Von news.de-Mitarbeiter Lutz Granert
In der Komödie Fischer fischt Frau macht der störrische Hein mit der temperamentvollen Marokkanerin Mona einen guten Fang. Doch das Zusammenleben an der rauen ostfriesischen Küste bringt in dieser TV-Premiere auf Arte einige Probleme mit sich.
Fischer Hein (Peter Heinrich Brix) ist genervt. Ex-Frau Rieke (Anna Loos) bombardiert den sturen Einsiedler mit Briefen, ein holländischer Großhändler trachtet ihm nach seinem geliebten Kutter. Als er und Kumpel Matze aus Kostengründen ihre Nordseekrabben zur Bearbeitung nach Marokko schaffen, macht Hein Bekanntschaft mit der adretten Krabbenpulerin Mona (Sanaa Alaoui). Sie beschließen, dass Mona für drei Monate zu Hein nach Ostfriesland zieht. Doch seine ungeregelten Finanzen und eine argwöhnische Stimmung Mona gegenüber sorgen für zahlreiche Verwicklungen.
Fischer fischt Frau lebt vor allem von seinem ostfriesischen Charme. Hein punktet mit trockenem norddeutschen Humor, wenn er stets zerknittert aus der Wäsche schaut und für ungeliebte Zeitgenossen nur einen flotten Spruch übrig hat. Er wirbt in dieser Komödie um Integration und natürlich die Liebe wie der typische Ostfriese - und muss sich wie seine Heimat trotz all des zeitlosen, rauen Charmes mit den Herausforderungen der modernen Wirtschaftswelt arrangieren.
Mit den zahlreichen pittoresken Landschaftaufnahmen aus der Luft und unentwegter Untermalung durch Gitarren- und Akkordeonmusik wird auf der stilistischen Ebene eine ländlich-urtümliche Atmosphäre geschaffen. Umso origineller ist es, genau in dieser provinziellen Heimeligkeit auf die Probleme der Globalisierung und Integration hinzuweisen.
Heins Kollegen fischen unter dem Monopol eines holländischen Großunternehmens weiter. Mona wird nach anfänglicher Reduzierung auf die alleingelassene Hausfrau immer stärker ein Mitglied der Gemeinschaft und neben der Absolvierung ihres Sprachkurses zunehmend in den Alltag der Fischer integriert. Eine selbstbewusste Migrantin, die Forderungen an ihren Lebenspartner stellt und Ziele erreichen möchte, findet man in der deutschen TV-Filmlandschaft nur selten.
Gesellschaftskritik und Globalisierungszuversicht
Dabei ist es schade, dass die Chemie zwischen Peter Heinrich Brix und Sanaa Alaoui nicht so richtig stimmt. Hier der stets unnatürlich leutselige Griesgram mit wenig zeitgemäßen Vorstellungen von Ehre und Ethos, dort die ebenso aufgeschlossene wie fleißige Frohnatur, die auch bei ärgsten Problemen nicht verzweifelt. Diese Gegensätze kann man sich auch aufgrund des Altersunterschieds ebenso wenig als Paar vorstellen wie Brix und Anna Loos, die mit bissiger Mine etwas lustlos und unterfordert stets dazwischenfunkt.
Leider sind die Drehbuchentwicklungen bei Fischer fischt Frau mit zunehmender Dauer vorhersehbar: Es kriselt im Verhältnis des ungleichen Paares, Hein muss über sich hinauswachsen und schließlich gerät seine Liebe durch Monas klammheimliche Abfahrt gar in Gefahr. Bis dahin hat diese etwas wässrige Mischung aus leisem Humor, Romantik und finanziellen Konflikten immerhin eine spannende Szene um einen Wettbewerb ums Krabbenpulen zu bieten.
Mit Heins Mutter und Mona sitzen sich dabei zwei Generationen und zwei Systeme gegenüber: hier die teure deutsche Tradition, dort die rentable Kosteneffizienz. Es ist schon außergewöhnlich, wie Fischer fischt Frau Gesellschaftskritik, Globalisierungszuversicht und Integration etwas naiv, aber fern des Seemannsgarns zu einem handwerklich soliden Ganzen miteinander zu verweben weiß.
Bestes Zitat: «Die Zeiten ändern sich, die ganze Welt ändert sich - nur du nicht!» (Antje zu ihrem Bruder Hein, als sie die günstigere Variante des Krabbenpulens legitimiert.)
Titel: Fischer fischt Frau
Regie: Lars Jessen
Darsteller: Peter Heinrich Brix, Sanaa Alaoui, Anna Loos, Bjarne Mädel, Petra Kelling, Nele Müller-Stöfen
Sendetermin: Freitag, 5. August 2011, 20.15 Uhr, Arte