So., 27.05.12

Amy Winehouse 23.07.2011 Ein Tod ohne Glamour

Amy Winehouse (Foto)
Alleingelassen, auch von Freunden und Beratern: Amy Winehouse. Bild: dapd

Von news.de-Redakteur Michael Kraft

Großes Talent, großer Erfolg. Ihr Glück hat Amy Winehouse trotzdem nicht gefunden. Ihr früher Tod ist das Ende eines jahrelangen Siechtums. Und zeigt auch: Niemand in ihrem Umfeld war ernsthaft gewillt, die Sängerin zu retten.

Textbasar beta Amy Winehouse Ein Tod ohne Glamour Ich will diesen Text kostenlos für meine Webseite

Noch eine mehr im Club 27. Zu diesem illustren Zirkel gehören Rockstars, die im Alter von 27 Jahren gestorben sind. Viel zu früh, sagt man dann gerne, und man denkt an Legenden wie Brian Jones, Jimi Hendrix, Kurt Cobain, Janis Joplin und Jim Morrison. Nun gehört auch Amy Winehouse dazu. Die britische Sängerin wurde heute Nachmittag tot in ihrer Wohnung in London gefunden. Vermutete Todesursache: Überdosis.

Überraschend kommt die Nachricht kaum. Wenn man bei Buchmachern auf den nächsten toten Rockstar wetten wollte, und die Briten finden durchaus Gefallen an solch makabren Späßen, dann bekam man für Amy Winehouse längst nur noch schlechte Quoten. Seit Jahren war ihr Image nicht von Musik bestimmt, sondern von Eskapaden. Drogen, eine turbulente Ehe, Essstörungen - das waren die Dinge, mit denen man in der jüngeren Vergangenheit Amy Winehouse in Verbindung brachte. Dass sie eine talentierte Soulsängerin war, eine gewitzte Songschreiberin und nicht zuletzt eine Stilikone - das verblasste vor all den negativen Schlagzeilen immer mehr.

Was nun bleibt, sind gerade einmal zwei Alben, enorm erfolgreich und vielfach preisgekrönt: Frank (2003) und Back To Black (2006) - ein winziges Oeuvre. Hinzu kommt die Bestürzung über so viel vergeudetes Talent. Und die Erkenntnis, dass offensichtlich niemand willens oder in der Lage war, die Selbstzerstörung von Amy Winehouse aufzuhalten. Trotz all des künstlerischen Potenzials, trotz der lockenden Millionenverkäufe für die Plattenfirma, trotz des Erfolgs, trotz der nun beflissentlich geäußerten Bestürzung: Amy Winehouse hatte offensichtlich weder gute Freunde noch gute Berater. Manch einer hat vielleicht versucht, das Ende hinauszuzögern, schließlich haben alle gut gelebt vom Geld und Ruhm der Skandalnudel. Viele werden sich ein reines Gewissen herbeireden mit dem Argument, Amy Winehouse habe sich schließlich selbst ins Unglück gestürzt. Aber Fakt ist: Ihr Umfeld hat sie sehenden Auges fallen lassen.

Mit ihrem Niedergang hat Amy Winehouse so letztlich auch ihren Nachruhm aufs Spiel gesetzt. Es darf bezweifelt werden, dass sie im Club 27 irgendwann zu den prominenteren Mitgliedern zählen wird. Denn anders als beispielsweise Kurt Cobain oder Jimi Hendrix ist Amy Winehouse keineswegs auf dem Höhepunkt ihres Schaffens abgetreten, sondern hat seit fünf Jahren kein Album und seit drei Jahren keine Single mehr veröffentlicht. Anders als bei Jim Morrison gibt es wohl auch kaum brauchbares Archivmaterial, das sich noch posthum ausschlachten lassen und so ihren Namen in Erinnerung halten könnte.

Anders als bei den anderen Mitgliedern im Club 27 hat der Tod von Amy Winehouse auch nichts Mysteriöses oder gar Glamouröses. Ihre letzten Jahre waren keine Dauerparty, sondern ein Siechtum. Die Boulevardpresse hat jeden Blackout, jeden Fehltritt, jeden gescheiterten Entzug dokumentiert. Dank YouTube und Handykameras waren auch die Fans Amy Winehouse auf ihrem Leidensweg so dicht auf den Fersen, dass eigentlich jeder Versuch einer Überhöhung dieses traurigen Lebens zum Scheitern verurteilt sein müsste. Wenn man sich den Tod von Brian Jones vorstellt, kann man vielleicht noch an Goupies und Champagner denken. Spätestens seit Amy Winehouse wissen alle: Das Junkie-Leben riecht nach Kotze - auch bei Rockstars.

Amy Winehouse
Das Ende einer Souldiva
Video: CNN

In der Woche vor ihrem Tod hat sich Amy Winehouse angeblich dreimal bis zur Besinnungslosigkeit betrunken. Wenn sich der Verdacht des Drogentods bestätigt, dann ist die Sängerin von der Bühne des Lebens so abgetreten, wie bei ihrem letzten Konzert in Belgrad: torkelnd, lallend, desorientiert. Es steht zu befürchten, dass sie so auch in Erinnerung bleiben wird.

Ist Amy Winehouse die beste Sängerin aller Zeiten? Stimmen Sie ab und wählen Sie hier die Queen Of Pop.

cvd/news.de
Leserkommentare (12) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • Redberry
  • Kommentar 12
  • 25.07.2011 11:57
 

Der Himmel hat einen Engel mehr...:-( Ruhe in Frieden kleine Amy....mögest du jetzt finden wonach du im Leben immer gesucht hast.... Wünsche dir alles Gute auf deine Reise....Rest in Peace mach's gut little Lady...

jetzt antwortenKommentar melden
  • Zuckerfee
  • Kommentar 11
  • 25.07.2011 10:47
 Antwort auf Kommentar 1

Ich stimme Ihnen insoweit zu, dass im Nachhinein dann der Eindruck erweckt wird: nicht der Süchtige ist schuld an seiner Situation, sondern das böse, harsche Umfeld, das ihn nicht gerettet hat..... tststs...wie bescheuert ist das eigentlich?

jetzt antwortenKommentar melden
  • jobbuero
  • Kommentar 10
  • 25.07.2011 10:41
 

Dieser Tod ist ebenso tragisch wie zwangsläufig. Sie hat wirklich alles dafür getan, die Bühne des Lebens ganz schnell zu verlassen. Und ich bezweifle sehr stark, dass irgendjemand sie hätte je daran hindern können.....

jetzt antwortenKommentar melden
  • Brasilianer
  • Kommentar 9
  • 24.07.2011 23:22
 

Kommentar 6 sagt eigentlich alles - was nutzt es wenn man talentiert ist und mit dem Leben spielt - Künstler die einen solchen Lebenswandel führen sollten keine Auftritte mehr bekommen und die Presse sollte Ihnen kein Podium bieten ,bedauerlich ist dieser Tod nicht, man kann nur feststellen er ist die Folge solcher Exzesse dies sollte man jugendlichen mehr vor Augen führen. Glücklicherweise gibt es auch efolgreiche Künstler aller Sparten die normal sind

jetzt antwortenKommentar melden
  • Romacio
  • Kommentar 8
  • 24.07.2011 21:32
 

peinlich. peinlich...dieses Luder. Wer in der Musikscene kein Vorbild ist und einen unsoliden Lebensstil führt, der sollte ausgebuht werden und hat nix in der Öffentlichkeit verloren. Wir brauchen keine Junkies.

jetzt antwortenKommentar melden
  • Ellipirelli
  • Kommentar 7
  • 24.07.2011 20:50
 

Und wieder einmal hat sich bewahrheitet:Geld macht nicht glücklich.Zu jung,zuviel Ruhm,zuviel Druck..Geltungsbedürfnis,exzessiver Lebenswandel,innere Leere,bis zum bitteren Ende. Hätte sie man Hilfe angenommen und sich auf Entzug begeben.Was will man jetzt dazu sagen? MIr kommt es immer mehr so vor:Je selbstverliebter Menschen sind,je mehr Ruhm und Erfolg sie haben,umso mehr fehlt die Bodenständigkeit und der Sinn im Leben. Hätte sie Niemand auf den Weg der Normalität und Drogenfreiheit zurückholen können? Nun stellt sich die Frage zu spät!

jetzt antwortenKommentar melden
  • zausel
  • Kommentar 6
  • 24.07.2011 17:08
 Antwort auf Kommentar 5

Wer mit seinem Leben zu hoch pokert, hat selber Schuld !

jetzt antwortenKommentar melden
  • friese
  • Kommentar 5
  • 24.07.2011 16:24
 Antwort auf Kommentar 1

wie soll das denn bitte gehen: "aus eigener kraft der sucht entgegen" das erzähl mal bitte einen suchtkranken wie das gehen soll. bei a.w. hätte das umfeld "ihre sogenannten freunde" helfen müssen und diese haben alle versagt und müssen sich an den kopf greifen. ich mochte sie und ihre lieder und deshalb trauer ich um die frau !

jetzt antwortenKommentar melden
  • Marion Rica
  • Kommentar 4
  • 24.07.2011 14:17
 

Ich habe auch lange musik gemacht und gesungen. Ich war nie betrunken auf der bühne, aber ich habe versucht, excesse zu vermeiden. dadurch ist man nicht so interessant vermute ich. der fan sollte nicht maßgeblich für gute musikarbeit sein. in erster linie stehst du alleine auf der bühne. das zusammenspiel ist immer wieder neu und sehr anstrengend. niergendwo sonst wird so sehr auf fehler geachtet und fallen fehler ins gewicht wie live auf der bühne. diese hohe anspannung zerfällt nach dem auftritt und es löst sich die hohe konzentration auf. die leber fordert nun zucker - Unterzucker!

jetzt antwortenKommentar melden
  • Rockdaddie
  • Kommentar 3
  • 24.07.2011 13:40
 

Brutal aber wahr, in meiner Stadt laufe ich täglich am Fixertreff vorbei mit einem schlechten Gewissen, weil ich aufgrund des Verhaltens der Süchtigen bloss Ekel und kein Bedauern mehr verspüren kann. Wahrscheinlich ist das die eigene Angst davor, mit den Junkies in Diskussionen oder in Kontakt zu geraten. So wird es nach einiger Zeit des Zuspruchs auch den Personen ergangen sein, die mit unserer wundersamen Amy zu tun hatten. RIP Amy, ich liebe Deine Musik!

jetzt antwortenKommentar melden
  • berniboy
  • Kommentar 2
  • 24.07.2011 13:02
 Antwort auf Kommentar 1

Alles fast Richtig,aber ein R.I.P. wenn sie hier schon schreiben,hätten sie auf ihrer Tastertur ruhig tippen können auch wenn sie diese Frau nicht mochten (?)

jetzt antwortenKommentar melden
  • Lockowski43
  • Kommentar 1
  • 24.07.2011 12:20
 

Ihr Einwand:"Aber Fakt ist: Ihr Umfeld hat sie sehenden Auges fallen lassen" läuft auf den Vorwurf hinaus, dass das persönliche Umfeld schuld an ihrem Tode ist. Wie wenig verstehen Sie doch von Suchtkranken. Amy und Co kann und konnte man nicht helfen- Suchtkranke können und müssen sich alleine aus ihrer Sucht befreien.

jetzt antwortenKommentar melden
Kommentar schreiben Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig
Kommentar  
Ihr Name
Ihre Emailadresse
Bitte übertragen Sie die Zeichen in das Feld darunter.
'6Ld52csSAAAAAKTxfdwmi0Ay4Tjghi64k3PAcWrj'

Amy Winehouse: Ein Tod ohne Glamour » Medien » Nachrichten

URL : http://www.news.de/medien/855205122/ein-tod-ohne-glamour/1/

Schlagworte:

Wir empfehlen
Anzeige
Facebook
Twitterbox
Follow Us!
Anzeige