So., 27.05.12

Große Gefühle in 3D 02.09.2011 Technisches Affentheater

Von news.de-Redakteur Sven Wiebeck

In Planet der Affen - Prevolution macht sich Schauspieler Andy Serkis mal wieder zum Primaten. Bevor er Schimpanse Caesar sein Gesicht lieh, erweckte er bereits Gollum und den Riesenaffen Kong zum Leben - mit Hilfe aufwändiger Computertechnik und wiederentdeckter Theatralik.

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«Andy Serkis ist der Charlie Chaplin unserer Generation.» Das sagt Rupert Wyatt, Regisseur des Films Planet der Affen - Prevolution. Serkis sei einer von sehr wenigen Schauspielern, der sich die Technologie für visuelle Effekte ganz und gar zu eigen gemacht habe. Denn er begreife das volle Potenzial dessen, was sich erreichen lässt. «Er versteht, dass jede kleine Nuance - jeder seiner Atmer, jede kleine Muskelbewegung auf visuelle Weise Informationen vermittelt. Film ist zuallererst ein visuelles Medium, und wenn deine Figur eine Geschichte mit einer minimalen Menge an Worten erzählen kann, dann ist das ideal.»

Planet der Affen - Prevolution ist der erste Realfilm, der aus dem Blickwinkel eines mitfühlenden Tieres erzählt wird. Der Affe Caesar hat menschliche Eigenschaften, verleiht seinen Emotionen Ausdruck, kann strategisch denken, organisieren und schließlich sogar voller Entschlossenheit eine Revolution anzetteln. Er zeigt Fürsorge und Empörung, Wut, Trauer und Zärtlichkeit.

Das heißt, genau genommen tut dies Andy Serkis, der weltweit führende «Performance-Capture»-Schauspieler, der bereits der Figur des Gollum in der Herr-der-Ringe-Trilogie sowie dem Riesenaffen Kong in Peter Jacksons Neuauflage des Filmklassikers King Kong seine Mimik und Gestik lieh.

Die «Performance Capture» stellt eine Weiterentwicklung der «Motion-Capture»-Technologie - also der Bewegungserfassung - dar. Bei der «Performance Capture» werden nun nicht nur die Körperbewegungen, sondern auch die Gesichtsausdrücke von Schauspielern gescannt und aufgezeichnet, die dann mittels einer 3D-Computergrafik in animierte Filmbilder umgewandelt werden. Zuletzt wurden in Avatar - Aufbruch nach Pandora und Tron: Legacy mit Hilfe dieser Animationstechnik ganz neue fantastische Filmwelten und Figuren kreiert.

Making-of Prevolution
Der Affe stammt vom Menschen ab
Video: news.de

Eben diese umfassende Technologisierung von Filmproduktionen ist es aber, die letztlich eine Jahrtausende alte Technik des Schauspiels wieder verstärkt in den Fokus der Betrachtung rückt: So erlebt die theatralische, von der Bühne und aus dem Stummfilm bekannte Performanz eine wahre Renaissance, gewinnt die «übertriebene» Darstellung wieder an Bedeutung.

In den vergangenen Jahrzehnten hatten Filmemacher diese angesichts der Sehgewohnheiten und Erwartungen des Publikums mehr und mehr vernachlässigt. Für den heutigen Zuschauer mutet das ausladende Spiel auf der Kinoleinwand mitunter etwas albern an, er mag es eben dezenter - mit wenigen Ausnahmen. Bei genauem Hinsehen verlangt das Spiel im verkabelten Anzug jedoch nach einer ausgeprägten Mimik und Gestik. Die «Performance Capture» beruft sich auf das Theatralische aber auch das Nuancieren in der Darbietung.

Kleiner Blechkerl mit Kulleraugen

«Ich glaube, dass viele Schauspieler von ‹Performance Capture› eingeschüchtert werden», ergänzt Regisseur Rupert Wyatt. «Sie glauben, dass dadurch ihre Leistung von der tatsächlichen Realität des Films abgegrenzt wird. Dabei trifft das Gegenteil zu.» Hinzu kommt, dass bei Planet der Affen - Prevolution die «Performance Capture» vollständig in die realen Spielsequenzen integriert wurde. «Wir eliminierten also die Grenze zwischen visuellen Effekten und den realen Filmaufnahmen», beschreibt Joe Letteri, Senior Visual Effects Supervisor des Films und vierfacher Oscar-Gewinner. «Es ging nur noch um die darstellerische Leistung und die Interaktion der Schauspieler. Um den Rest - die eigentlichen visuellen Effekte - kümmerten wir uns später.»

Und Mime Andy Serkis ergänzt: «Alles ist sehr viel einfacher geworden. Was früher noch separiert von den anderen Schauspielern in einem Studio aufgezeichnet werden musste, kann heute in direkter Interaktion mit den anderen Darstellern gefilmt werden. Dies erlaubte mir, als Caesar mehr mit den anderen Schauspielern zu interagieren und ermöglicht natürlich eine sehr viel authentischere Herangehensweise als eine Aufnahme vor einer Green Screen. Action und Spektakel verschmelzen nahtlos mit dem Schauspiel.»

Ein gänzlich anderes doch nicht minder großartiges Beispiel für die wiederentdeckte Theatralik im Animationsfilm stellt Pixars geniales Weltraumabenteuer Wall-E - Der letzte räumt die Erde auf dar. Die ersten 40 Minuten kommt der mehrfach preisgekrönte Film - darunter Oscar und Golden Globe - nahezu komplett ohne Sprache aus und lebt beinahe ausschließlich von der Mimik und Gestik des Roboters Wall-E.

Dabei erinnert der kleine Blechkerl in seiner wortlosen Interaktion mit einer Kakerlake und anderen künstlichen Intelligenzen an den melancholischen Buster Keaton, neben Charlie Chaplin und Harold Lloyd einer der erfolgreichsten Schauspieler, Regisseur und Komiker der Stummfilmzeit.

Ob animierter Primat oder Roboter mit Kulleraugen, die Kraft seiner menschlichen Züge liegt stets im starken Ausdruck der wiederbelebten Theatralik des traditionellen Schauspiels.

car/news.de
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