Von news.de-Redakteurin Anne Meyer-Gatermann, Berlin
James Bond reitet in den Sonnenuntergang: Im Kinofilm Cowboys & Aliens spielt Daniel Craig einen knallharten Cowboy. Im Interview mit news.de verrät der Brite, wie viel Cowboy in ihm steckt und warum Schauspieler lügen.
Sie haben als Kind doch sicher auch Cowboy und Indianer gespielt, oder?
Daniel Craig: Ja, klar!
Waren Sie lieber Cowboy oder Indianer?
Craig: Beides. Ich war in der glücklichen Situation, dass ich die Western der späten 1960er, Anfang der 1970er Jahre gesehen habe, als man sich über die politische Dimension dieses Genres bewusst wurde. Mein Lieblingswestern ist Little Big Man - das ist einer der ersten Filme, bei denen Ureinwohner Amerikas als Schauspieler angeheuert haben und die sich mit ihrer Situation auseinander setzen.
Was, glauben Sie, fasziniert die Menschen so an Western?
Craig: Die ersten Filme waren Western und da gab es auch die ersten Stunts. Die sahen so aus: Kerle fallen von Pferden. Und es ist aufregend, ihnen dabei zuzusehen. In Western steckt auch eine Moral. In Cowboys & Aliens geht es jetzt nicht um eine große politische Botschaft, aber in Western geht es auch darum, was gut und richtig und was böse ist und wie man sich verhalten sollte.
Wussten Sie, als Sie als kleiner Junge diese Filme gesehen haben, dass Sie mal in einem Western mitspielen wollen?
Craig: Ja, ich wollte schon immer einen Cowboy spielen.
Wie oft sind Sie bei den Dreharbeiten vom Pferd gefallen?
Craig: Gar nicht. Olivia ist gestürzt, aber sie reitet viel und weiß auch, wie man sich am besten abrollt. Ich wäre sicher wie ein nasser Sack vom Pferderücken geplumpst.
Es hat den Anschein, dass jeder bei Cowboys & Aliens reiten konnte. Harrison Ford hat ja auch eine Ranch.
Craig: Stimmt, er reitet schon lange. Er hat sogar das Pferd gekauft, das ich im Film reite, seines auch, glaube ich. Wenn ich Land hätte, hätte ich mein Pferd gern selbst gekauft. Das waren einfach großartige Tiere. Sie sind dressiert, aber nicht über die Maßen abgerichtet. Sie sind sehr ausgeglichen, man kann Kinder auf ihnen reiten lassen, aber sie können auch richtig galoppieren. Das sind außerdem richtige Arbeitstiere. Sie haben ihre eigene Persönlichkeit, wenn du schlecht drauf bist, dann merken sie das genau und zeigen dir das auch. Man kann sich ihnen sehr nah fühlen. Ich liebe Pferde.
Muss man reiten können, um es als Schauspieler in Hollywood zu schaffen?
Craig: Naja, es ist so: Schauspieler lügen. Jeder. Wenn du einen Schauspieler fragst, ob er einen Führerschein hat, sagt der «Klar!», wenn du ihn fragst, ob er reiten kann, auch. Ich habe immer gelogen. Ich meine, ich kann ein Pferd dazu bringen, sich zu bewegen und stehen zu bleiben. Bei Cowboys & Aliens hatte ich die Gelegenheit, es mal richtig zu lernen. Wir haben gleich morgens die Pferde gesattelt und sind durch die Prärie galoppiert. Olivia ist eine großartige Reiterin, Harrison auch. Ich habe jeden Tag versucht mitzuhalten.
Sie sind ja eigentlich an physische Herausforderungen beim Film gewöhnt, aber war es diesmal anders?
Craig: Ich wollte so gern bei diesem Film mitmachen, weil wir jeden Tag reiten konnten. Als ich das Script in den Händen hielt, wusste, dass Steven Spielberg, Ron Howard und Jon Favreau daran beteiligt sind und dass der Film Cowboys & Aliens heißt, habe ich erst gedacht: okay. Beim Lesen des Skripts habe ich dann gemerkt, dass es ein grundehrlicher Western ist - mit Aliens. Es ist wie ein Traum, so eine Chance zu bekommen. Das bedeutet natürlich auch, dass man sich auf ein Pferd setzen muss und da gibt es keine Sicherheitsvorkehrungen. Aber genau das gefällt mir.
Hätten Sie gern in der Zeit der Western gelebt? Glauben Sie, Sie wären da zurecht gekommen?
Craig: Nein, ich hätte sicher nicht lange überlebt. Es fängt ja schon mit dem Essen an: Fleisch, Fleisch oder Fleisch? Oder Bohnen. Nein, ich lebe im 21. Jahrhundert, ich bin nur ein Schauspieler und ich versuche glaubwürdig zu sein.
Was braucht man, um ein Cowboy zu sein? Ist es die Art zu gehen, zu sprechen?
Craig: Von allem etwas. Ich habe mir so viele Western wie möglich angesehen. Am Set waren dann auch ein paar echte Cowboys. Die haben sich um die Pferde gekümmert und mir gezeigt, wie man vernünftig reitet, wie man authentisch aussieht. Die habe ich genau beobachtet. Diese Menschen sind ein lebender Anachronismus, sie gehen wie Cowboys schon immer gegangen sind, sie spucken, kauen auf Halmen, hantieren mit Messern. Davon habe ich mich inspirieren lassen und dachte mir: Okay, genau so mache ich das auch.
Cowboys sind ja nicht gerade gesprächig...
Craig: Ja, das finde ich großartig. Cowboys quatschen nicht über ihre Gefühle, sie sagen höchstens, was sie als nächstes machen werden, oder erschießen jemanden. Solange die Story erzählt wird und du dich auf die Schauspielkollegen verlassen kannst, ist das wunderbar. Wir hatten so eine grandiose Besetzung für diesen Film. Manche behaupten, dass sei ein ausgetüftelter Plan gewesen: Indiana Jones und James Bond in einem Film. Es war aber tatsächlich reiner Zufall.
Sie geben nicht viel Privates von sich preis. Wie sehr nervt es Sie, dass Sie trotzdem ständig danach gefragt werden?
Craig: Ich antworte einfach nicht. Das gehört eben zum Job. Wenn es sehr aufdringlich wird, dann bin ich natürlich genervt, aber ich denke, das würde jedem so gehen.
Viele Stars überschwemmen das Internet ja geradezu mit ihren privaten Angelegenheiten. Warum machen Sie das nicht?
Craig: Ich weiß nicht, ich muss diese Dinge nicht mit der ganzen Welt teilen. Mich hat mal ein Journalist gefragt, was ich von Twitter und Facebook halte, und ich habe gesagt, dass mich das Ausmaß an Hass im Internet beunruhigt. Damit wurde ich dann auch zitiert und prompt schlugen mir unzählige hässliche Kommentare im Netz entgegen und genau diese Befürchtung hatte sich bestätigt. Da kannst du nicht gewinnen, deshalb halte ich mein Privatleben privat. Wenn man da zu mitteilsam ist, sollte man sich nicht wundern, wenn es dann gegen einen verwendet wird.
Manchen gibt es vielleicht das Gefühl, nicht alleine zu sein.
Craig: Also, wenn ich auf Reisen bin, mache ich mein Handy aus. Das kann ich jedem nur empfehlen. Es gibt ja Leute, die nervöse Zuckungen bekommen, wenn ihr Handy nicht mehr funktioniert, weil sie es nicht ertragen können, dass sie nicht erreichbar sind. Das ist aber auch mal ganz schön, jeder sollte das mal ausprobieren. Erreichbar zu sein, ist ja nicht der Sinn des Lebens. Es ist ja auch mal ganz schön, allein zu sein.
Und wenn Ihr Agent Sie erreichen möchte?
Craig: Dann gehe ich erst recht nicht ran. Der ist der letzte, mit dem ich sprechen möchte (lacht). Wer mich unbedingt sprechen will, wird mich schon finden.
Wir dürfen uns ja doch endlich auf einen neuen Bondfilm freuen, Ende dieses Jahres sollen die Dreharbeiten beginnen...
Craig: Ja, keiner freut sich mehr darüber als ich.
Wie war das denn in der Zwischenzeit, als nicht klar war, ob es überhaupt einen neuen Bondfilm geben wird? Wie fühlte sich das an?
Craig: Ich war ein arbeitsloser Bond. Ich konnte nichts daran ändern, das musste ich einfach so akzeptieren. Ich hatte in der Zeit ja auch ziemlich viel Glück mit anderen Filmen. Ich habe Cowboys & Aliens gemacht, bei David Fincher The Girl With The Dragon Tattoo mitgespielt und ich bin bei Tim und Struppi dabei. Aber ich freue mich jetzt natürlich sehr darauf, als Bond zurück zu kehren. So viel kann ich schon mal verraten: Das Skript ist großartig.
Cowboys & Aliens startete am 25. August in den deutschen Kinos - hier lesen Sie die Rezension zum Film
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