Musik The War On Drugs modernisieren den Folkrock

Neben Wilco, Bright Eyes oder My Morning Jacket gehören The War On Drugs seit einigen Jahren zu den Folkrock-Erneuerern. Auch mit dem zweiten Album «Slave Ambient» wird die Band aus Philadelphia ihrem hervorragenden Ruf gerecht.

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The War On Drugs modernisieren den Folkrock Bild: dpa

Berlin (dpa) - Neben Wilco, Bright Eyes oder My Morning Jacket gehören The War On Drugs seit einigen Jahren zu den Folkrock-Erneuerern. Auch mit dem zweiten Album «Slave Ambient» wird die Band aus Philadelphia ihrem hervorragenden Ruf gerecht.

In 47 Minuten zeigt das US-Quartett um Adam Granduciel beispielhaft, wie man raffinierte Gitarren-Sounds, melancholischen Gesang und spannende Arrangements zu einer äußerst modernen Melange vermischt - und so ein traditionsreiches Genre neu belebt.

Mit dem Debüt «Wagonwheel Blues» (2008) und der EP «Future Weather» (2010) hatten The War On Drugs bereits Erinnerungen an den klassischen Rock der 70er und 80er Jahre geweckt. Bruce Springsteen, Tom Petty und Neil Young wurden zu meist euphorischen Vergleichen herangezogen. Dann setzte sich Sänger, Songwriter und Gitarrist Kurt Vile von der Band ab, um Anfang dieses Jahres sein Klasse-Soloalbum «Smoke Ring For My Halo» zu veröffentlichen.

Doch der Teilverlust brachte The War On Drugs nicht vom Kurs ab. Granduciel hat jetzt allein das Ruder übernommen, Vile spielt auf «Slave Ambient» nur in der zweiten Reihe mit. Die zwölf neuen Tracks sind indes eher noch besser geworden. Eine träumerische Stimmung liegt über dem Opener «Best Night», vielschichtige Akustik- und E-Gitarren ziehen den Hörer in einen sanften Sog. Auf «Brothers» singt Granduciel anschließend mit reichlich Hall auf der Stimme und zerdehnt die Silben wie der junge Dylan.

Dass manche Lieder ohne griffigen Refrain auskommen, fällt angesichts der Melodien- und Ideenfülle nicht negativ auf. The War On Drugs verzichten damit allerdings - trotz gelegentlicher Anklänge an Arcade Fire, etwa im Album-Hit «Baby Missiles» - bewusst auf Stadionbombast. Zumal die Band es nicht beim puristischen Americana-Sound belässt, sondern auch mit Postpunk-Verzerrungen und instrumentalen Elektronik-Experimenten («The Animator», «City Reprise») arbeitet.

Besonders reizvoll hört sich diese Mixtur auf «I Was There» an, wo eine folkige Mundharmonika mit unterschwelligen Keyboard-Effekten kontrastiert wird. Das leider fast vergessene 90er-Jahre-Trio Grant Lee Buffalo ist hier der nächstliegende Vergleich. «Come To The City» stampft über viereinhalb majestätische Minuten daher wie eine Büffelherde und erinnert daran, wie grandios U2 heute klingen könnten, wenn sie noch den Mut dazu hätten. Mit der sphärischen Ballade «Black Water Falls» zum Abschluss beweist das Quartett aus dem US-Staat Pennsylvania, dass es auch die ruhigere Gangart brillant beherrscht.

In eine bestimmte Ecke einordnen lassen sich The War On Drugs also nie - dazu ist diese Band zu selbstbewusst und zu eigenständig. Bevor Wilco mit neuem Album im September ihren Anspruch auf den Thron des modernen Folkrock erneuern wollen, haben Granduciel und Co die Messlatte sehr hoch gehängt. Das britische «Uncut»-Magazin, Hüter des guten Geschmacks im Folkrock-Sektor, zog für «Slave Ambient» jedenfalls schon einmal die Höchstnote und vergab seltene fünf Sterne an diese hervorragende Platte.

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news.de/dpa

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