Von news.de-Redakteur Tobias Rüster
Goldman Sachs regiert Obama: Dokufilmer Michael Moore schildert in Kapitalismus: Eine Liebeserklärung seine Sicht auf das Finanzsystem der USA. Um der «Plünderung der Steuerzahler» etwas entgegenzusetzen, fordert Moore eine Rebellion gegen Immobilien-Haie.
Als Filmemacher Michael Moore (Bowling for Columbine) im Jahr 2007, also vor dem Ausbruch der Finanzkrise, mit den Dreharbeiten zu Kapitalismus: Eine Liebeserklärung begann, waren die anhaltenden Folgen dieser Misere noch längst nicht abzusehen. Von einer möglichen Staatspleite der USA einmal ganz abgesehen.
Schon damals ruft Moore auf seine eigene, provokante und wilde Art zum Umdenken auf. Seine radikale Forderung: «Weg mit dem Kapitalismus, es lebe die Demokratie.» Moore hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass Kapitalismus: Eine Liebeserklärung eine «Sicht von unten» auf das amerikanische Wirtschaftssystem ist. Gelagert zwischen der Amtszeit von George W. Bush und der von Barack Obama.
Der Film richtet sich nach seiner Aussage gegen ein System, das Korruption erlaubt, unterstützt und gewährleistet. Das ZDF zeigt das Werk des US-Regisseurs heute um 23 Uhr als letzten Beitrag der dreiteiligen Reihe «Die Macht und das Geld - Politisches Kino aus den USA».
Abgesperrte Wall Street und alarmiertes Wachpersonal
Im bewährten Moore-Strickmuster, einer Mischung aus Analyse, Satire, Interviews und Unterhaltung, ist die «Liebesgeschichte» ein kämpferischer Aufruf zum Aufstand gegen «die da oben». Angefangen hat die US-Krise laut Moore bereits vor 30 Jahren, als Ronald Reagan Präsident wurde und die Wirtschaft das Land übernahm. Nun würde in Washington nicht Barack Obama sondern Goldman Sachs das Sagen haben.
So sucht Moore vom mittleren Westen über die Zentren der politischen Macht in Washington bis zu den Finanzhäusern der Wall Street nach den Gründen, warum sich der Amerikanische Traum vom Streben nach Glück mit der Wirtschaftskrise in einen Albtraum aus Arbeitslosigkeit, der Gefahr plötzlicher Verarmung und drohender Obdachlosigkeit verwandelt hat. Von seinen Gegnern oft als Heuchler bezeichnet, macht er sich daran, die Banken in der New Yorker Wall Street abzusperren und deren Mitarbeiter aufzufordern, sich zu ergeben. Eine Rebellion gegen Immobilien-Haie will er ebenso in Gang setzen, wie die «Plünderung der Steuerzahler» beenden.
Dass diese Vorgehensweise à la Robin Hood zwar viel Aufmerksamkeit erregt, sonst aber zu keinem anhaltenden Erfolg führt, zeigt unsere Bilderstrecke. Regelmäßig stürmt alarmiertes Wachpersonal herbei, wenn Moore mit seinem Filmteam auftaucht. Denn spätestens seit Bowling for Columbine (2002), in dem der US-Regisseur gegen die Waffenlobby in den USA rebellierte, gilt der 57-Jährige als unbequemer Systemkritiker. Diesem Status wird er auch in Kapitalismus: Eine Liebeserklärung gerecht.
Kapitalismus: Eine Liebeserklärung: Donnerstag, 4. August, ZDF, 23 Uhr
boi/news.de