Amy Winehouse Ein Tod ohne Glamour

Amy Winehouse (Foto)
Alleingelassen, auch von Freunden und Beratern: Amy Winehouse. Bild: dapd

Von news.de-Redakteur Michael Kraft
Großes Talent, großer Erfolg. Ihr Glück hat Amy Winehouse trotzdem nicht gefunden. Ihr früher Tod ist das Ende eines jahrelangen Siechtums. Und zeigt auch: Niemand in ihrem Umfeld war ernsthaft gewillt, die Sängerin zu retten.

Noch eine mehr im Club 27. Zu diesem illustren Zirkel gehören Rockstars, die im Alter von 27 Jahren gestorben sind. Viel zu früh, sagt man dann gerne, und man denkt an Legenden wie Brian Jones, Jimi Hendrix, Kurt Cobain, Janis Joplin und Jim Morrison. Nun gehört auch Amy Winehouse dazu. Die britische Sängerin wurde heute Nachmittag tot in ihrer Wohnung in London gefunden. Vermutete Todesursache: Überdosis.

Überraschend kommt die Nachricht kaum. Wenn man bei Buchmachern auf den nächsten toten Rockstar wetten wollte, und die Briten finden durchaus Gefallen an solch makabren Späßen, dann bekam man für Amy Winehouse längst nur noch schlechte Quoten. Seit Jahren war ihr Image nicht von Musik bestimmt, sondern von Eskapaden. Drogen, eine turbulente Ehe, Essstörungen - das waren die Dinge, mit denen man in der jüngeren Vergangenheit Amy Winehouse in Verbindung brachte. Dass sie eine talentierte Soulsängerin war, eine gewitzte Songschreiberin und nicht zuletzt eine Stilikone - das verblasste vor all den negativen Schlagzeilen immer mehr.

Promi-Reaktionen
R.I.P. Amy Winehouse!

Was nun bleibt, sind gerade einmal zwei Alben, enorm erfolgreich und vielfach preisgekrönt: Frank (2003) und Back To Black (2006) - ein winziges Oeuvre. Hinzu kommt die Bestürzung über so viel vergeudetes Talent. Und die Erkenntnis, dass offensichtlich niemand willens oder in der Lage war, die Selbstzerstörung von Amy Winehouse aufzuhalten. Trotz all des künstlerischen Potenzials, trotz der lockenden Millionenverkäufe für die Plattenfirma, trotz des Erfolgs, trotz der nun beflissentlich geäußerten Bestürzung: Amy Winehouse hatte offensichtlich weder gute Freunde noch gute Berater. Manch einer hat vielleicht versucht, das Ende hinauszuzögern, schließlich haben alle gut gelebt vom Geld und Ruhm der Skandalnudel. Viele werden sich ein reines Gewissen herbeireden mit dem Argument, Amy Winehouse habe sich schließlich selbst ins Unglück gestürzt. Aber Fakt ist: Ihr Umfeld hat sie sehenden Auges fallen lassen.

Amy Winehouse
Das Ende einer Souldiva
Video: CNN

Mit ihrem Niedergang hat Amy Winehouse so letztlich auch ihren Nachruhm aufs Spiel gesetzt. Es darf bezweifelt werden, dass sie im Club 27 irgendwann zu den prominenteren Mitgliedern zählen wird. Denn anders als beispielsweise Kurt Cobain oder Jimi Hendrix ist Amy Winehouse keineswegs auf dem Höhepunkt ihres Schaffens abgetreten, sondern hat seit fünf Jahren kein Album und seit drei Jahren keine Single mehr veröffentlicht. Anders als bei Jim Morrison gibt es wohl auch kaum brauchbares Archivmaterial, das sich noch posthum ausschlachten lassen und so ihren Namen in Erinnerung halten könnte.

Anders als bei den anderen Mitgliedern im Club 27 hat der Tod von Amy Winehouse auch nichts Mysteriöses oder gar Glamouröses. Ihre letzten Jahre waren keine Dauerparty, sondern ein Siechtum. Die Boulevardpresse hat jeden Blackout, jeden Fehltritt, jeden gescheiterten Entzug dokumentiert. Dank YouTube und Handykameras waren auch die Fans Amy Winehouse auf ihrem Leidensweg so dicht auf den Fersen, dass eigentlich jeder Versuch einer Überhöhung dieses traurigen Lebens zum Scheitern verurteilt sein müsste. Wenn man sich den Tod von Brian Jones vorstellt, kann man vielleicht noch an Goupies und Champagner denken. Spätestens seit Amy Winehouse wissen alle: Das Junkie-Leben riecht nach Kotze - auch bei Rockstars.

Amy Winehouse
Ein viel zu kurzes Leben

In der Woche vor ihrem Tod hat sich Amy Winehouse angeblich dreimal bis zur Besinnungslosigkeit betrunken. Wenn sich der Verdacht des Drogentods bestätigt, dann ist die Sängerin von der Bühne des Lebens so abgetreten, wie bei ihrem letzten Konzert in Belgrad: torkelnd, lallend, desorientiert. Es steht zu befürchten, dass sie so auch in Erinnerung bleiben wird.

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cvd/news.de