotel in Hessen, wo der Pensionär längst das Heft abgeben sollte zugunsten des Sohnes und nicht loslassen kann: «Kümmere dich um die Whirlpool-Lieferung. Und bloß kein Skonto für die Selbsterfahrungstruppe», diktiert er ihm jeden Abend ins Telefon.
Zwei in einem Boot
Je mehr sich das Flüsschen Müglitz in einen reißenden Strom verwandelt, je mehr die Dämme brechen und das «Stille Tal» von Wassermassen eingeschlossen wird, desto mehr enthärten sich die Fronten zwischen Huberty und Stille. Denn nun sind die beiden Kontrahenten aufeinander angewiesen. Was ist schon ein Restitutionsstreit gegen den drohenden Totalverlust des Hauses? Und was ist ein Ost-West-Konflikt gegen die beglückende Aussicht, gemeinsam die Versicherung betrügen zu können?
Am Ende sitzen Huberty und Stille auf den Resten des «Stillen Tals». Das Wasser steht den beiden buchstäblich bis zum Halse,es geht nur noch ums nackte Überleben. Sie sind quasi im selben Boot. Wie Ost und West in der Realität eben auch.
Bestes Zitat: «Was du nicht vergisst, geht auch nicht verloren.» (Konrad/Robert Atzorn)
Titel: Stilles Tal
Regie: Marcus O. Rosenmüller
Darsteller: Wolfgang Stumph, Robert Atzorn, Ulrike Krumbiegel, Victoria Trauttmansdorff, Sarah Alles und andere
Sendetermin: Mittwoch, 7. September 2011, 20.15 Uhr, Das Erste
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"Regisseur Marcus O. Rosenmüller (Wer früher stirbt, ist länger tot, Sommer in Orange)" ... Aua. Die beiden Filme sind von Marcus H. Rosenmüller. Dafür haben die beiden Rosenmüllers ja den Buchstaben in der Mitte eingeführt, damit man sie nicht durcheinander bringt.
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