So., 27.05.12

Durchgehört 24.07.2011 Amys Erbin

Von news.de-Volontär Ayke Süthoff und news.de-Redakteur Michael Kraft

Das neue Album Beats & Bruises der Schwedin Miss Li klingt wie eine Hommage an Amy Winehouse - dabei war es längst fertig als die Engländerin starb. Außerdem heute bei Durchgehört: Gomez nicht mehr kernig und Brian Enos 44. Zauber.

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Dass Amy Winehouse einen Tag nach der Veröffentlichung von Miss Lis drittem Album Beats & Bruises tot in ihrer Wohnung aufgefunden wird, könnte der schwedischen Künstlerin auf fast makabre Weise zu plötzlichem Ruhm verhelfen. Denn was Miss Li auf ihrem Album macht, orientiert sich musikalisch stark an dem, was Amy Winehouse einst wieder salonfähig machte: klassischem Soul.

Dabei ist Miss Lis Stimme ganz anders, längst nicht so kraftvoll wie die Stimme auf der Amy Winehouse ihre kurze aber imposante Karriere aufbaute. Miss Li singt höher, brüchiger, schwächer. Amy Winehouse drückte ihre Emotionen mit ihrer starken Stimme aus. Miss Li lebt aus ihrer Schwäche - beides ist Soul.

Was die musikalische Unterstützung der Stimme angeht, die Instrumentierung und die enge Produktion, ist Miss Li noch näher an Amy Winehouse Höhepunkten und damit weit besser als alles, was man in den letzten Jahren von der Engländerin hören konnte. Beats & Bruises ist ein herausragendes Soul-Album. Es gibt poppige Hits, die zum Tanzen auffordern wie My Man oder Shoot Me. Es gibt gefühlvolle Nachdenker wie Are You Happy Now und es gibt Instant-Klassiker wie das Eröffnungsstück Devil's Taken My Heart. Es wirkt, als hätte Miss Li dieses Album Amy Winehouse zu Ehren geschrieben. Dabei war Beats & Bruises längst fertig als Amy Winehouse starb.

Interpret: Miss Li
Album: Beats & Bruises
Plattenfirma: Devilduck (Indigo)
Erscheinungsdatum: 22. Juli 2011

Wenn von Gomez die Rede ist (nicht dem Fußballer, sondern der Band aus Southport), dann hört man ganz oft das Wort «kernig». Gemeint ist damit: handgemachte Rockmusik, mit rauer Stimme und patentem Drive. Das Problem dabei: Kernig ist nicht sexy.

Im 15. Jahr ihrer Karriere haben Gomez das nun auch gemerkt und legen mit Whatever’s On Your Mind ein Album vor, das weniger Virtuosität bietet, dafür aber mehr Leichtigkeit und Abwechslung. Das Sextett klingt wie in einen Jungbrunnen gefallen. Auf Whatever’s On Your Mind gibt es die sanfte Melodieseligkeit der Shins, den jugendlichen Leichtsinn von Ash und dazu immer wieder hoch komplexe Rhythmen, die niemals bloß Selbstzweck sind.

Der beste von vielen sehr guten Songs steht gleich am Beginn: Die Single Options ist heiter und ausgelassen, von Bläsern getrieben und durchaus vergleichbar mit dem hübschesten Momenten im Oeuvre von Fountains Of Wayne. Auch, wenn es doch noch einmal «kernig» zugeht, ist das kein Problem: Im packenden Equalize scheint Ben Ottewell, einer von drei Sängern bei Gomez, eine Mardi-Grass-Parade anzuführen, mit Afrobeats und einem ganzen Partyvolk als Chor. Und das ist dann doch beinahe sexy.

Interpret: Gomez
Album: Whatever's On Your Mind
Plattenfirma: Eat Sleep Records
Erscheinungsdatum: bereits erschienen

Drums Between The Bells heißt das neue Album von Brian Eno. Der Titel für das (je nach Zählung) 44. Studioalbum des Ambient-Altmeisters stammt aber gar nicht von ihm. Denn Brian Eno arbeitet auf Drums Between The Bells mit Rick Holland zusammen, dessen Werk er schon seit mehr als zehn Jahren bewundert und der hier alle Texte beigesteuert hat. «Drums between the bells» ist eine seiner Zeilen aus Sounds Alien, dem von Bläsern und wildem Schlagzeug getriebenen, mit Abstand härtesten Track auf dieser Platte.

Das geradezu hyperaktive Stück ist damit ein Ausreißer, denn ansonsten liefert Eno wie schon auf dem Vorgänger Small Craft On A Milk Sea eher getragene Sounds, in unzähligen Facetten und interpretiert von vielen verschiedenen Stimmen (darunter auch Enos eigener Gesang). Das Ergebnis überzeugt. Den auch vom Titel vermittelten Eindruck, dass hier ganz kalkuliert musiziert wird, dass man diese Tracks spielend leicht sezieren und ihre Einzelteile offen legen könnte, stützen fast alle Stücke. Und doch bleibt da ein Rätsel, ein Zauber. Keine Frage: Hier ist das Ganze auf jeden Fall mehr als die Summe seiner Teile.


Interpret: Brian Eno
Album: Drums Between The Bells
Plattenfirma: Warp
Erscheinungsdatum: bereits erschienen

news.de
Leserkommentare (1) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • fendor
  • Kommentar 1
  • 28.07.2011 18:03
 

kunst ist was anderes.schwache stimme,inhaltsleere musik

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