Gamescom 2011 «Bei Gewalt sind die Deutschen konservativer»

The Darkness II ist eines der blutigsten Videospiele, die demnächst erscheinen. News.de sprach auf der Gamescom mit Entwickler Tom Galt über die Schwierigkeit, brutale Spiele in Deutschland zu veröffentlichen.

Splatter-Shooter «The Darkness II» (Foto)
Blutiges Spiel mit einer gespaltenen Persönlichkeit: The Darkness II ist kein Kinderspiel. Bild: 2k Games

Herr Galt, The Darkness II ist ein brutaler, sehr blutiger Mix aus Shooter und Horror. Warum lassen sich Spieler davon begeistern?

Tom Galt: Ich glaube, die Spielmechanik macht es zu einem neuen Erlebnis, das Spieler bisher nicht gesehen haben. Man schießt nicht nur mit Waffen wie in anderen Spielen. Man nutzt seine dämonischen Kräfte, um mit seinen Gegnern und der Umwelt zu interagieren. Man kann eine Gasflasche wie eine Granate gegen seine Gegner werfen, man kann seine Gegner schnappen und exekutieren. Es sind die harten Elemente wie das Aufschlitzen und Aufgreifen, die das Spiel zu einem schnellen Erlebnis werden lassen.

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Welche Zielgruppe hat The Darkness II Ihrer Meinung nach?

Galt: Das sind definitiv die erwachsenen Spieler. Es ist ein sehr gewalttätiges Spiel, das absolut nicht für Kinder gemacht ist. Das wird während des gesamten Spiels sehr deutlich. Wir wollen Spieler ansprechen, die Shooter mögen, die großartige Geschichten und interessante Charaktere mögen. Wir sind überzeugt, dass dies absolut nur etwas für Gamer ist.

Worauf kommt es bei einem Spiel wie The Darkness II an, damit die Leute es mögen?

Galt: Eine Menge Dinge. Eines davon ist es, die Spielmechanik so zu gestalten, dass sie die Spieler noch in keinem anderen Spiel erlebt haben. Es soll etwas Neues, etwas Anderes sein. Um die Fans von The Darkness anzusprechen, haben wir die Gestaltung aus dem Comic übernommen, sodass die Spieler sie im Spiel erleben können. Die Spieler sollen das Gefühl bekommen, als steckten sie mitten in dem Comic. Die Comics sind wild und blutig und natürlich ist auch das Spiel so. Deshalb werden die Spieler auch The Darkness II mögen.

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Video: YouTube

Das Vorgängerspiel The Darkness wurde in Deutschland zensiert und konnte nur in einer gekürzten Variante veröffentlicht werden. Ist Deutschland ein schwieriges Land für Geschichten wie The Darkness?

Galt: Ich glaube nicht, dass es ein schwieriges Land ist. Wir haben The Darkness II genauso entwickelt wie The Darkness, die Geschichte ist exakt die gleiche. Damit bleibt es ein großartiges Spielerlebnis. Natürlich gibt es in Deutschland Hindernisse bei der Veröffentlichung, wie auch in anderen Ländern der Welt. Deshalb arbeiten wir mit den Einstufungsbehörden (Anmerkung der Redaktion: In Deutschland ist es die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle.) zusammen, um herauszufinden, was wir tun können und was wir verändern müssen, um sicher zu stellen, dass das Spiel überall erscheinen kann.

Viele Politiker in Deutschland sagen, Shooter wie The Darkness II sind schuld an Amokläufen. Was antworten Sie darauf?

Galt: Das mag deren Meinung sein. Der stimme ich aber nicht zu. Eigentlich möchte ich in diese Debatte nicht einsteigen. Aber ich bin überzeugt, es gibt viele Ursachen, die Menschen dazu verleiten, solche schrecklichen Taten zu begehen. Ich glaube nicht, dass Spiele allein der Auslöser sind. Es gibt so viele Spieler. Über 250.000 sind auf der Gamescom und alle spielen Videospiele und Shooter ...

Sind die Deutschen zu konservativ, wenn es um Videospiele geht?

Galt: Ich glaube nicht. Aber sie sind deutlich konservativer, wenn es um Gewalt geht, die gezeigt wird. Andererseits spielen sie die gleichen großartigen Videospiele und machen die gleichen Erfahrungen bei tollen Storys wie jeder andere auf der Welt. Die Gamescom kann ein Test sein, wie Games die Kultur in Deutschland verändern. Ich glaube, Videospiele sind hier eine verbreitete Kultur und sie werden es auch in Zukunft sein.

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Wie, glauben Sie, werden Videospiele in der Zukunft aussehen?

Galt: Das ist schwierig zu sagen. Grundsätzlich ist technisch heute schon unglaublich viel möglich. Was man grafisch darstellen kann, ist der Hammer. Aber um solche guten Spielgrafiken zeigen zu können, braucht man riesige Teams von Künstlern, die die Spielwelten gestalten. Ich glaube, künftig geht unsere Arbeit dahin, dafür zu sorgen, dass diese Spielwelten sehr viel lebendiger werden und die Charaktere sich glaubhafter verhalten. Vielleicht wird es auch darum gehen, das Klangbild und die Vernetzung der Spieler zu verbessern und Ähnliches. Es gibt vieles, was man verändern kann. Aber es wird nicht mehr nur um die Grafik gehen, sondern vor allem darum, das Spielerlebnis noch erheblich zu verbessern.

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Und wie werden wir in der Zukunft spielen? Wird es noch Konsolen geben oder spielen wir nur noch auf Smartphones?

Galt: Auf jeden Fall werden immer mehr Spiele für Smartphones veröffentlicht. Aber Spiele wie The Darkness II, echte Shooter, werden weiterhin auf Konsolen wie der Xbox 360 gespielt, oder eben auf dem PC mit entsprechender Tastatur. Die Steuerung macht aus, wie gut das Spielerlebnis ist. Das kann man nicht mit der Erfahrung vergleichen, die man bisher mit Smartphones hat. Es wird immer die Couch vor dem Fernseher geben, um ein Videospiel zu spielen. Ich glaube nicht, dass das jemals verschwinden wird.

Tom Galt ist Lead Designer für das Spiel The Darkness II beim Entwicklerstudio Digital Extremes. The Darkness II erscheint voraussichtlich im Februar 2012 und wird von Publisher 2k Games herausgegeben. Eine Alterseinstufung der deutschen Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle gibt es noch nicht.

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sca/zij/news.de

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