Von news.de-Redakteur Cord Krüger
Ein Mittvierziger kämpft um seine Ehe, sein Sohn um seine Babysitterin. Und ein Frauenheld verliert sein Herz. Crazy Stupid Love verwebt drei Geschichten über die große Liebe. Eine originellere romantische Komödie wird man in diesem Kinojahr kaum finden.
Romantische Komödien produziert die Traumfabrik Hollywood seit Jahren wie am Fließband: In die einzelnen Filme wird dabei nicht mehr Kreativität und Aufmerksamkeit investiert als in ein Ford T-Modell vor hundert Jahren. Im Ergebnis verrichten sie leidlich spannend ihren Dienst, ohne je zu begeistern. Doch wenn man schon denkt, es passiere nichts Aufregendes mehr, dann plumpst unversehens ein Film vom Fließband, der überhaupt nicht wie ein T-Modell aussieht. Eher wie ein Lamborghini Miura. Crazy Stupid Love ist so einer.
In seinem nicht hoch genug zu lobenden Drehbuch hat Dan Fogelman (Cars, Rapunzel - Neu verföhnt) Material für ein halbes Dutzend Filme untergebracht. Da ist die Geschichte von Cal (Steve Carell) und seiner Frau Emily (Julianne Moore), die sich nach 25 Jahren Ehe trennen, weil sie eine Affäre begonnen hat. Cal versucht daraufhin mithilfe von Frauenheld Jakob (Ryan Gosling) seine auf der Strecke gebliebene Männlichkeit wiederzufinden.
Da ist die Geschichte von Cals Sohn Robbie (Jonah Bobo), der seiner Babysitterin unentwegt seine Liebe gesteht. Bloß ist sie 17, vier Jahre älter als er, und alle sagen ihm, er wisse ja gar nicht, wovon er da rede. Und da ist die Geschichte von Jakob, der alle Frauen haben kann und sich ausgerechnet in die eine (Emma Stone) verliebt, die ihn abweist. Und der sich ausgerechnet bei Cal Rat holt, wie man das macht: eine Beziehung führen.
Hier sind alle die Guten
Fogelman gelingt das Kunststück, diese drei Handlungsstränge schlüssig zu verknüpfen, Klischees elegant zu umgehen und Überraschungen in Hülle und Fülle einzuweben bis hin zu einem kolossalen Twist am Ende des zweiten Akts. Das Drehbuch kommt dabei ohne den inzwischen üblichen derben Humor aus, und selbst für ein zunächst abgeschmackt wirkendes Element wie einen Umschlag mit Nacktfotos findet sich am Schluss ein ebenso schlüssiger wie romantischer Verbleib.
Die Geschichte ist derart ausgefuchst, dass sie noch nicht einmal eines Bösewichts bedarf. Selbst Emilys Affäre, David Lindhagen (Kevin Bacon), kommt verblüffend gut weg. Hier sind alle die Guten, ohne dass dieser Umstand Crazy Stupid Love zahnlos oder allzu versöhnlich werden ließe.
Weniger reden, mehr zeigen
Auch die Inszenierung sprüht nur so vor guten Ideen und einer im Genre raren handwerklichen Sorgfalt. Die Regisseure Glenn Ficarra und John Requa begnügen sich nicht damit, ihre Darsteller zu flotten Popsongs durch die Standardsituationen einer romantischen Komödie zu jagen, sie finden tatsächlich Bilder. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit im Kino, bloß erklärt Hollywood in jüngster Zeit immer mehr im Dialog, anstatt es im Bild zu zeigen.
Dass Crazy Stupid Love ein anderes Kaliber ist, wird schon in der ersten Einstellung klar, einer extrem niedrigen Kamerafahrt durch ein Restaurant. Da sieht man lauter männliche und weibliche Füße in feinen Schuhen, einander umtänzelnd oder liebkosend. Nur unter dem letzten Tisch, da bleiben die Füße für sich: zwei in Pumps und zwei in ausgelatschten Turnschuhen. Um die Beziehung von Emily und Cal, das wird ohne eine einzige Zeile Dialogs sofort klar, ist es nicht gut bestellt.
Diese handwerkliche und erzählerische Finesse hält der Film bis zum Schluss, der zu Tränen rührt ohne im Kitsch zu versinken, weil er aufhört, wenn alles gesagt ist. Einen letzten Blick sieht man dann, ein Lächeln. Der Abspann setzt ein und Wayne Coyne von den Flaming Lips klagt das bittersüße Revenge. Was hat man da gesehen? Die beste romantische Komödie seit (500) Days Of Summer? Vielleicht. Einen Diamanten unter lauter Glasperlen? Ganz sicher.
Bestes Zitat: «Mein Gott, du siehst aus wie gephotoshopt!» (Hannah ist entsetzt über Jakobs Bauchmuskeln)
Titel: Crazy Stupid Love
Regie: Glenn Ficarra, John Recqua
Darsteller: Steve Carell, Ryan Gosling, Julianne Moore, Emma Stone, Marisa Tomei, Kevin Bacon
Altersfreigabe: ab 12 Jahren
Verleih: Warner Bros.
Starttermin: 18. August 2011
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