Buch-Tipps Von Diamanten und eingebildeten Göttern

Zwei Martins - der eine aus der Schweiz, der andere vom Bodensee und beide erzählen die Geschichte eines Antihelden. Mit Allmen und der rosa Diamant setzt Martin Suter seine Detektiv-Reihe fort, während Martin Walser in Muttersohn einen Mann zum Gott macht.

Auch wenn der Sommer fast vorüber ist, gibt es noch das eine oder andere Buch, das es verdient hat, im Strandkorb oder der heimischen Hängematte unter den letzten Sonnenstrahlen gelesen zu werden. Zwei davon stellt news.de Ihnen vor:

Allmen und der rosa Diamant von Martin Suter

Darum geht’s:
Allmen bekommt den Auftrag, einen verschwundenen rosa Diamanten wiederzufinden. Irgendwann stößt der ungewollte Detektiv auf einen Russen, von dem er annimmt, dass er im Besitz des Diamanten sein könnte. Die beiden freunden sich an. Doch Allmen gerät in ernsthafte Schwierigkeiten, als sein neuer Freund tot aufgefunden wird. Plötzlich werden er und sein treuer Butler Carlos von schmierigen Typen gejagt, die ihnen an den Kragen wollen.

Im ersten Band der Reihe konnten die Fans miterleben, wie sich das Vermögen des einstigen Millionärs Allmen immer weiter verringerte, bis dieser mit seinem Diener Carlos in das Gartenhäuschen seines einstigen Anwesens ziehen musste. Seitdem hält sich der in die Jahre gekommene Dandy finanziell damit über Wasser, dass er verschwundene Kunstgegenstände sucht.

Noch immer ist Allmen zurückhaltend, spielt dabei überraschend gut mit falschen Tatsachen, schummelt sich durch die Geschichte und schafft es erneut, über sich selbst hinauszuwachsen. Nebenbei rückt Autor Martin Suter die Figur des Butlers Carlos weiter in den Vordergrund. Dieser entwickelt sich mehr und mehr zum Ideengeber, Allroundtalent und wird so zum geheimen Helden dieses fabelhaft geschriebenen Krimis. Zum Ende der Geschichte wird sogar ein kleines Geheimnis gelüftet, das die Fans des ungleichen Ermittler-Paares mit großer Ungeduld auf den dritten Band der Reihe warten lassen wird.

Fazit:
Wer ironische, spannende und charmant erzählte Krimis mag, die trotzdem ohne Gewalt auskommen, ist bei Allmen und Carlos bestens aufgehoben.

Autor: Martin Suter
Titel: Allmen und der rosa Diamant
Verlag: Diogenes
Seitenzahl: 219 Seiten
Preis: 18,90 Euro
Erscheinungstermin: bereits erschienen

Muttersohn von Martin Walser

Ganz andere Geschütze fährt Martin Walser auf: Der vom Bodensee stammende deutsche Autor, der in seinen Geschichten häufig Antihelden kreiert, hat auch in seinem neuen Roman Muttersohn eine Figur geschaffen, der sich der Leser nur schwer entziehen kann.

Darum geht’s:
Anton Percy Schlugen ist Pfleger in einem psychiatrischen Krankenhaus. Das wäre nichts Besonderes, wenn Percy nicht glauben würde, dass er keinen Vater hat, der an seiner Zeugung beteiligt gewesen ist. Schuld an dieser wahnwitzigen Idee ist Percys Mutter: Diese schrieb zwar Briefe an den Mann, der - selbstverständlich - seinen Teil zur Geburt des kleinen Jungen beigetragen hatte, aber danach auf Nimmerwiedersehen verschwand. Die Briefe schickte die Mutter nie ab. Stattdessen las sie Percy die an seinen Vater gerichteten Briefe vor. Abend für Abend.

So wuchs in Percy die Idee heran, dass er tatsächlich keinen Vater hat und deshalb ein Kleinod sein muss. Und tatsächlich, eine Sache beherrscht Percy wie kein Zweiter: Er kann hervorragend und vollkommen unvorbereitet Reden halten, die die Menschen berühren, nachdenklich stimmen und noch lange einen bleibenden Eindruck in deren Seelenleben hinterlassen. Percys Waffen sind die Worte, ihre Aneinanderreihung und die gesetzten Pausen. Pausen sind das A und O.

Irgendwann jedoch muss sich Percy um einen Patienten kümmern, der - wie sich bald herausstellt - sein Vater sein könnte. Percys Rolle als Gleicher unter Gleichen, der sich doch für einen Auserwählten hält, ist plötzlich in Gefahr. Mit Muttersohn ist Martin Walser ein zeitloser Roman über die Themen Glaube und Liebe gelungen, der sprachlich kaum schöner geschrieben sein könnte.

Fazit:
Anders als die übliche und lockere Sommerlektüre lockt Walsers neuer Roman mit klugen Sätzen und einer Geschichte jenseits von Gut und Böse. Wer nicht nur unterhalten, sondern auch zum Nachdenken angeregt werden will, sollte sich Muttersohn deshalb nicht entgehen lassen.

Eine Leseprobe finden Sie hier.

Autor: Martin Walser
Titel: Muttersohn
Verlag: Rowohlt
Seitenzahl: 505 Seiten
Preis: 24,95 Euro
Erscheinungstermin: bereits erschienen 

krc/wie/news.de

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