Von news.de-Redakteur Sven Wiebeck, München
17 Menschen starben beim Olympia-Attentat von 1972. Nun dreht das ZDF einen Film über die Stunde Null des internationalen Terrors in Deutschland. News.de war am Set und sprach mit den Beteiligten - auch über die schrecklichen Ereignisse in Norwegen.
Das Attentat während der Olympischen Sommerspiele 1972 in München erschütterte die Welt. 17 Menschen starben: elf israelische Sportler, fünf palästinensische Geiselnehmer und ein deutscher Polizist. Das ZDF will im Fernsehfilm München 72 die dramatischen Ereignisse aus deutscher Sicht erzählen. Ausgerechnet im Laufe der Dreharbeiten für diesen Film über die Stunde Null des internationalen Terrors in Deutschland erreichten das Team die Nachrichten und Bilder über die Anschläge in Norwegen, wo der 32-jährige Anders Behring Breivik 76 Menschen getötet hat.
Gestern wurden in München erste Szenen des Films vorgestellt - und darüber gerätselt, wie es in Oslo zu einer solch schrecklichen Tat kommen konnte. Schauspielerin Bernadette Heerwagen beschäftigen Fragen wie: «Warum kam die Spezialeinheit nicht schneller, warum hat es eine Stunde gedauert, bis die Polizei da war? Wie konnte es sein, dass die Presse vorher mit Helikoptern da war und eben nicht das Sonderkommando?»
Heerwagen spielt in dem Film die junge, aus Essen kommende Polizistin Anna Gerbers, die nach den Attentaten in München 1972 zwischen der Polizei und den Geiselnehmern vermittelte. Die Geschehnisse in Norwegen hätten das gesamte Team beschäftigt, sagte die Schauspielerin im Gespräch mit news.de.
Produzent Nico Hofmann zeigte sich ebenfalls ergriffen: «Ich kann mich daran erinnern wie es 1972 während der Terrorattentate in München war, da war ich 13 Jahre alt. Ich habe in meinem Zimmer gesessen und geweint in Anbetracht dieser nicht fassbaren Bilder. Ich würde sogar so weit gehen, dass mich das damals so ergriffen hat wie heute die Bilder aus Oslo. Da steckt ein unglaublicher Schmerz drin - auch für ein ganzes Land.»
«Jetzt sind die Norweger so weit, wie wir 1972 waren», war Ulrich K. Wegeners erster Gedanke. Wegener ist als Berater des Filmteams tätig. Dem General a.D., Adjutanten des damaligen Bundesinnenministers Hans-Dietrich Genscher und ehemaligen Kommandanten der Spezialgruppe GSG 9, ist klar, dass «München und Oslo natürlich nicht das gleiche sind». Aber die norwegische Polizeiführung müsse jetzt «wach geworden sein und aufmerksam sein, dass es noch viel zu tun gibt, da offensichtlich noch nicht alles funktioniert».
«Ich weiß zwar auch nur aus Presseberichten, ohne die Einzelheiten genau zu kennen, dass die Polizei sehr lange gebraucht hat. Aber ich meine, die Norweger haben eine Spezialeinheit, nur offensichtlich fehlt es an Ausrüstung und dem entsprechenden Lagezentrum, das sofort reagiert, wie das bei uns üblich ist», sagte Wegener. Es müsse sich etwas ändern, das sei keine Frage. «Ohne dass ich da scharfe Kritik üben will. Aber das müsste sich jetzt eigentlich jeder Angehörige der norwegischen Polizei sagen. Auch die Politiker.»
Im Film wird Wegener von Benjamin Sadler gespielt. Außerdem wirken Heino Ferch und Felix Klare mit. Gedreht wird noch bis zum 8. August, erst in München, die restliche Zeit dann in Niedersachsen. Ein Termin für die Ausstrahlung steht noch nicht fest.
Informieren Sie sich hier über die Ereignisse in Norwegen.
car/oro/news.de/dpa
München 1972 hatte etwas zu tun mit dem Überfall Israels auf seine arabischen Nachbarn im 6-Tage Krieg im Juni 1967 und der nachfolgenden (z. T. bis heute anhaltenden) völkerrechtswidrigen Besetzung arabischer Gebiete. Es war jedoch nicht die Geburtsstunde des Internationalen Terrorismus, denn Israel hatte schon 1962/63 mit Briefbomben mehrere deutsche Ingenieure ermordet, die am ägyptischen Raketenprogramm arbeiteten.
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