So., 27.05.12

RTL-Doku-Soap 01.08.2011 «Ich will leben!»

Kaja (Foto)
Kaja brauchte eine Lungentransplantation. Bild: RTL

Von news.de-Redakteur Tobias Rüster

«Keiner weiß, wann das passende Organ kommt, jede Sekunde zählt»: Mit Geschenktes Leben - Ein Wettlauf gegen die Zeit wollte Vera Int-Veen auf das Schicksal einer Mukoviszidose-Patientin aufmerksam machen. Was herauskam, war der gewohnte Doku-Soap-Brei.

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Wenn man über tödliche Krankheiten, notwendige Organspenden und lebensbedrohliche Operationen berichtet, kann man das auf unterschiedliche Weise tun. Es bietet sich die Möglichkeit, die Krankheit in den Vordergrund zu stellen. Oder den Patienten. Bereits der Vorspann lässt deutlich werden, welchen Weg die Doku-Soap Geschenktes Leben - Ein Wettlauf gegen die Zeit einschlägt. Es ist eben eine Doku-Soap, keine Dokumentation.

Zur Ballade Wonderful Life von Hurts gibt es wirkungsvolle Großaufnahmen einer nachdenklichen jungen Frau zu sehen. Die 21-jährige Kaja leidet an der Stoffwechselkrankheit Mukoviszidose. Als ob das nicht schon betroffen genug macht, wird die junge Frau in typischer Manier einer RTL-Doku-Soap in Szene gesetzt. Zu sehen ist eine lachende Kaja auf alten Urlaubsvideos, auf Bildern, die aus einem anderen Leben scheinen.

Es ist wirklich traurig, dass (auch) dieses RTL-Format nach dem bekannten Schema aufgebaut ist: ein schweres Schicksal, eine leidende Familie, ein garantiertes Happy End, eine besorgte Moderatorin und ein Sprecher, der für die nötige Dramatik sorgen soll. Dabei ist es nicht einmal die zuletzt mit ihrer Doku-Soap Mietprellern auf der Spur in die Schlagzeilen geratene Vera Int-Veen, die fast unerträglich ist.

Abgedroschene Floskeln

Diesen Part füllen die unpassenden Kommentare des Sprechers aus, die vor keiner peinlicher Bemerkung stoppen. «Sie ist ein Mädchen, das bis heute gerne lacht, ein hübscher Teenager», wird Kaja von RTL charakterisiert. Dazu servieren die Soap-Macher schwere Musik, lange Schnitte, Nahaufnahmen und effektvolle Gesprächsdialoge, in denen Familienangehörige ihre Tränen zurückhalten müssen.

Dabei hätten die Filmemacher die Chance gehabt, eine wirklich taffe Frau zu dokumentieren: «Ich will arbeiten, ich will studieren, ich will leben», gibt sich Kaja kämpferisch. Doch Tatsache ist: Kaja braucht eine neue Lunge. Es ist ein Schicksal, das wirklich bewegt. Umso störender erscheinen die mit unschöner Regelmäßigkeit wiederkehrenden Fragen des Sprechers, der mit bedeutungsschwangerer Stimme anhebt: «Wird Kaja jemals wieder nach Hause kommen?»

Damit nicht genug: Auf dem Weg ins Krankenhaus folgen die überflüssigen Zeilen: «Sie weiß nicht, wie ihre Reise ausgehen wird, es ist ein Wettlauf gegen die Zeit. Keiner weiß, wann das passende Organ kommt, jede Sekunde zählt.»

Chance vertan

Zu oberflächlich verläuft auch der Hinweis darauf, dass es nur in seltenen Fällen einen ähnlich reibungslosen Ablauf von Transplantation und Reha gibt. Einfach nur oft genug zu betonen, dass es Kajas letzter Lebenstag sein könnte, reicht da nicht aus: «Die Angst ist Kajas ständiger Begleiter.» Damit vergaben die Macher die Chance, die bewegende Geschichte eines authentischen Mädchens zu erzählen und aufzuklären über eine tückische Krankheit und die Nöte von Patienten, die auf ein Spenderorgan warten.

Denn das, was die vermeintliche Protagonistin sagt, ist über alle Maße aufwühlend: «Ich ich will meine Familie nicht unnötig belasten.» RTL hatte die Chance, ins Seelenleben einer todkranken Patientin zu schauen. Derweil haben sie sich für den üblichen Doku-Soap-Herzschmerz entschieden. Nichts macht das deutlicher, als einer der finalen Sätze: «Sie hat die Operation überlebt und kehrt mit einer neuen Lunge heim.»

Wer die Doku-Soap noch einmal sehen will, kann die Folge an dieser Stelle in ganzer Länge verfolgen.

Bestes Zitat: «Das alte Leben ist vorbei.» (Kaja nach der erfolgreichen Lungentransplantation)

cvd/news.de
Leserkommentare (8) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • Lussy
  • Kommentar 8
  • 05.11.2011 22:08
 

Ich würde sie so gerne kennen lernen kann jemand mir eventuelle weiter helfen bitte?

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  • Rita Steinbruch
  • Kommentar 7
  • 24.09.2011 13:20
 

Ich lese es in jedem Komentar. Keiner war noch nicht in der Situation, ein neues Organ brauchen zu müßen. Es ist ein Wettlauf mit der Zeit,oft zählt jede Minute und das was man als Patient mitmacht, kann kein gesunder nachvollziehen.Ich habe den gleichen Werdegang wie Kaja.und es ist so, wie es im Film war Jeden Tag danke ich meinem Spender, das ich wieder alles erleben darf. Ganz dringend. Wer noch nicht in solch einer Situation war,sollte nicht negativ urteilen. Jedem kann es passieren und dann ist man dankbar, das es ein Organ gibt. In aller Dankbarkeit. Rita

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  • heidjerin
  • Kommentar 6
  • 01.08.2011 19:28
 

Ich habe einen Organspendeausweis und bin bei der DKMS eingetragen. Für was brauchen wir noch diese Themen in den Privat-TVs? Alles müsste für den mündigen Bürger selbstverständlich sein!!!

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  • Margot Schmidt
  • Kommentar 5
  • 01.08.2011 14:36
 

...schicke dies n u r , weil endlich mal jemand d a s deutlich ausdrückt, wad einen ständig nervt an den div. Manipulationen u. "Aufbereitungen" der Themen .............

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  • sahib
  • Kommentar 4
  • 01.08.2011 13:36
 

Solange das ein internationales Milliardengeschäft (teilweise sogar mit Zweckmorden) mit der Hoffnung ist, werde ich kein einziges Organ "spenden"! Wenn dagegen ALLE mit den Transplantationen involvierten Menschen und Institutionen kostenlos arbeiten würden, gäbe ich meine Organe mit Begeisterung her!!

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  • Thommy62
  • Kommentar 3
  • 01.08.2011 12:46
 Antwort auf Kommentar 1

Danke für diesen Kommentar! Ich bin ebenfalls Krebspatient und hab es mittlerweile aufgegeben, bei unseren Behörden um (wenigstens) Verständnis zu bitten, wenn es darum geht, die Lebensqualität zu erhalten. In einem Land, in dem es nur noch um Profit und Machtgier geht, braucht man nicht auf ernst gemeintes Mitgefühl zu hoffen!!!

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  • gu
  • Kommentar 2
  • 01.08.2011 10:27
 

"Ich will leben!" - ist das nicht der Satz, den sich zich-tausende von auf ein Spendeorgan wartende Menschen jeden Tag des öfteren sagen? Für mich war diese Doku ein im Hintergrund immer wieder aufkeimender Aufruf zum Organspenden - nicht mehr und nicht weniger. Ich fühle mit allen Menschen auf dieser Welt, die die anfangs erwähnten drei Wörter sich immer und immer wieder vorsagen. Also Leute, sitzt nicht nur vor dem Fernseher und heult! Tut was dagegen - rettet Leben - füllt einen ORGANSPENDEausweis aus! Am besten zwei: einen für den Geldbeutel, den anderen für zu Hause, damit jeder es weiß

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  • ratgeber12
  • Kommentar 1
  • 01.08.2011 09:46
 

Diese Art der Gestaltung von Schicksalen ist doch in diesem Land typisch.Ich brauche keine neue Lunge mehr weil ich zu Alt bin und habe COPD und Emphysem,ich brauche nur eine Veränderung meines Beschädigten-ausweis damit ich einen Behindertenparkplatz benutzen kann.Den Antrag habe ich vor über 3 Monaten beim Sozialamt gestellt,nach einer Mahnung teilt man mir mit das der Lungenarzt jetzt noch gefragt werden muß(der hat bis Sep.Urlaub)So sieht die Fürsorge in diesem Saat aus

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