Musik Hindemith-Preis für Markus Lehmann-Horn

Hindemith-Preis für Markus Lehmann-Horn (Foto)
Hindemith-Preis für Markus Lehmann-Horn Bild: dpa

Bekannt ist er vor allem als Filmkomponist. Am Sonntag wird Markus Lehmann-Horn jedoch für ein Werk für klassisches Orchester ausgezeichnet.

Lübeck/München (dpa) - Bekannt ist er vor allem als Filmkomponist. Am Sonntag wird Markus Lehmann-Horn jedoch für ein Werk für klassisches Orchester ausgezeichnet.

Der 34-Jährige erhält den Paul Hindemith-Preis des Schleswig-Holstein Musik Festivals (SHMF). Mit 20 000 Euro ausgestattet, ist er einer der bestdotierten Förderpreise für junge Komponisten. Außerdem hat die Neue Oper Wien sein jüngstes Bühnenwerk zur Uraufführung angenommen: Seine abendfüllende Oper «Woyzeck 2.0» wird dort im April Weltpremiere feiern.

Der seit 1990 beim SHMF verliehene Paul Hindemith-Preis wurde in diesem Jahr erstmals bei einem Wettbewerb vergeben. Unter 20 Kompositionen wählte die Jury Lehmann-Horns Konzert «Rot» aus, geschrieben für Solo-Schlagzeug und Orchester. Das Werk wird zwar am Sonntag noch nicht uraufgeführt. Musik des Preisträgers ist dennoch zu hören. Die norwegische Sopranistin Trine Wilsberg Lund singt, begleitet vom Festivalorchester unter John Axelrod, «Liebeslieder» nach Texten von Else Lasker-Schüler.

Die Farbe Rot sei Programm, erläutert der Komponist den Titel seines preisgekrönten Stückes. Man assoziiere Blut, Pulsschläge, Aggressivität. Sein Verlag veröffentliche sonst alles in gelbem Einband. Für das neue Werk mache der Verleger eine Ausnahme: Es erscheint in rotem Umschlag. Markus Lehmann-Horn ist auf mehreren Gebieten tätig. Wirtschaftliche Grundlage seien Aufträge von Film und Fernsehen. Für mehr als ein Dutzend Filme hat er die Musik geliefert: Spielfilme, Dokumente, Experimentelles. Im Fach Filmmusik wurde er inzwischen mit einem Lehrauftrag an der Hochschule für Musik und Theater in München betraut.

Lieblingsinstrumente gibt es für den Komponisten nicht. Natürlich sei es wunderbar, die Klangmöglichkeiten eines großen Orchesters zu nutzen. Ebenso reizvoll aber sei es, für ein einziges Instrument zu schreiben, meint er. Zurzeit arbeitet er an einem Solostück für Orgel. Auf der Nürnberger Orgelwoche 2012 soll es erstmals erklingen. Neue Musik hat es schwer, sich durchzusetzen. Lehmann-Horn wünscht sich ein offenes Publikum. Seine Erfahrung: Bei Kindern stelle sich die Frage «Bekannt oder Neu» nicht. Sie haben ein Gespür, ob eine Musik etwas ausdrückt und lassen sich dann fesseln, sagt er. Das sollte Schule machen.

Seine Oper «Woyzeck 2.0» sei keine Vertonung des Dramas von Georg Büchner, sagt Lehmann-Horn. Er habe einige Figuren des Dramenfragments entliehen. Im Mittelpunkt stehen ein Mörder im Gefängnis und eine Schauspielerin. Beide pflegen intensiven Briefkontakt.

Markus Lehmann wurde 1977 in München geboren. Mit sieben Jahren erhielt er Klavierunterricht. Die Gitarre kam hinzu, im Jahr 2000 Kompositionsunterricht. Von 2003 bis 2007 lag der Studienschwerpunkt an der Münchner Hochschule auf Filmmusik. Professor Heinz Winbeck nahm ihn zudem in seine Komponisten-Meisterklasse in Würzburg auf. 2009 erhielt er den Franz Grothe Förderpreis, benannt nach dem Vater der Tonfilmmusik. Mit Paul Hindemith, dem Namensgeber der jüngsten Auszeichnung, verbindet er vor allem die Oper und Sinfonie «Mathis der Maler».

SHMF

news.de/dpa

Leserkommentare (0) Jetzt Artikel kommentieren
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig