Von news.de-Redakteur Sven Wiebeck
Vicco von Bülow ist tot. Mit ihm hat Deutschland seinen größten und beliebtesten Humoristen verloren. Er starb am Montagabend in Ammerland am Starnberger See. Vicco von Bülow wurde 87 Jahre alt.
Unter dem Künstlernamen Loriot wurde Vicco von Bülow mit Cartoons, Trickfilmen, Zeichnungen, Sketchen und Spielfilmen zum beliebtesten deutschen Komiker und Karikaturisten. Benannt hatte er sich nach der französischen Bezeichnung des Pirols, des Wappentieres der Familie von Bülow. Seit 1951 war er mit Rose-Marie Schlumbom verheiratet, gemeinsam hatten sie zwei Töchter und zwei Enkelkinder.
Am 12. November 1923 in Brandenburg an der Havel geboren, wurde Bernhard Victor Christoph-Carl von Bülow in den 1950er Jahren zunächst mit Zeitschriften-Cartoons bekannt. Damals erfand er auch das charakteristische Knollennasenmännchen. Diverse deutsche Verlage zeigten kein Interesse an einer Veröffentlichung seiner Zeichnungen. Erst der Schweizer Diogenes Verlag sagte zu. 1954 erschien dort Loriots erster eigener Cartoonband Auf den Hund gekommen. Später kamen die Fernseh-Sketche, etwa in der ARD-Serie Loriot I-VI, hinzu. Meist mit der bereits 2007 verstorbenen Evelyn Hamann an seiner Seite.
Legendäre Auftritte - etwa beim verpatzten Rendezvous mit der Nudel im Gesicht oder als Lottogewinner Erwin Lindemann - zählen ebenso zu den Sternstunden deutscher Komik wie die Cartoons Herren im Bad und Das Frühstücksei. Auch Loriots Kinofilme Ödipussi (1988) und Pappa ante Portas (1991) begeisterten Millionen Zuschauer.
Das von ihm kreierte Tier, die gemeine Steinlaus mit dem wissenschaftlichen Namen «Petrophaga lorioti», schaffte es 1982 sogar in das medizinische Wörterbuch Pschyrembel. Seither gilt der fingierte Artikel über das fiktive Nagetier in dem Standardwerk für Mediziner als Paradebeispiel des wissenschaftlichen Witzes. Und was wäre diese Republik ohne Wum und Wendelin, Reinhold das Nashorn, die Szenen einer Ehe, die Herren auf der Rennbahn oder Das Jodel-Diplom?
Jahr für Jahr fällt in unzähligen weihnachtlich geschmückten Haushalten der Satz «Früher war mehr Lametta!». Geprägt hat ihn Loriot, während der Weihnachtsfeier bei Hoppenstedts. Auch Formulierungen wie «Das Bild hängt schief», «Ein Klavier, ein Klavier!», «Ach was?!» und «Ja wo laufen sie denn?» haben Einzug in den alltäglichen Sprachgebrauch gehalten.
Loriot wurde für seine Arbeit mit zahlreichen Film- und Fernsehpreisen ausgezeichnet. Bereits 1973 bekam er den Grimme-Preis in Silber. Es folgten unter anderem 1984 der Erich-Kästner-Preis für Literatur und 2004 der Jacob-Grimm-Preis für seinen Einsatz um die deutsche Sprache. Zuletzt erhielt der Satiriker und begnadete Zeichner 2007 den Wilhelm-Busch-Preis für sein Lebenswerk sowie 2009 den Lola-Ehrenpreis der Deutschen Filmakademie. 2010 wurde zudem Loriots Stern auf dem Boulevard der Stars in Berlin enthüllt.
In Umfragen nach der Beliebtheit kam er regelmäßig auf einen der vordersten Plätze. Im Jahr 2007 wählten ihn die Zuschauer der ZDF-Sendung Unsere Besten - Komiker & Co auf Platz eins - vor Heinz Erhardt. Manche nannten den Offizierssohn, dessen Vorfahren am Hof von Friedrich dem Großen verkehrten, auch den «Karl Valentin des Cartoons und der Fernsehunterhaltung» oder «Deutschlands komischste Figur».
Der Tod des großartigen und scharfsinnigen Komödianten Vicco von Bülow hinterlässt eine riesige Lücke in der Unterhaltungslandschaft. Seine pointierten, mitunter ins Absurde übersteigerten Betrachtungen des alltäglichen menschlichen Miteinanders sind zeitlose Meisterwerke. Ruhige, zurückgenommene Gegenstücke zu den lauten, überdrehten Comedians, die heute die Bühnen und TV-Bildschirme bevölkern.
Diese kommen und gehen. Loriot bleibt unsterblich.
Loriot im TV: Die ARD wird nach dem Tod von Komiker Loriot am Dienstagabend, 23. August, ihr Programm ändern. Statt der Dokumentation Alarm am Hauptbahnhof - Auf den Straßen von Stuttgart 21 ist um 22.45 Uhr der Loriot-Film Pappa ante Portas aus dem Jahr 1991 zu sehen. Im Anschluss um 0.10 Uhr sendet die ARD die Wiederholung einer Dokumentation in der Reihe Deutschland, Deine Künstler über Loriot. Nach dem Nachtmagazin ist die Ausstrahlung von Loriot-Sketchen geplant. Mit einer Sondersendung nimmt auch das ZDF heute Abend Abschied von Vicco von Bülow: Ab 19.25 Uhr führt Markus Lanz durch die Sendung Loriot - Tod einer Legende. Als Gäste begrüßt der Moderator unter anderem Marianne Koch, Hans-Peter Korff und Jörg Knör. Das Promi-Magazin Leute heute wird sich um 17.45 Uhr monothematisch ebenfalls mit dem Leben des verstorbenen Komikers beschäftigen. Zudem zeigt das ZDF um 0 Uhr einen Nachruf.
krc/news.de