Von news.de-Mitarbeiterin Stephanie Bremerich
Fahrstühle streiken, Stühle kollabieren und das eigene Geschlechtsteil ist unter den Körpermassen auch nicht mehr zu sehen. Na und? Die romantische Komödie Plötzlich fett! zeigt auf leichtfüßige Weise, dass Liebe mehr Gewicht hat als der Body-Mass-Index.
Seitdem er nicht mehr «Titten-Nick» ist, ist er ein Figurfaschist. Mobbing als Diät? Bei Nick Feltus (Sebastian Ströbel) hat es funktioniert. Aus dem unbeliebten Dickerchen zu Schulzeiten ist durch eiserne Diät ein gestählter Adonis und berühmter Fitnesscoach geworden. Jetzt ist sein Körper sein Kapital und er diskriminiert im großen Stil zurück - zumindest so lange, bis Eva Brand (Diana Amft) in seinem Fitness-Tempel auftaucht.
Die mollige Hotelangestellte hat ein Personal-Training mit dem «Bodydesigner» gewonnen und bekommt die ganze geballte Verachtung zu spüren, die Nick gegen ihre «Sorte Pummelchen» hat. Der Fragebogen zur Kundenzufriedenheit, den sie danach auf der Dachterrasse des Studios ausfüllt, fällt entsprechend missgünstig aus. Wie von Zauberhand wird er ihr von einem Windstoß entrissen und Eva stürzt vom Dach. Und siehe da: Am nächsten Tag ist Nick auf rätselhafte Weise plötzlich fett, während bei Eva quasi im Sturzflug die Pfunde gepurzelt sind.
Über deutsche TV-Produktionen wird ja gern und viel gejammert und auch die spiegelbildliche Dick-Dünn-Romanze um Eva und Nick wird notorischen Nörglern Kanonenfutter satt bescheren. Zugegeben: Der Plot ist mager, die Botschaft simpel und die Gags ziemlich vorhersehbar. Trotzdem macht die romantische Sat-1-Komödie Spaß - und das nicht nur, weil man sie guten Gewissens bei einer ordentlichen Portion Chips und Popcorn genießen kann.
Zunächst ist da Diana Amft, die man einfach lieben muss. Seit Doctor's Diary darf die 35-Jährige als deutsche (vielleicht sogar bessere) Bridget Jones gelten. und auch in der Rolle des sympathischen Pummelchens wird sie diesem Ruf mehr als gerecht. Vorzeige-Beau Sebastian Ströbel, den man vor allem aus der Ergo-Werbung kennt, macht als fieses Jojo-Opfer immerhin eine respektable Figur - nicht zuletzt dank der Maskenbildner Denis Penkov und Barney Nicolic (Harry Potter, Rammstein), die mit Fatsuits und aufwändigem Make-up ganze Arbeit geleistet und die Protagonisten auf verblüffend authentische Weise überdimensioniert haben.
Über Schönheitswahn und die wahre Liebe
Vor allem aber ist es die charmante Erzählweise, die dem Zuschauer zwar leichtes, aber nicht allzu seichtes Heimkino beschert. Plötzlich fett! handelt vom Suchen und Finden der Liebe, vom Verlieren und Gewinnen und von Selbst- und Fremdbildern in einer von Schönheitswahn geprägten Leistungsgesellschaft.
Der wohl cleverste Schachzug von Regisseur Holger Haase (unter anderem Doctors' Diary und Alarm für Cobra 11) und Drehbuchautorin Sarah Schnier (Marienhof und Kommissar Rex) besteht darin, dass Nick Feltus kein geborener, sondern ein gewordener Schönling ist. Sein Aufstieg vom gehänselten Moppelchen zum eitlen Fatzke karikiert eine turbokapitalistische Körperkultur, in der der Body-Mass-Index zum Richtwert für Erfolg, Sex und gutes Aussehen geworden ist.
Dass hinter seiner makellosen Fassade immer noch der kleine, gar nicht so schlimme Titten-Nick steckt, wird Nick Feltus nämlich erst klar, als er Eva kennenlernt, als Stühle unter ihm zusammenkrachen und er seinen Penis nicht mehr sehen kann. Am Ende solcher Filme rennen die Protagonisten immer - der Liebe, dem Glück, dem ganz großen Happy End hinterher. Im Falle von Plötzlich fett! fallen sie außerdem - wieder einmal vom Dach.
Bestes Zitat: «Jeder hat es selbst in der Hand, sein Leben und seinen Körper zu verändern.» (Nick/Sebastian Ströbel)
Titel: Plötzlich fett!
Regie: Holger Haase
Darsteller: Diana Amft, Sebastian Ströbel, Julian Weigend, Wolfram Berger und andere
Sendetermin: Dienstag, 30. August 2011, 20.15 Uhr, Sat.1