Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen
Miese Sofia Milos, zu viel Sex, zu wenig Lokalkolorit: Der erste Schweizer Tatort seit neun Jahren legte einen schlechten Start hin. Nur 6,8 Millionen TV-Zuschauer wollten ihn sehen. News.de fasst zusammen, woran es dem Sonntagskrimi mangelte.
Einen Rekord hatte der ARD-Sonntagskrimi, mit dem das Schweizer Fernsehen nach knapp zehn Jahren Abstinenz wieder ein Tatort-Comeback feiern wollte, schon vor seiner Ausstrahlung sicher: den Superlativ für die peinlichsten Start-Bedingungen nämlich.
Eigentlich sollte die Episode mit dem Titel Wunschdenken schon im April gesendet werden. Doch dann wurde Regisseur Markus Imboden (Grimme-Preis für Mörder auf Amrum) zu Nachbesserungen gezwungen, weil Nathalie Wappler, Kulturchefin des Schweizer Fernsehens (SRF), die Folge in mehreren Punkten als mangelhaft erachtete. Was Wappler missfiel?
Sofia Milos: Die US-Schauspielerin mit Schweizer Abstammung ist TV-Zuschauern aus CSI: Miami bekannt. Sie spielte im Luzerner Tatort die amerikanische Austauschpolizistin Abby Lanning - nach Meinung Wapplers eine Fehlbesetzung. Sie halte Milos neben Stefan Gubser, der den Kommissar Reto Flückiger spielt, für ungeeignet. Ähnlich äußerte sich Regisseur Imboden: «Niemand konnte ahnen, dass sie ein völlig anderes Verständnis von Krimi hat.» Der 41-Jährigen sei es am Set in erster Linie darum gegangen, gut auszusehen, sagte Imboden der Berner Zeitung.
News.de-Rezensent Tobias Köberlein schrieb über den Auftritt der Amerikanerin im Schweizer Tatort: «Abby Lanning stöckelt wie eine zweitklassige Julia Roberts durchs Polizeirevier. Schmollschnute, Dauergrinsen und flache Sprüche nerven nach wenigen Minuten gewaltig. Zu allem Überfluss muss der sexy Kleiderständer binnen 90 Filmminuten den Chef (Kommissar Reto Flückiger) gleich zweimal flachlegen.» Stefan Gubser, der Flückiger spielt, schien das gefallen zu haben. «Für mich bringt sie einen Schuss Glamour und amerikanische Professionalität in den Krimi», sagte er der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Und der stern.de zitiert Gubser mit den Worten: «Es war in jeder Hinsicht eine tolle Bereicherung, mit ihr zu arbeiten.»
Die Handlung: Worum ging es? Die Leiche eines Kleinverbrechers trieb in der Reuss, ein Politiker wurde entführt, Flückiger soll die Lösegeld-Übergabe koordinieren. Die Geschichte sei zu kompliziert erzählt, enthalte Klischees und lasse lokale Atmosphöre vermissen, bemängelte Wappler. Also wurden Szenen, in denen Kuhglocken und Alpengipfel zu sehen waren, herausgeschnitten. Außerdem wurden die Sexszene zwischen Gubser und Milos und eine Kuss-Szene der beiden Schauspieler auf drei Sekunden gekürzt.
Auch wurden Szenen entfernt, in denen es um einen EU-feindlichen Politiker sowie um Flugblätter ging, die an die real existierende rechte Partei Schweizer Volkspartei (SVP) erinnerten. Trotz der Änderungen «schleppt sich die Handlung hölzern und uninspiriert der Auflösung entgegen», kritisiert news.de-Rezensent Köberlein. Spannung kommt nicht auf, die Figuren bleiben unscharf.
Die Sprache: Ursprünglich wurde in Wunschdenken viel mehr Schwyzerdütsch gesprochen. Also wurde nachsynchronisiert - jedoch nicht immer ganz lippensynchron. Milos wurde komplett von Schauspielerin Bettina Zimmermann synchronisiert. So wundert es denn auch nicht, dass die Austauschpolizistin Abby in Wunschdenken durch Luzern ging, dabei fließend hochdeutsch parlierte und ihr ab und an ein «Sure!» oder «Sorry!» entglitt.
So urteilten die deutschen Medien
In den deutschen Medien fiel der Luzerner Tatort fast ausnahmslos durch. «Das war echter Käse», befand die Bild-Zeitung. Spiegel.de meinte: Die Schweizer «haben's vermasselt, Grüezi, Tristesse». Immerhin: Stern.de spricht von «tollen Schauplätzen» und die FAZ findet Gefallen an Gubsers Spiel.
Und das TV-Publikum? 6,8 Millionen Zuschauern sind für einen Tatort zwar nur Mittelmaß, aber der erste Schweizer Tatort seit neun Jahren holte sich damit immerhin den Tagessieg. Und mit 1,95 Millionen war auch der Anteil junger Zuschauer (14 bis 19 Jahre) beachtlich.
Die Einschaltquote ist ausschlaggebend dafür, ob es weitere Tatorte aus Luzern geben wird. Eine zweite Folge ist bereits abgedreht, eine dritte soll im Herbst entstehen. Laut SRF ist bei der ARD noch nicht entschieden, ob sie im deutschen TV ausgestrahlt werden. Fest steht bislang nur, dass Sofia Milos nicht mehr mitmischt. Aber das liegt nicht an ihren mangelnden schauspielerischen Qualitäten. Es war ohnehin nur ein Gastauftritt der Amerikanerin geplant.
Stefan Gubser dagegen hätte eine weitere Chance verdient. Tatort-Vielseher kennen ihn bereits als Grenzgänger aus den Bodensee-Ermittlungen von Kollegin Klara Blum (Eva Mattes) und als unverbesserlich eidgenössischen Charmeur. Für einen Neustart unter Normalbedingungen wären 6,8 Millionen Zuschauer kein Ruhmesblatt im Quoten-Jahrbuch, für einen Erst-Einsatz mitten in der Haupturlaubszeit braucht sich der Käse-Tatort aber nicht zu genieren.
zij/news.de
Immerhin mal eine attraktive Komissarin ... und die haben sogar SEX in der Schweiz. Wer hätte das gedacht. Und das Appartment mit grandiosem Blick auf den See, dafür muß man bei uns im großen Kanton schon laaange suchen. Hoffentlich kommt da noch mal was !!
jetzt antwortenKommentar meldenDie amerikanischen Serien, bei denen irgendwelche Fantasie-Super-Computer irgendwelche unmöglichen Dinge berechnen... und am Ende total unzusammenhängend einen Fall lösen... ja, die sind halt schon viel realistischer und vorallem besser als ein normaler Tatort. Fragt sich nur, ob man lieber einen echten Krimi wie den Tatort sehen will... oder doch lieber die Märchengeschichten der 'CSI Truppe'. Das ist jedem selber überlassen... aber eine solide Leistung mit scheinheiligen Bemerkungen zu verunglimpfen, das ist dann schon etwas schwach.
jetzt antwortenKommentar meldenDoch recht scheinheilig, wie hier eine durchaus zumindest durchschnittliche Produktion schlechtgeredet wird. Wer bei der Handlung nicht mitkommt, weil es keine unnötigen Wiederholungen oder Kommentare 'à la' CSI Miami drin hatte... der war einfach zu faul, etwas zu denken. "Fiel bei fast allen Zeitungen durch"... ja, das lässt sich halt damit erklären, dass die Leute es auch gar nicht erst geschaut haben - die kopieren nämlich lieber blind die Meldungen der Anderen. Eine schöne Nach-68er-Generation... lieber alles übernehmen, anstatt mal selber zu denken.
jetzt antwortenKommentar meldenHoffentlich bleibt uns weiterer Schweizer Käse erspart. Ich weiss nicht, was Helleschwaben an der Handlung interessant fand, ist aber auch egal. Und wer schöne Landschaften sehen will, sollte keinen Schweizer Käse einschalten.
jetzt antwortenKommentar meldenEndlich einmal ein Krimi, der aus dem Schlaftablettenmilieu ausbricht. Herrliche Landschaftsbilder, tolle Menschen und eine interessante Tatorthandlung.Uns hats auf jeden Fall sehr gut gefallen, auch wenn die Vorabkritik in vielen Zeitungen nicht gerade darauf schließen ließen.Ich weiß nicht ob es interessanter ist die schmollende Thomalla oder Currywurstfressende Kommissare zu sehen oder eben diesen Gleichklang von schöner Landschaft und interessanten Menschen mit einer ansprechenden Handlung.
jetzt antwortenKommentar meldenich habe den tatort zwar nicht gesehen,werde mir aber den nächsten schweizer anschauen.man sollte nicht so hart urteilen,die amerikanischen krimis werden auch geschaut.
jetzt antwortenKommentar meldenIst die Sofia Milos geliftet? Ein merkwürdig "gespanntes" Face!
jetzt antwortenKommentar meldenDas war ein "ganz normaler Tatort". Nicht besser aber auch nicht schlechter.....
jetzt antwortenKommentar meldenIch fand den Krimi nicht schlecht. Zumindest besser als viele andere Sendungen des Fernsehens. Und die Gastkommissarin war doch eine recht attraktiv anzusehende Mitarbeiterin, und das bisschen Sex war schließlich auch ganz interessant. Auch die Handlung war nicht schlechter als in anderen Krimiserien auch.
jetzt antwortenKommentar melden