Fernsehen Frey: ZDFinfo soll Tür für jüngere Zuschauer öffnen

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Frey: ZDFinfo soll Tür für jüngere Zuschauer öffnen Bild: dpa

Am 5. September startet der neue digitale Kanal ZDFinfo, der Nachfolger des ZDF-Infokanals. Im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa sagt ZDF-Chefredakteur Peter Frey, welche Ziele er für den Kanal hat.

Mainz (dpa) - Am 5. September startet der neue digitale Kanal ZDFinfo, der Nachfolger des ZDF-Infokanals. Im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa sagt ZDF-Chefredakteur Peter Frey, welche Ziele er für den Kanal hat.

Nach Ansicht von Frey bietet ZDFinfo die Chance, verstärkt jüngere Zuschauer anzusprechen - es soll interaktiv zugehen. Zugleich soll der Kanal eine Teststrecke für Formate und Moderatoren sein, die auch ins Hauptprogramm genommen werden könnten.

Was soll der neue digitale Kanal ZDFinfo bieten? Was ist anders als bei anderen Sendern?

Peter Frey: «Ich hoffe, dass im ZDF ein neuer, attraktiver Kanal für ein jüngeres Publikum entsteht. Für die Mitte der Gesellschaft, die 30- bis 50-Jährigen, die das Geld verdienen und in der Familienbildungsphase sind, für Menschen, die sich für Information interessieren und dabei besonders für Themen wie Geschichte, Europa und Service. Anders als ZDFkultur und ZDFneo ist ZDFinfo keine Gründung von Null aus, sondern die Weiterentwicklung eines bestehenden Kanals. Zum Start am 5. September werden wir eine ganze Handvoll neuer Formate präsentieren. Nicht umsonst haben wir den Slogan gefunden: "Fernsehen zum Mitreden".»

Was macht den Kanal denn zum «Fernsehen zum Mitreden»?

Peter Frey: «Auf einem sehr umkämpften Fernsehmarkt mit hunderten empfangbaren Fernsehsendern muss man fragen: Was unterscheidet diesen Kanal von anderen Digitalkanälen? Unsere Antwort ist: Wir bieten Sendungen an, die den Zuschauer zum Gespräch, zur Reaktion oder sogar zum Selber-Fernsehmachen anregen. Es entstehen Formate, die nicht nur im Fernsehen laufen, sondern plattformübergreifend zum Beispiel auch für die ZDF-Onlinewelt geeignet sind.»

Heißt das, ZDFinfo ist eine Art Test, um das Programm zu verjüngen?

Peter Frey: «Bei einem ZDF-Altersdurchschnitt von mittlerweile über 60 müssen wir Türen zu den Jüngeren aufmachen. Leicht ist das nicht. Da muss man sich vorantasten, inhaltlich und formal. Mit der wöchentlichen Talkshow "log in" suchen wir eine noch jüngere Zielgruppe und bringen Themen ins Fernsehen, die auch 20- bis 30-Jährige ansprechen, zuletzt etwa die Gentrifizierung unserer Städte. Das ist ein bisschen wild, ein bisschen chaotisch, aber immer engagiert und sogar unterhaltsam.»

Wird ZDFinfo auch Auswirkungen auf das Hauptprogramm haben?

Peter Frey: «Der Kanal steht für sich, ist aber auch eine Teststrecke für Formate und Moderatoren, die wir dann ins Hauptprogramm heben können. Das ist ein strategischer Vorteil, den die ARD über Jahrzehnte mit ihren dritten Programmen hatte. Wenn etwas Neues gut gemacht ist, wandern die Impulse sofort ins Hauptprogramm. Es entsteht ja keine eigene Organisation, sondern die Macher von "heute" oder "Wiso" gestalten jetzt auch Flächen bei ZDFinfo.»

Wer kann den Kanal sehen?

Peter Frey: «Der Kanal ist überall dort zu empfangen, wo digitale Sender ausgestrahlt werden und wo digitale Kanäle in Kabelnetze eingespeist werden. Im alten Infokanal haben wir Kontakt mit etwa einer Million Zuschauern, die sich mindestens eine Minute am Tag für den Sender entscheiden. Natürlich hoffen wir, dass es mit dem Relaunch noch ein paar mehr werden. Zum Angebot gehören auch zeitgeschichtliche Dokumentationen zur Hauptfernsehzeit um 20.15 Uhr. Wir wissen, dass es viele Jüngere gibt, die sich darauf freuen.»

Was kostet ZDF Info?

Peter Frey: «Der ganze Kanal kostet etwa so viel wie das ZDF-"Morgenmagazin". Für diesen Sender machen wir nicht alles neu. Wir wiederholen zum Beispiel Beiträge oder arrangieren sie neu. Synergien mit den bestehenden Redaktionen zu haben, ist ein wichtiges Prinzip - ohne das hätten wir den Sender auch nicht aufbauen können. Die Kosten für den Relaunch sind sehr übersichtlich, das Budget wird um einen mittleren einstelligen Millionenbetrag aufgestockt.»

Was steht nach ZDFinfo an Projekten an?

Peter Frey: «Unser nächstes Projekt ist Online: Wir wollen im nächsten Jahr heute.de und zdf.de einen komplett neuen Auftritt geben.»

Interview: Marc-Oliver von Riegen, dpa

ZDFinfo

news.de/dpa

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