So., 27.05.12

«Der blinde Banker» 31.07.2011 Sherlock Holmes und die tödlichen Graffiti

Von news.de-Redakteur Cord Krüger

Ein Mörder kündigt seine Taten mit sonderbaren Symbolen an. In ihrem zweiten Fall geraten Sherlock Holmes und Dr. Watson ins Visier eines chinesischen Geheimbundes. Das Erste zeigt den brillianten Krimi Der blinde Banker heute Abend.

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Der zweite Sherlock-Film, Der blinde Banker, klingt vom Titel her nach einem sympathisch-aufgeplusterten Edgar-Wallace-Streifen. Zunächst gibt es aber wieder altmodischen Rätselspaß, modernste Inszenierungskunst und rasiermesserscharfe Dialoge.

Diesmal wird der geniale Detektiv (Benedict Cumberbatch) nicht von der Polizei, sondern von einem Studienfreund zu Hilfe gerufen. In der Abteilung des Investmentbankers ist eingebrochen worden. Weder finden sich allerdings Spuren, noch fehlt etwas, bloß ein Gemälde im Büro eines Asienexperten wurde ruiniert: Der Einbrecher hat ein seltsames gelbes Graffito darüber geschmiert.

Holmes und Watson (Martin Freeman) sind zunächst ratlos, dann überschlagen sich die Ereignisse: Der Asienexperte wird tot in seiner Wohnung gefunden, ein Journalist stirbt, nachdem er eine ähnliche gelbe Nachricht erhalten hatte. Von der Kunstexpertin Soo Lin Yao (Gemma Chan) erfahren die Privatermittler, dass ein chinesischer Geheimmbund hinter den Morden stecken könnte. Ein Sprayer liefert einen wertvollen Hinweis. Und bald geraten auch Holmes und Watson in Lebensgefahr.

Was Sherlock und der ESC gemeinsam haben

Auch wenn bei Der blinde Banker nicht erneut Paul McGuigan Regie führte, sondern Euros Lyn, wirken die Sherlock-Filme wie aus einem Guss. London sieht düster aus, aber niemals ältlich, modern und doch heimelig. Die Bilder scheuen - anders als bei deutschen TV-Filmen - weder harte Kontraste noch grelle Farben wie das wiederkehrende Violett.

Und immer wieder gibt es auch Panoramaaufnahmen, die London wie eine Modelstadt erscheinen lassen. Von diesem sogenannten Tilt-Shift-Effekt machten in letzter Zeit sowohl das Facebook-Drama The Social Network als auch die Einspieler beim jüngsten Eurovision Song Contest (ESC) weidlich Gebrauch.

Wie Ein Fall von Pink trumpft auch Der blinde Banker mit viel Dialogwitz, hohem Tempo und der fantastischen Chemie zwischen den Hauptdarstellern auf. Dass die Auflösung des Falls letztendlich wenig spektakulär ausfällt und das dramatische Finale in seiner Konstruiertheit tatsächlich Edgar Wallace alle Ehre gemacht hätte, tut dem Vergnügen keinen Abbruch.

Von der Baker Street nach Beutelsend

Und dass sich Martin Freeman ausgerechnet in der Rolle eines hinkenden Militärarztes für den Part des Bilbo Beutlin im Fantasyepos Der kleine Hobbit empfehlen würde, hätte er sich wohl auch nicht träumen lassen. Und paradoxerweise hätten die gerade angelaufenen Dreharbeiten zur zweiten Staffel von Sherlock seinen Umzug nach Beutelsend beinahe verhindert.

Weil sich der Produktionsstart des Hobbit immer weiter verzögerte, hatte Freeman bei der BBC schon für weitere Folgen als Dr. Watson zugesagt. Regisseur Peter Jackson nahm sich noch mal die Testaufnahmen aller 60 anderen Kandidaten für die Rolle vor, fand aber keinen adäquaten Ersatz. Erneut guckte er Sherlock und war verzweifelt: «Ich genoss Sherlock», erzählte Jackson unlängst dem Empire-Magazine, «aber die ganze Zeit musste ich denken: Gott, er wäre perfekt als Bilbo.»

Die Lösung des Problems kam dem Oscarpreisträger im Schlaf. Um drei Uhr früh wachte er auf, griff zum Telefon und rief Freemans Agenten an. Sie vereinbarten, dass der Schauspieler für zwei mal zehn Wochen von den Dreharbeiten zum Kleinen Hobbit freigestellt würde, um an neuen Sherlock-Episoden zu arbeiten. Bei jedem anderen Hollywoodfilm undenkbar - da an dem Tolkien-Zweiteiler jedoch über einen Zeitraum von fast einem Jahr gefilmt wird, konnte Jackson seinen Drehplan anpassen, so dass der Schauspieler nun zwischen der Baker Street 221b und Beutelsend pendelt.

Es wäre aber auch ein Jammer gewesen, auf Martin Freeman zu verzichten. So bekommt Mittelerde einen aller Voraussicht nach famosen Bilbo und Sherlock Holmes weitere drei Filme lang einen Assistenten von einmaliger Bodenständigkeit. Mit ernster, leicht genervter Miene macht Freemans Dr. Watson jedes Krimirätsel zu einem Fernsehereignis - egal wie sehr es auch an selige Edgar-Wallace-Zeiten erinnern mag.

Bestes Zitat: «Sie brauchen einen Rat?» (Dr. Watson amüsiert sich über Holmes Bedürfnis, einen Malereiexperten aufzusuchen - der sich übrigens als Graffitisprayer entpuppt.)

Titel: Sherlock - Der blinde Banker
Regie: Euros Lyn
Darsteller: Benedict Cumberbatch, Martin Freeman, Al Weaver, Zoe Telford, Gemma Chan
Sendetermin: Sonntag, 31. Juli 2011, 21.45 Uhr im Ersten.

roj/news.de
Leserkommentare (2) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • Genie
  • Kommentar 2
  • 01.08.2011 13:54
 

Und schon lahmt der zweite. Wie schnell man sich an Gutes gewöhnen kann. Der erste fulminant, der zweite Alltag und konstruierte Story. Aber relativ -was es sonst gibt - super !

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  • Alexander Voronin
  • Kommentar 1
  • 31.07.2011 12:36
 

Der erste Film war einsame Spitze! Sherlock und sein Partner sind skurrile Typen, die in einer skurrilen Stadt in ebenso skurriler Weise ihre Fälle lösen. Ein Mustsee!!!!

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