So., 27.05.12

Geschichte 12.08.2011 DDR-Museum will Geschichte weitertragen

DDR-Museum will Geschichte weitertragen (Foto)
DDR-Museum will Geschichte weitertragen Bild: dpa

Das Ampelmännchen neben einem Foto von Erich Honecker neben einem Trabbi - Relikte aus dem verblichenen Arbeiter-und-Bauern-Staat finden sich ausgerechnet im tiefsten Südwesten. In Pforzheim gibt es seit Jahren das nach eigenen Angaben einzige Museum Westdeutschlands, das ausschließlich dem Thema DDR gewidmet ist.

Pforzheim (dpa) - Das Ampelmännchen neben einem Foto von Erich Honecker neben einem Trabbi - Relikte aus dem verblichenen Arbeiter-und-Bauern-Staat finden sich ausgerechnet im tiefsten Südwesten. In Pforzheim gibt es seit Jahren das nach eigenen Angaben einzige Museum Westdeutschlands, das ausschließlich dem Thema DDR gewidmet ist.

Vor allem Schulklassen erhalten dort Einblick in das Leben unter dem SED-Regime in Ostdeutschland. Denn daran erinnern können sich die wenigsten der jungen Leute, viele waren beim Mauerfall noch gar nicht geboren.

Rund 4000 Besucher finden jährlich den Weg in das Museum am Stadtrand von Pforzheim. Fragen wie «Was führte zum Mauerbau?» und «Wer hat die Mauer gebaut?» kämen zum 50. Jahrestag des Mauerbaus in diesem Jahr verstärkt auf, berichtet Volker Römer, Vorsitzender des Vereins «Gegen das Vergessen», der das Museum betreibt. «Man sieht, dass sehr viele Lücken da sind. Viele Leute wissen, da war eine Mauer. Aber schon alleine, dass die Mauer nur in Berlin war, ist noch nicht in allen Köpfen angekommen.»

Das Augenmerk für DDR-Themen sei in den vergangenen Jahren aber größer geworden, hat Römer beobachtet. «20 Jahre Mauerfall und dahinter 20 Jahre Deutsche Einheit haben schon sehr viel Interesse geweckt, so dass jetzt 50 Jahre Mauer ein bisschen vom dem vorangegangenen Hype profitiert.»

Das Pforzheimer Museum entstand aus einer Sammlung des gebürtigen Dresdners Klaus Knabe, der seit dem Mauerfall ehemalige DDR-Relikte zusammenträgt. Inzwischen nimmt es drei Etagen ein. Die Besucher bekommen zunächst alltägliche Stücke wie Waschmittelkartons oder Lebensmittelpackungen zu sehen. Doch das Museum ist kein Ostalgikum - die Repressalien des SED-Staates nehmen weiten Raum ein. Der Nachbau eines Vernehmerzimmers im Stasi-Gefängnis Berlin-Hohenschönhausen erzeugt ein beklemmendes Gefühl.

Doch um jungen Menschen die Geschichte des zweigeteilten Deutschlands nahe zu bringen, müsse das Thema auch im Unterricht ausführlich behandelt werden, fordert Jens Hüttmann von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. «Je näher historische Ereignisse sind, desto eher werden sie am Ende eines Schuljahres diskutiert und fallen dann bei Zeitmangel hinten runter.» Im Osten erführen Kinder noch viel von ihren Eltern oder Großeltern über das Leben in der DDR. In Westdeutschland müsse man hingegen sogar den Lehrern immer wieder deutlich machen, dass das Thema im Geschichtsunterricht relevant sei, klagt er. Über eine Internetplattform könnten sie Zeitzeugen in den Unterricht einladen.

Doch die Zeitzeugen würden älter, junge Menschen müssten nachrücken, stellt auch Volker Römer vom Pforzheimer DDR-Museumsverein fest. Es sei «eines unser Hauptanliegen, die Zukunft des Vereins und damit auch des Museums zu sichern». Gerne würde man mehr ehrenamtliche Helfer gewinnen. Jugendliche könne man zum Beispiel zu Museumsführern ausbilden, Geschichtsstudenten ein Praktikum anbieten. «Wenn sie geschichtliches Interesse haben, es kann auch hobbymäßig sein, wäre der Gedanke nicht so abwegig, dass sie sich hier engagieren», wirbt Römer.

DDR-Museum Pforzheim

Zeitzeugenbüro

news.de/dpa
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