Von news.de-Redakteur Cord Krüger
Im Nachfolger ihrer sensationellen Comedyreihe Little Britain, Come Fly With Me, nisten sich Matt Lucas und David Walliams an einem Flughafen ein - und verkörpern allerlei skurrile Figuren. News.de erklärt, wie der Humor der beiden Ausnahmekomiker funktioniert.
Ein verheiratetes Pilotenpaar verlagert Ehestreitigkeiten ins Cockpit, der Chef der Billig-Airline FlyLo sinniert über eine Extragebühr für Schwimmwesten und ein Hilfsarbeiter vom Bodenpersonal versucht erfolglos, mit seinem Buggy bei Frauen Eindruck zu schinden. Für ihre neue Comedyreihe Come Fly With Me haben sich Matt Lucas und David Walliams wochenlang am Londoner Flughafen Stansted breitgemacht und eine Fülle neuer Charaktere kreiert. Comedy Central zeigt die halbstündigen Folgen immer sonntags.
Aufgezogen wie eine Dokusoup macht sich Come Fly With Me noch quasi nebenbei über aktuelle Unterhaltungsformate lustig. Der Blick hinter die Kulissen liefert hier vor allem die Erkenntnis, dass Flughäfen hauptsächlich von Leuten mit einer veritablen Meise bevölkert werden.
So verblüffend Wandlungsfähigkeit und Verkleidungskünste der beiden Hauptdarsteller, so simpel ist ihr Erfolgsrezept. Ihr Humor basiert auf zwei Elementen: skurrile Typen und Running Gags. Walliams' und Lucas' Charaktere verstoßen praktisch immer mit einer bestimmten Marotte gegen eherne britische Anstandsregeln: Sie sind rücksichtslos, angeberisch oder einfach zu laut.
In Little Britain gibt es da den - nur vermeintlich - auf den Rollstuhl angewiesenen Andy, der die Engelsgeduld seines Pflegers mit immer neuen Wünschen und einer - stets absehbaren - Meinungsänderung um 180 Grad strapaziert. Die Leiterin einer Selbsthilfegruppe gegen Übergewicht ist ein beleidigendes Ekel und Unterschichtsquasselstrippe Vicky Pollard gerät immer wieder mit wohlmeinenden Erwachsenen aneinander.
Nicht jeder Gag zündet in Deutschland
Matt Lucas und David Walliams jonglieren dabei mit einer Flut sozialer, kultureller und regionaler Stereotype, die natürlich teilweise in der Synchronisation verloren gehen, obwohl es Oliver Welke und Oliver Kalkofe immerhin gelingt, den Charme der Figuren ins Deutsche zu übersetzen. Weil auf Höflichkeit hierzulande allgemein weniger Wert gelegt wird als in Großbritannien, funktionieren im Deutschen die gröberen Tabubrüche besser als die subtilen.
Und auch dann entfaltet das lustvolle Missachten sozialer Konventionen seine humoristische Sprengkraft vor allem in stetiger Wiederholung. Die neuen Charaktere aus Come Fly With Me lassen sich darum kaum nach nur einer Folge beurteilen. Einige Typen fallen allerdings sofort ins Auge: Da ist Fluggastbetreuer Moses, dem es nicht gelingt, einer schikanös anspruchsvollen Seniorin die Grenzen aufzuzeigen. Wie Walliams in der Rolle hadert und sich demütig windet, ist sensationell. Lucas als dreiste Rentnerin natürlich ebenfalls.
Brillant ist auch die Szene mit einem Passagier, der versucht, sich mit Rabatt-, Bonus- und Schwimmbad-Mitgliedskarten auszuweisen, weil er seinen Pass vergessen hat. Er veranstaltet ein irrwitziges Spektakel. Kaum weniger komisch sind zwei hysterische japanische Teenies, die ihr Idol am Flughafen abzupassen versuchen. Prolet Taaj oder die arbeitsscheue Verkäuferin Precious wollen in der ersten Folge hingegen noch nicht so recht zünden. Aber das kann ja noch werden. Eine zweite Staffel hat die BBC bereits in Auftrag gegeben.
Bestes Zitat: «Das ist also FlyLo: Wir nehmen gerne Ihr Geld, aber wenn Sie mal Ihren Pass vergessen, können Sie nach Hause gehen. Offenbar braucht jetzt jeder einen Pass, um fliegen zu dürfen. Ich fliege nie wieder mit FlyLo! Ich bin fertig mit denen! ... Oh, ich hab meinen Pass gefunden - war in meiner Hosentasche.» (ein aufgebrachter Fluggast)
Come Fly With Me, sechs Folgen, seit 31. Juli 2011 immer sonntags, 22.40 Uhr, Comedy Central. Die jeweils aktuelle Folge ist auch in der Mediathek verfügbar.