Roches «Schoßgebete» Auf dem Weg zum Bestseller

Mit einer Auflage von einer halben Million sind Charlotte Roches Schoßgebete an den Verkaufsstart gegangen. Eine gewaltige Zahl. Doch werden die Leser zugreifen und die Rechnung von Verlag und Autorin aufgehen? News.de hat in Buchhandlungen nachgefragt.

Neues Buch von Charlotte Roche "Schossgebete" im Handel (Foto)
Das neue Buch von Charlotte Roche ist gleich am ersten Verkaufstag auf reges Interesse gestoßen. Bild: dapd

Wer ernsthaft daran gezweifelt hat, dass Charlotte Roche nach ihrem Bestseller Feuchtgebiete auch mit dem Nachfolger Schoßgebete einen Verkaufshit feiern wird, muss sich eines Besseren belehren lassen. Denn gleich am ersten Verkaufstag ist das Buch auf reges Interesse gestoßen.

So wurden in Lehmanns Buchhandlung in Leipzig gestern schätzungsweise 50 Exemplare verkauft. «Das ist fast ein Viertel unserer Startauflage», sagte Filialleiterin Dagmar Strubl. «Von anderen Büchern verkaufen wir im ganzen Monat nicht so viel.» So muss sie schon am ersten Tag nachbestellen.

Ähnlich groß war die Nachfrage bei Hugendubel. Die Kunden hätten schon Tage vor dem ersten Verkaufstag gefragt, wann der neue Roman von Roche erscheine, sagte Uschi Lehner, Buchhändlerin in der Leipziger Hugendubel-Filiale. «Allerdings denken die Leute oft, das Buch heiße «Stoßgebete», sagte Lehner. Der Verkauf starte ähnlich gut wie bei Bestsellern Harry Potter oder den Krimis von Donna Leon. Das bestätigte auch das Berliner KulturKaufhaus Dussmann. Dreistellige Verkaufszahlen bis zum Abend, lautete die Prognose.

Roches «Schoßgebete»: Starke Zitate

Platz eins der Bestsellerliste

Bei Hugendubel.de und beim Online-Buchhändler Amazon stand Schoßgebete am Mittwoch bereits auf Platz eins der Bestsellerliste und verwies damit die Dreier-Phalanx von Jussi Adler-Olsen (Erbarmen, Erlösung und Schändung) auf die Plätze - vor allem aufgrund zahlreicher Vorbestellungen. Kunden, die das Buch online bestellen wollen, haben jedoch ein Problem: Auf amazon.de heißt es derzeit: «Aufgrund der verspäteten Anlieferung durch den Verlag ist der rechtzeitige Versand dieses Titels zum Erscheinungstag voraussichtlich leider nicht möglich.» Auch wer bei Dussmann online bestellen will, wird enttäuscht: Lieferzeit rund drei Wochen. Warum es Online-Lieferprobleme gibt, konnte oder wollte der Verlag Piper nicht aufklären.

Charlotte Roche: «Schoßgebete» - Mehr als ein Buch
Video: news.de

Dass Schoßgebete ein ähnlicher Verkaufserfolg wird wie Feuchtgebiete - das Buch wurde bislang zwei Millionen Mal verkauft und stand acht Monate lang auf den Bestsellerlisten -, daran zweifelt Uschi Lehner von Hugendubel nicht. Die Autorin und der Verlag hätten auf sehr geschickte Weise die Werbetrommel gerührt und auch die Medien hätten durch eine umfangreiche Vorberichterstattung ihren Teil zum Verkaufserfolg beigetragen, erklärte die Buchhändlerin.

Zudem sei Roche eine prominente Autorin, für viele gar eine «Skandalautorin». Für Lehner ist Roche eine «spannende Autorin», die in ihren Büchern geschickt den Voyeurismus der Leser anspreche, aber nicht banal schreibe. «Roche hat in ihrer  schriftstellerischen Arbeit dazugelernt», meint Lehner. Schoßgebete werde sicher nicht ihr letztes Buch bleiben.

Viel Brimborium

Auch Dagmar Strubl von Lehmanns Buchhandlung weiß den Hype um Roches zweites Buch einzuschätzen. «Da wird auch aus wirtschaftlichen Aspekten viel Brimborium gemacht. Der Verlag und der Buchhandel profitieren ja auch davon. Und Charlotte Roche selbst weiß auch ganz genau, wie sie Aufmerksamkeit bekommt», sagte die Buchhändlerin.

Strubl geht fest davon aus, dass Schoßgebete noch erfolgreicher wird als Feuchtgebiete. Das läge schon daran, dass Charlotte Roche private Aspekte ihres Lebens zum Thema mache. Trotzdem werde das Buch sehr polarisieren. Während vor allem jüngere Frauen gerne zu Schoßgebete griffen, hielten sich Männer und Ältere eher zurück. «Das ist schon lustig, manche zeigen auf das Buch und sagen ‹Iihh, hat die schon wieder ein Buch geschrieben› und andere sind total begeistert», sagte Strubl. Sie selbst hat einen Tag vor Verkaufsstart schon einmal ins Buch reingelesen. «Mein erster Eindruck war, dass es sehr interessant und spannend geschrieben ist. Und natürlich schonungslos offen.»

Tiefe Einblicke: Charlotte Roche schaut sich Männer von unten an

 

krc/news.de

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Leserkommentare (4) Jetzt Artikel kommentieren
  • Ellipirelli
  • Kommentar 4
  • 11.08.2011 19:43

@ Babsi: Ich bin eine Frau,und ich kann den beiden Männer aus ganzem Herzen recht geben.Bin erstaunt,daß Männer soviel anständiger drauf sind ,als Sie zum Beispiel. Ich finde die Bücher dieser wandelnden Vagina(wie sie sich ja selbst bezeichnet),sowie die Dame selbst abstoßend und widerlich.Wie ich schon mehrfach schrieb,ihr ganzes Verhalten lässt drauf schließen,daß die als Kind wahrscheinlich bereits an die Sexualität herangebracht wurde und dies bis heute nicht professionell bearbeiten ließ.Die Frau ist kopfkrank und die Welt auch,die ihren Schund kauft..

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  • Babsi
  • Kommentar 3
  • 11.08.2011 16:02

Ihr Männer seid jetzt empfindlich und auch ein bischen verklemmt, was ? Die Frau spricht jetzt mal schonungslos offen, das mögt ihr doch im stillen Kämmerlein, aber wozu nun so offen in einem Buch ? Und dann von einer Frau, ih gitt. Die Roche will auch Geld machen, warum nicht. Wenns keinen interessiert, dann gehen diese Bücher ja auch nicht weg, wie warme Semmel, oder ? Na siehste.....bleibt mal cool Jungs.

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  • Paul L
  • Kommentar 2
  • 11.08.2011 13:39

«Er guckt mir kein einziges Mal ins Gesicht. Ich bestehe nur aus Vagina.» (Charlotte Roche: Schoßgebete) Das gilt wohl vor allem für die sabbernden Journalisten, die sich gerne und freudig hechelnd vor Charlottes Marketingkarren spannen lassen. Faszinierend - aber so ist das eben bei Dingen, die die Welt am allerwenigsten braucht.

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