Von news.de-Volontär Ronny Janke
Vor einigen Wochen sollte noch in ihr Haus eingebrochen werden, auch ein Mordanschlag auf sie war geplant. Zum Glück konnten beide Taten verhindert werden: Jetzt steht das neue Album LP1 von Joss Stone in den CD-Regalen und es ist großartig.
Wenn Soul-Schönheit Joss Stone auf der Couch vor einem sitzt, dann muss man schon sehr in sich ruhen, um nicht alles daran zu setzen, irgendwie bei ihr landen zu wollen. Eurythmimcs-Gründer Dave Stewart verfügt offenbar über das gebotene Maß an Zurückhaltung und hat es geschafft, sich eine Woche lang mit der Soul-Prinzessin in ein Tonstudio irgendwo in Nashville einzuschließen, um an deren neuem Album LP1 zu arbeiten.
Schon im Alter von 16 Jahren hat Joss Stone ihr erstes Album veröffentlicht. The Soul Sessions heißt das Debütalbum aus dem Jahr 2003, mit dem die britische Sängerin Kritiker und Fans gleichermaßen überzeugen konnte. Dass ihre Stimme immer ein wenig an die der jungen Aretha Franklin erinnert, verhalf ihr sehr schnell zu einem gewissen Ruf im Genre des Soul. Daraufhin folgten drei weitere Alben, in denen sich Stone auch den R'n'B- und Pop-Gefilden öffnete und ihren Stand als ernstzunehmende Musikerin festigte. Mit ihrem gerade erschienen Werk LP1 glänzt sie erneut mit beeindruckender Stimme und liefert elf perfekt arrangierte Songs.
So beackert der erste Song des Albums, Newborn, nicht nur das Feld des erneuten Durchstartens nach einer langen Trauerphase nach dem Ende einer Beziehung, sondern darf durchaus auch als Stones persönlicher Neustart gewertet werden. Nachdem sie ihrem vorherigen Plattenlabel EMI den Rücken gekehrt hatte, gründete sie unmittelbar danach ihr eigenes Label Stone’d Records.
Karma klingt angenehm funky, groovt sich dank Stewarts Produzententalent und Stones atemberaubender Soul-Rock-Röhre durch viel zu kurze vier Minuten. Mit Last One To Know weckt die Britin den Beschützerinstinkt eines jeden männlichen Hörers: geschunden und zerbrechlich bis zum Gehtnichtmehr singt sie vom Unglück der Liebe. Wunderbar reduziert klingt Drive All Night, ein Titel, der die Stimmung des ziellosen Umherfahrens bei Nacht auf beeindruckende Art und Weise einfängt.
Überhaupt fällt auf, dass alle Titel sehr organisch und erdig produziert sind. Nichts auf LP1 klingt übermotiviert und nach dem berühmten «zu viel». Hier hat Produzent Dave Stewart ein geschicktes Händchen bewiesen. Dass das Album binnen einer Woche irgendwo in der Abgeschiedenheit Nashvilles aufgenommen wurde, beweist jeder Song. An keinem der Titel scheint nach Ende der Aufnahme noch viel herumgearbeitet worden zu sein. Der Sound ist zuweilen rau bis zart. Fehltritte sucht man auf dem neuen Joss-Stone-Album vergebens.
Obwohl alle Lieder dem Kriterium der Radiotauglichkeit entsprechen, klingen sie doch nach mehr und bergen mehr Emotion und Nähe, als manche andere Chartware das derzeit bereit hält. Das Duo Stones/Stewart beweist, dass sich hier zwei gefunden haben, die ihr Handwerk verstehen und eine gemeinsame Richtung gefunden haben. Eine, die keinen Hörer kalt lassen dürfte.
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Interpret: Joss Stone
Album: LP1
Plattenfirma: Neo/Stone'd Records/Surfdog Records (Sony Music)
Erscheinungsdatum: bereits erschienen