Von den news.de-Redakteuren Ulrike Bertus und Martin Walter
Noch nicht einmal das Licht der Welt erblickt und schon Mitglied im Netzwerk: Facebook nimmt nun auch ungeborene Babys auf. So kann schon vor der Geburt der Name des neuen Erdenbürgers diskutiert werden. Kritiker wittern eine Marketingstrategie.
Der Facebook-Expansion scheinen keine Grenzen gesetzt. Nun nimmt das mit 750 Millionen Mitgliedern größte Netzwerk der Welt sogar ungeborene Kinder in seine Sphären auf. Erwartungsfrohe Paare können ab sofort ihren Facebook-Freunden den baldigen Nachwuchs per Familienstatus ankündigen.
Möglich macht es die Profil-Rubrik «Familie und Freunde», für die Facebook nun neben «Schwester», «Mutter» oder «Sohn» auch die Option «Erwartet: Kind» anbietet. Wählt der Nutzer diese Funktion, lassen sich auch die aktuelle Namens-Vorstellung für das Baby und der voraussichtliche Geburtstermin ergänzen. Die Namenswahl kann so nicht mehr nur vom engsten Kreis diskutiert werden, alle Freunde bei Facebook können sich darüber auslassen, ob Marie oder Sophie besser ist, und ob ein Doppelname den vielleicht simplen Nachnamen aufwertet.
Vor dem ersten Schrei online
Die pränatale Aufnahme in das Facebook-Imperium ist eine Reaktion des Netzwerk-Riesen auf zahlreiche Baby-Profile, die zukünftige Eltern schon vor der Geburt für ihren Nachwuchs gründeten. Um ihren Online-Freunden die frohe Botschaft der Schwangerschaft auf diese Weise übermitteln zu können, fälschten sie allerdings die Altersangabe - offiziell erlaubt Facebook nur Mitglieder ab einem Alter von 13 Jahren.
Facebook hofft wahrscheinlich, dass sich mit der neuen Einstellung weniger Fake-Profile auf der Seite tummeln. Über die Sinnhaftigkeit darf gestritten werden, denn zu echten Nutzern mit eigenem Profil wird der Nachwuchs nach der Geburt aufgrund besagter Altersklausel trotzdem nicht. Immerhin: Bevor das Kind seinen ersten Schrei getan hat, ist es im Netz bereits geboren.
Die Pamperswerbung auf der Startseite
Ohnehin scheint sich Facebook immer mehr zu Familybook zu mausern. Die App «Family Tree» beispielsweise bietet ein kleines Familiennetzwerk im großen Netzwerk an. Geburtstagserinnerungen der Verwandtschaft, Anzeige der Verwandtschaftsgrade und Familienalben, die an die vergangene Weihnachtsfeier oder die Taufe des mittlerweile 20-jährigen Cousins erinnern sollen: Alles bleibt in der Familie, nichts gelangt zu den anderen Facebook-Freunden.
Aber auch bei der Verwendung der neuen Babyfunktion sind gut bedachte Privatsphäre-Einstellungen zu empfehlen. Sonst geht man das Risiko ein, dass der Arbeitgeber verfrüht vom künftigen Ausfall seiner Arbeitskraft erfährt oder mögliche Komplikationen während der Schwangerschaft zu unangenehmen Reaktionen führen.
Kritiker wittern noch eine weitere Gefahr. Wer angibt, dass er bald zu den vielen glücklichen Eltern dieser Welt gehört, ist ein interessanter Werbekunde für Unternehmen, die Windeln oder Babynahrung vertreiben. Es wird deshalb vermutet, dass Facebook sich einen neuen Kreis an Werbekunden öffnen wollte.
boi/news.de