Auf «Drums Between The Bells», einem Album mit ausgeprägt retrospektivem Charakter, zeigt Brian Eno, wie überlegt er nicht nur mit elektronischen Klängen, sondern auch mit dem gesprochenen Wort umzugehen weiß.
Berlin (dpa) - Auf «Drums Between The Bells», einem Album mit ausgeprägt retrospektivem Charakter, zeigt Brian Eno, wie überlegt er nicht nur mit elektronischen Klängen, sondern auch mit dem gesprochenen Wort umzugehen weiß.
Als Mitglied von Roxy Music wurde er berühmt, als Produzent von den Talking Heads und U2 machte er sich einen Namen und zuletzt arbeitete er hauptsächlich im Bereich der Medien-Kunst. Das künstlerische Schaffen Brian Enos scheint keine Grenzen zu kennen. Seit 2010 ist er für das englische Warp-Label tätig, welches mit Aphex Twin und Boards of Canada seine gelehrigsten Schüler unter Vertrag hat.
Für den Schriftsteller Rick Holland komponiert Eno bereits seit 10 Jahren Klänge, die dessen gesprochene Texte unterlegen. Alle Gedichte auf «Drums Between The Bells» sind dem letzten Buch von Holland entnommen. Als Sprecher treten neben den beiden Produzenten eine Schauspielerin, aber auch Bekannte von Eno auf, die teilweise mit osteuropäischem Akzent einlesen. Er verfremdet die neun verschiedenen Stimmen zudem durch digitale Nachbearbeitung oder durch Überlagerung.
Mit den neuen Songs versucht Brian Eno zu zeigen, wie ein gewöhnlicher Gesang durch das gesprochene Wort ersetzt werden kann. Bei «Drums Between The Bells» verzichtet der Komponist oft auf festgelegte Rhythmen und setzt auf fließende Synthie-Akkorde. Gelungen sind diese Stücke, wenn sich weder Musik noch Text zu sehr aufdrängen. Wie bei einer Skulptur modelliert er die Ambient-Klänge um den Textkorpus. In den meisten Fällen untermalt er den gesprochenen Text oder verstärkt ihn bloß.
Auf «Cloud 4» und «Breath of Crows», den letzten beiden Stücken des Albums, wechselt Eno überraschenderweise noch einmal zu dem Gesangsstil, den er schon auf seinen klassischen Platten der 70er Jahre wie «Another Green World» benutzt hat. Zwischen diese - in seinem Sinne traditionellen - Songs setzt er ein Stück mit dem Titel «Silence». Eine Referenz an seinen Übervater John Cage, der Eno schon früh neue kompositorische Wege aufzeigte. Einige Kompositionen, wie «The Real», verweisen zudem auf seine Kollaborationen mit den Musikern Moebius und Roedelius. Die mit Rhythmen unterlegten Stücke dagegen knüpfen an die IDM-Sounds der mittleren 90er Jahre an, mit denen das Label Warp bekanntwurde.
Die Vielseitigkeit von «Drums Between The Bells» ist Stärke und Schwäche zugleich. Die Konzeption des Albums ließ Eno allerdings auch wenig Spielraum. Dessen Skizzenhaftigkeit deutet jedoch darauf hin, dass seine Projekte mit Rick Holland noch nicht abgeschlossen sind.
news.de/dpa