Gamescom 2011 «Wir machen niemanden gewalttätig»

Online-Rollenspiel «World of Warcraft: Cataclysm» (Foto)
Wird in der Videospieldebatte immer wieder als gewalttätig und süchtig machend kritisiert: World of Warcraft. Bild: Blizzard Entertainment

Von news.de-Redakteurin Mandy Hannemann, Köln
Trägt World of Warcraft Schuld an den Toten von Norwegen? News.de fragte die Entwickler des erfolgreichsten Online-Rollenspiels. Tom Chilton und Chris Robinson sprachen auch über ihren Erfolg und den Wechsel zur Konsole.

Herr Chilton, Herr Robinson, kein anderes Online-Rollenspiel ist erfolgreicher als World of Warcraft. Was ist das Geheimnis des Spiels?

Chris Robinson: Das ist schwer zu sagen. Es gibt nicht nur die eine Sache, die uns zum Erfolg verholfen hat. Mit dem Team, mit dem die ursprüngliche Version von World of Warcraft entstand, haben wir nie gesagt, wir wollen zehn Millionen Spieler erreichen. Wir hatten damals auch nicht die Rückmeldungen von Spielern, wie wir sie heute haben. Wir haben das Spiel einfach danach entwickelt, was unserer Vorstellung von einem guten Spiel entsprach. In der Zeit, in der World of Warcraft gewachsen ist, sind wir nicht davor zurückgeschreckt, schwierige Entscheidungen zu treffen oder solche, die nicht populär waren. Uns ging es nur um das, was für das Spiel das Beste war. Das scheint uns gelungen zu sein.

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Zocker, Promis und Gedränge
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Wenn Sie die Zeit zurückdrehen könnten, was würden Sie heute bei World of Warcraft anders machen?

Robinson: Es fällt mir schwer, das zu sagen. Sicherlich haben wir während der Entwicklung einige Fehler gemacht. Aber auch das ist wichtig, damit ein Spiel wächst. Eines der kleinen Dinge, die wir sicherlich anders hätten machen können, ist die Tatsache, dass wir zu viel Zeit mit Vashir (Anmerkung der Redaktion: Dabei handelt es sich um eine spielbare Unterwasserwelt in World of Warcraft) verbracht haben, dass es zu groß geworden ist. Wenn wir weniger Zeit darauf verwendet hätten, hätten wir mehr Zeit für andere Dinge gehabt, hätten andere Zonen ausbauen können...

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Gamescom auf Rekordkurs
Video: dapd

Tom Chilton: ... oder andere Spielgebiete machen ...

Robinson: ... oder andere Gebiete machen können. Eine zwiespältige Sache ist vielleicht auch der DungeonDungeons sind für Rollenspiele ganz besondere Orte. Zumeist sind diese unterirdisch oder in Höhlensystemen angesiedelt. Als Heim- und Brutstätte für Kreaturen, die in der Regel nicht von einem einzelnen Spieler besiegt werden können, sind sie ein beliebter Treffpunkt für all jene Rollenspieler, die sich mit Vorliebe in schwierige Spielsituationen stürzen und diese gemeinsam mit anderen meistern wollen. Finder (Anmerkung der Redaktion: Ein Hilfsmittel, mit dem Spieler direkt ein virtuelles Schlachtfeld betreten können, um in einer Gruppe zu spielen). Von außen betrachtet ist es vielleicht ein gutes Hilfsmittel, damit höherrangige Spieler sich treffen und mehr Spielinhalte erleben als vorher. Andererseits reisen die Spieler nun nicht mehr durch die gesamte Spielwelt. Manche sehen nicht einmal mehr, was außerhalb der Dungeons oder Instanzen zu sehen und zu erleben ist. Sie verlieren also den Zugang zu einem anderen Teil des Spielgeschehens.

Chilton: Wenn man sich das World of Warcraft von heute anschaut, die aktuelle Version, dann wäre die nicht die beste Entscheidung für die Spieler von vor sechs oder sieben Jahren gewesen. Das hätte einfach nicht gepasst. Die Entwicklung ist ein wichtiger Teil von World of Warcraft. Wir sind stolz darauf, dass das Spiel mit der Zeit gewachsen ist und sich mehr und mehr an den Wünschen der Spieler orientiert hat. Man könnte natürlich sagen, dass die 40-Mann-Schlachtzüge von einst heute ein großer Fehler wären. Aber aus der damaligen Perspektive gehörten sie unbestritten zum Spiel.

Mit der dritten Erweiterung - Cataclysm - ist die Engine des Spiels überarbeitet worden, was sich besonders positiv auf die Grafik ausgewirkt hat. Ist World of Warcraft damit reif, auch auf der Konsole spielbar zu sein?

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Das wird in Köln gezockt
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Chilton: Ich glaube, das hängt eher von der Benutzeroberfläche und den Steuerelementen ab. Grundsätzlich können wir uns vorstellen, dass World of Warcraft auch auf der Konsole funktioniert. Aber es gibt so viele Steuerungsmöglichkeiten, die am PC einfach besser funktionieren und sich an einer Konsole ungeschickt anfühlen würden. Man denke nur an das Auktionshaus. Sucht man dort nach einem Gegenstand, muss man dessen Namen eingeben. Das Buchstabe für Buchstabe mit einem ControllerAls Controller wird das Eingabegerät für PC und Konsolen bezeichnet, mit dem Videospiele gesteuert werden können. zu machen, das wäre einfach furchtbar. Ähnlich wäre es mit den fünf oder mehr Interaktionsmenüs, die das Spiel derzeit bietet... Für die Konsole müsste das alles völlig neu konzipiert werden, um eine gute Spielerfahrung zu ermöglichen. Da ist es mit einer schnelleren Xbox einfach nicht getan.

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Wir wollen doch nur spielen!
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Robinson: Es ist superschwer, etwas völlig neu zu machen und wirkungsvoll umzusetzen, das bereits funktioniert.

Können Sie sich vorstellen, dass World of Warcraft einmal für Smartphones tauglich sein wird?

Chilton: Ich glaube, auf Smartphones[tt=Streng genommen handelt es sich um Mobiltelefone mit erweiterten Fähigkeiten - zum Beispiel für die Verwaltung von Kontakten, Terminen und Aufgaben (sogenannten PIM-Funktionen) - sowie multimedialen oder internetbasierten Anwendungen. Sie benutzen meist ein spezielles Betriebssystem, welches die Installation weiterer Programme erlaubt (Symbian OS, Windows-Mobile, Android). Der Begriff Smartphone wird oft synonym für Geräte anderer Gattungen verwendet, zum Beispiel Organizer oder PDAs mit Telefonfunktionen. würde World of Warcraft deutlich verlieren. Ich kann mir allerdings vorstellen, dass es immer mehr Funktionen für die mobile Version der Amory (Anmerkung der Redaktion: Eine durchsuchbare Datenbank mit allen Fakten rund um das Spiel.) geben wird. Aber bis das Spiel vollständig auf einem Smartphone verfügbar ist? Es ist noch ein langer Weg, bis man seinen Charakter mit einem Finger spielen könnte.

Kommen wir zu anderen Debatten: Nach dem Tod von mehr als 70 Menschen in Norwegen hat eine Handelskette beschlossen, das Spiel nicht mehr zu verkaufen, weil der Amokläufer selbst World of Warcraft spielte. Auch in Deutschland erwägen Politiker, das Spiel für Jugendliche zu verbieten. Wie gewalttätig ist das Spiel aus Ihrer Sicht?

Chilton: Grundsätzlich ist World of Warcraft kein gewaltverherrlichendes Spiel. Natürlich gibt es Kämpfe und man muss seine Gegner besiegen. Aber ich bin überzeugt, dass World of Warcraft niemanden zu einem gewalttätigen Menschen macht. Dafür gibt es viele andere Gründe.

Neben den politischen Aussagen gibt es Forscher, die sagen, World of Warcraft mache süchtig. Was halten Sie davon?

«WoW: Cataclysm»
Eroberer einer neuen, alten Welt
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Chilton: Es gibt so viele unterschiedliche Menschen und genauso unterscheiden diese sich darin, wie viel Zeit sie mit Spielen wie World of Warcraft verbringen. Wir haben viele Mechanismen ins Spiel eingebaut, die übermäßiges Spielen nicht auch noch belohnen. Etwa das Erholungssystem. Spieler, die sich für längere Zeit ausloggen, bekommen also zusätzliche Erfahrungspunkte. Zudem gibt es ein wöchentliches Limit für Eroberungs- und Tapferkeitspunkte. Ab einem bestimmten Punkt ist es also sinnlos, übermäßig zu spielen, weil verschiedene Effekte auf bestimmte Zeiträume begrenzt sind. Obendrein helfen wir Spieler mit der Spielzeiteinstellung, damit sie wissen «Oh, ich habe jetzt schon so lange gespielt...» und ähnlichem. Andererseits liegt es aber auch in der Verantwortung der Spieler selbst, sich Grenzen zu setzen.

Zu guter Letzt: Blizzard Entertainment hat sich vor einigen Tagen die Handelsmarke «Mist of Pandaria» gesichert. Erzählen Sie uns doch bitte etwas mehr darüber...

Chilton: Wie Sie wissen, machen wir viele Dinge. Spiele, Bücher, Comics... Entsprechend benutzen wir unsere Handelsmarken für unterschiedliche Produkte. Das heißt, diese Handelsmarke ist noch lange keine Garantie dafür, dass eine neue Erweiterung erscheint. (Anmerkung der Redaktion: Unter erfahrenen World of Warcraft-Spielern wird derzeit heftig darüber diskutiert, dass «Mist of Pandaria» die vierte Fortsetzung von World of Warcraft sein könnte.)

Tom Chilton ist Lead Game Designer von World of Warcraft, Chris Robinson verleiht dem Online-Rollenspiel als Art Director seine besondere Note. World of Warcraft gibt es seit November 2004, inzwischen hat das Spiel mehr als elf Millionen Abonnenten und wir in einschlägigenen Fachmagazinen mit hochrangigen Bewertungen gewürdigt. Entwicklerstudio und Herausgeber von World of Warcraft ist Blizzard Entertainment.

brc/sca/news.de

Leserkommentare (4) Jetzt Artikel kommentieren
  • evyi
  • Kommentar 4
  • 09.11.2011 20:14

LoL ich lach mich schlapp!!! Wenn das wirklich wahr wäre dann müssen wir an den Schulen den Geschichtsunterricht verbieten und Religion auch (Hitler /Krieg /kreuzigung) um nur ein paar zu nennen sind die nicht gewaltätig ? ^^Erst denken dann schreiben nur nen kleiner Tipp

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  • Peter
  • Kommentar 3
  • 25.08.2011 21:31
Antwort auf Kommentar 1

In welcher Welt leben Sie denn? Ohne sich mit dem Thema sorgfältig auseinandergesetzt zu haben, sollte man gar nicht erst darüber urteilen.

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  • deardori
  • Kommentar 2
  • 23.08.2011 23:14

Werter Herr noname big brother, Sie sollten in Erwägung ziehen, beim Spielen dieser Spiele weniger bewusstseionserweiternde Substanzen zu sich zu nehmen. Dann sieht die Welt schon gleich viel weniger schreckenseinflößend aus.

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