Mediatheken Online in die Röhre schauen

Immer mehr Deutsche sehen online fern - die Videoplattformen der Fernsehsender verbuchen massiv steigende Nutzerzahlen. Noch freuen sich die Macher der großen TV-Sender. Aber was passiert, wenn das Internet zur Konkurrenz wird?

Video-on-Demand (Foto)
Auf dem Laptop im Bett fernsehen? Kein Problem Dank Videoplattformen im Internet. Bild: iStockphoto

Lang galt der Fernseher als unantastbar, aber die Zukunft gehört dem Netz: Mediatheken oder Video-On-Demand-Plattformen könnten dem klassischen TV immer mehr Aufmerksamkeit abgraben. Die Mitte August veröffentlichte ARD-ZDF-Onlinestudie zeigt stetig wachsende Zugriffszahlen für Videoportale. Die Frage muss also gestellt werden: Wer setzt sich durch - die Mattscheibe oder der Bildschirm?

Während den meisten Internetnutzern noch vor wenigen Jahren Videos vergleichsweise unwichtig waren, entwickeln sich seit 2009 die Nutzungszahlen rasant nach oben. Die Forscher der Onlinestudie fanden heraus, dass in Deutschland in diesem Jahr 35 Millionen Menschen im Netz Videos schauten, davon 20 Millionen mindestens einmal pro Woche. Noch immer erreichen Videoportale wie YouTube oder MyVideo die meisten Nutzer und die On-Demand-Plattformen der Fernsehsender holen schnell auf.

Video-Plattformen: So sehen Sie im Internet fern
zurück Weiter Pro7 (Foto) Zur Fotostrecke Foto: news.de-screenshot (Prosieben.tv)

Enorme Steigerung der Zugriffszahlen

Allein in den ersten sieben Monaten des laufenden Jahres konnte beispielsweise RTLnow, die Videoplattform des größten deutschen Privatsenders, seine Zugriffszahlen um 26 Prozent gegenüber 2010 steigern. Etwa 14 Millionen Menschen besuchen monatlich die Seite und rufen mehr als 23 Millionen Videos auf. Ähnliche Zugriffszahlen können auch Das Erste und das ZDF vorweisen. In der ZDF Mediathek wurden im vergangenen Jahr monatlich 23,4 Millionen Videos angeklickt - auf das ganze Jahr hochgerechnet bedeutet das mehr als 280 Millionen Abrufe. Die Das Erste Mediathek nennt einen ähnlich hohen Wert von monatlich knapp über 20 Millionen abgerufenen Videos.

Der Medienkonzern ProSiebenSat.1 verzeichnet nach eigenen Angaben monatlich 110 Millionen abgerufene Videos, aufgeteilt auf die Videoplattformen der Sender Pro7, Sat.1, Kabel Eins und Sixx. Der Münchner Konzern möchte für die einzelnen Sender keine Zahlen veröffentlichen, aber es ist ein offenes Geheimnis, dass vor allem Prosieben.tv viele Nutzer anlockt. Ein möglicher Grund dafür ist die Spezialisierung von Pro7 auf eine junge Zielgruppe, die überdurchschnittlich netzaffin ist. Hinzu kommen in dieser Zielgruppe erfolgreiche Sendungen wie Germany's Next Topmodel. Heidi Klums Castingshow gilt als eine der meistgesehenen Shows im Netz.

Einigkeit über den Erfolg

Die Zahlen der fünf großen Sender entwickeln sich seit 2009 sehr ähnlich. Das liegt allerdings nicht nur daran, dass immer mehr Menschen die On-Demand-Plattformen für sich entdecken, sondern auch an den Sendern selbst. Der Trend geht dahin, alle Fernsehsendungen kostenfrei ins Internet zu stellen. RTL bietet schon jetzt 85 Prozent aller im Fernsehen gezeigten Serien, Shows und Filme im Internet an, Tendenz steigend.

ARD und ZDF wollen in ihren Mediatheken so bald wie möglich alle selbst produzierten Formate anbieten. ProSiebenSat.1 geht sogar noch einen Schritt weiter - hier werden schon seit längerem Videos exklusiv fürs Internet produziert. «Uns geht es oftmals nicht darum, Formate eins zu eins ins Internet zu stellen, sondern wir bieten zusätzlich Vorab-Informationen, Highlight- und Backstagematerial an», sagt Robin Seckler, Betriebsdirektor von ProSiebenSat.1 Digital.

Keine Gefahr fürs klassische Fernsehen

Auch in Bezug auf die Konkurrenz zum klassischen Fernsehgerät herrscht bei allen Sendern Einigkeit: Internet ist keine Konkurrenz, sondern Ergänzung. Das verkünden unisono alle Verantwortlichen. «Generell kann man sagen: Wenn ein Format wie Germany’s Next Topmodel erfolgreich im TV läuft, sind auch die Zugriffszahlen im Internet sehr hoch», sagt Robin Seckler, «beides befruchtet sich gegenseitig».

Ähnlich äußert sich auch Andreas Rindler von der Das Erste Mediathek: «Wir vermuten, dass sich Mediathekenabrufe und Fernsehquoten gegenseitig befruchten.» So würde bei gleichzeitigem Anstieg der Online-Abrufe die Fernsehquote teilweise sogar noch zulegen. Das bestätigt RTL-Interactive-Sprecher Thomas Bodemer: «Im vergangenen Jahr haben die Deutschen trotz der vielfältigen Abrufmöglichkeiten im Internet mit 223 Minuten im Tagesschnitt so viel ferngesehen wie noch nie.» Es geht also nicht um den Kampf Mattscheibe gegen Bildschirm. Im Gegenteil: die Zukunft gehört Mattscheibe und Bildschirm.

ruk/news.de

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