Durchgehört Im Kopfkino fallen die Blätter

Von news.de-Volontär Ronny Janke und -Redakteur Michael Kraft
Machen wir uns nichts vor: Der Herbst kommt. Boy haben mit Mutual Friends schon den richtigen Soundtrack dafür im Gepäck. Auletta haben ein paar schlaue Zeilen auf Make Love Work gepackt, der Bombay Bicycle Club erfindet sich neu.

Manchmal erzeugt Musik wohlwollendes Kopfkino beim Hörer, sorgt für ein gerade erträgliches Maß an Zufriedenheit und nimmt einen mit auf eine Reise, die länger anhält als es dauert, dieses eine bestimmte Album zu hören. Die Band Boy haben mit dem Album Mutual Friends jetzt ein solches Album abgeliefert. Boy sind die jungen Frauen Valeska Steiner aus Zürich und Sonja Glass aus Hamburg. Und ihr elegant-verspielter Songwriter-Folk-Pop dürfte der perfekte Soundtrack für den bevorstehenden Herbst abgeben.

Gleich die erste Single der beiden Musikerinnen, Little Numbers, reißt mit, passt in keine Schublade, erzählt vom Warten auf den einen Menschen und das ohne die sonst so typische Herbstmelancholie. Drive Darling berichtet vom Aufbruch und erzählt so zart und schön von dem Moment, in dem der Mensch begreift, dass ein Weiterziehen manchmal eben unumgänglich ist, dass man sich am liebsten ins Auto der beiden Frauen setzen und für eine sehr lange Zeit nicht mehr aussteigen möchte. 

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Mutual Friends brennt wie eines dieser wärmenden Herbstfeuer - nur, dass die Musik von Boy länger anhält. In den kommenden Wochen und Monaten wird die Band gemeinsam mit Philipp Poisel auf Tour sein. Die Chance, Valeska Steiner und Sonja Glass live zu hören, sollte man sich nicht entgehen lassen. Sie sind vielleicht einer der wenigen Geheimtipps der kommenden Monate.

Interpret: Boy
Album: Mutual Friends
Plattenfirma: Grönland
Erscheinungsdatum: 3. September 2011

«Alles ist grau und verstaubt, zieh meine Sonnenbrille auf und alles um mich wird Gold» singen Auletta gleich im ersten Titel ihres neuen Albums Make Love Work. Irgendwo zwischen Franz Ferdinand und den Beatles haben es sich die Mainzer bequem gemacht, nutzen noch den einen oder anderen Synthie-Sound, um für das notwendige Alleinstellungsmerkmal zu sorgen und kreieren damit allerfeinsten Indie-Pop-Rock, der - und das darf man nicht vergessen - aus Deutschland kommt.

Die eigentliche Stärke der Band liegt jedoch in ihren Texten. Wenn Frontmann Alexander Zwick Zeilen wie «Sommerdiebe treffen sich wie Hände beim Applaus» oder «Ich werd die Sonne immer küssen, auch wenn ich verbrenn», dann klingt das nie peinlich. Auch wenn Auletta das Rad nicht neu erfinden, ist das, was sie mit Make Love Work abliefern, tatsächlich so wertvoll wie Gold. Eindringliche Texte, die mal deutlich sind, mal Raum zum Nachdenken bieten und über allem brillanter Pop-Rock, der dafür sorgen dürfte, dass der Herbst noch lange brennt.

Interpret: Auletta
Album: Make Love Work
Plattenfirma: EMI Music Germany
Erscheinungsdatum: bereits erschienen

Bombay Bicycle Club können sich alles erlauben. Zumindest könnten sie das glauben. Schließlich hat das Quartett aus London bisher in seiner Karriere quasi alles richtig gemacht – und ist auch mit den erstaunlichsten Wendungen und Finten durchgekommen. Für ihr Debüt wurden sie vom New Musical Express als beste neue Band des Jahres 2009 ausgezeichnet. Der Nachfolger Flaws war dann plötzlich rein akustisch und wurde trotzdem ein Top-10-Hit. Nun haben sich Bombay Bicycle Club für ihr drittes Album A Different Kind Of Fix schon wieder neu erfunden.

Die gute Nachricht: A Different Kind Of Fix klingt zwar neu, aber nicht wie eine komplett andere Band. Das Filigrane von Flaws und die Eingängigkeit von I Had The Blues But I Shook Them Loose werden hier kombiniert zu einer spannenden, ambitionierten Rockplatte. Vor allem ist es die Stimme von Jack Steadman, die diese Lieder erdet und ihnen einen Wiedererkennungswert gibt.

Vieler dieser Lieder könnten strahlende Hits sein, aber sie sind niemals auf Effekt aus, scheren sich nicht um ihren eigenen Glanz. Die Vorab-Single Shuffle (irgendwo zwischen Madness, Animal Collective und den Happy Mondays) oder Lights Out, Words Gone, das einen mysteriösen Sog entwickelt, zeigen, wie reizvoll das sein kann. Immer wieder werden auf A Different Kind Of Fix falsche Fährten gelegt, vieles bleibt wie hinter einem Nebel verborgen, und trotzdem entwickelt das Album eine enorme Anziehungskraft. Das ist wohl die Strategie des Bombay Bicycle Club, auf diesem Album und in ihrer Karriere: Sie wollen geliebt werden. Nicht schnell, sondern innig. 

Interpret: Bombay Bicycle Club
Album: A Different Kind Of Fix
Plattenfirma: Universal
Erscheinungsdatum: bereits erschienen

cvd/mik/news.de

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Moorfrau
  • Kommentar 1
  • 04.09.2011 21:43

habe boy als vorgruppe zu michy reincke in hoopte erlebt und gehört. ja, sie sind einfach nur klasse diese beiden mädels - michy reincke natürlich auch. er passte dieser abend an der elbe!!!

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