Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen
Was früher peinlich war, ist heute cool: Immer mehr TV-Sender versuchen, mit Dialekten und Lokalkolorit zu punkten. News.de stellt Formate vor, in denen fesche Burschen Maßbier trinken und schräge Typen skurrile Kriminalfälle lösen.
Gerade in letzter Zeit sorgen Serien und Formate aus den Regionalnischen auch bundesweit für Aufmerksamkeit. Bestes Beispiel: Franzi. In der Serie, die im bayerischen Erding spielt, ringt die Hauptfigur mit den grotesken Alltäglichkeiten der Provinz. Und natürlich bekommt der Zuschauer jenseits des Weißwurst-Äquators ein Bayernland zu sehen, wie er es sich in seinen Ferienfantasien ausmalt. Mit Stadelfesten, bei denen fesche Burschen Maßbier trinken und Baumstämme zersägen. Und mit Charakteren, die alle a bissl an Hau weg haben, aber das ist ziemlich normal auf'm bayerischen Land - und sehr amüsant.
Franzi spricht erstaunlicherweise auch das junge Publikum an. Das mag an den Darstellern liegen - darunter Schauspieler Sebastian Bezzl, den TV-Zuschauer aus dem Bodensee-Tatort kennen, oder Jule Ronstest, die unter anderem in der Filmkomödie Wer früher stirbt, ist länger tot auf sich aufmerksam machte.
Das Erstaunlichste aber ist, dass die Figuren im breitesten Dialekt reden und dass es von Begriffen wie «bammberartig», «grattlerhaft» und «Zeedl» nur so wimmelt. Gerade wurde die vierte Staffel abgedreht, die im Herbst 2012 im Bayerischen Fernsehen ausgestrahlt wird.
Ebenfalls bis Herbst 2012 müssen sich die Fans der Krimiserie Mord mit Aussicht gedulden. Dann läuft die dritte Staffel an. Wer es gar nicht aushalten kann, schaut sich die Wiederholungen an, die derzeit mittwochs ab 18.50 Uhr im Ersten laufen. Auch hier wird mit dem besonderen Charme der Provinz gespielt, haben die Kriminalistin Sophia Haas (Caroline Peters) und ihre beiden Untergebenen Dietmar (Bjarne Mädel) und Meike (Bärbel Schmied) allerlei skurrile Fälle zu lösen. Und das Publikum ist begeistert, weil es trockenen Humor, pfiffige Dialoge und Einblicke in das Leben der Eifelbewohner serviert bekommt.
Dass die TV-Sender verstärkt auf Serien mit Lokalkolorit setzen, ist kein neuer Trend. Solche Formate gab es bereits vor 25 Jahren, wie Franz Xaver Bogners in den «wilden 68ern» angelegte TV-Serie Irgendwie und Sowieso beweist. Ab Montag, 1. August, 20.15 Uhr, wird sie im Bayerischen Fernsehen wiederholt und verschafft den Zuschauern ein Wiedersehen mit einer für heutige Verhältnisse unglaublich hochkarätigen Besetzung: Ottfried Fischer, Hannelore Elsner, Elmar Wepper, Bruno Jonas, Barbara Rudnik und Uwe Ochsenknecht mischen mit.
Bogner gelang jetzt sogar eine Art Comeback, als er für seine Polizeiserie München 7 nach zwei Staffeln und fünf Jahren Pause den Auftrag für eine Fortsetzung in der ARD bekam. Die dritte Staffel mit Gaststars wie Christine Neubauer ist gerade im Dreh und soll im nächsten Jahr ausgestrahlt werden. «Crime & Smile» lautet die Erfolgsformel der ARD, die im Rahmen der Neustrukturierung des Vorabendprogramms auf humorige Krimis setzt. Dazu zählen neben München 7 auch die Formate Hubert und Staller mit Christian Tramitz oder Henker und Richter mit Rike Schmidt. Und wo spielen die wohl? Genau, in der Provinz.
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pfj/news.de