Von news.de-Redakteur Cord Krüger
In den nächsten Monaten starten neue US-Serien in Deutschland. Experimente wagt kaum ein Sender - mit einer Ausnahme. Fans dürfen sich auf die Rückkehr eines Schnauzbartträgers freuen. Und ein Revolverheld könnte ein Westernrevival einläuten.
Wenn die Sommerpause überwunden ist, wird das deutsche Fernsehen munter. Abgebrochene Staffeln aktueller Erfolgsserien werden fortgesetzt, neue Formate gehen an den Start. Bei RTL plant man da wie seit eh und je konservativ. Die Publikumslieblinge von CSI bis Bones werden verlängert. Als einzigen Serienneuzugang aus Übersee haben sich die Kölner die Rechte an White Collar gesichert. Wenn Royal Pains pausiert, wird White Collar leichtfüßige Krimikost bieten. Es geht darin um einen genialen Trickbetrüger, der dem FBI bei der Überführung gerissener Ganoven hilft.
Sat.1 zeigt ab Anfang September neue Folgen von Navy CIS und The Mentalist. Ab Herbst ermittelt außerdem der Criminal-Minds-Ableger Team Red. Oscarpreisträger Forest Whitaker (Der letzte König von Schottland) führt hier ein Team unkonventioneller FBI-Spürnasen an.
Auf eine ganze Reihe neuer US-Serien können sich die Zuschauer bei Pro7 freuen. Auf das Publikum von Grey's Anatomy und Crossing Jordan schielt Body Of Proof, in der eine Pathologin Verbrechen aufklärt, wenn sie sich nicht gerade mit ihrem Ex-Mann um das Sorgerecht für ihre Tochter streitet. Die ersten Kritiken waren eher mau, die Besetzung liest sich mit Jeri Ryan (Star Trek: Voyager) und John Carrol Lynch (Zodiac) jedoch eindrucksvoll.
Im Bereich Mystery wird Pro7 als Ergänzung zu Vampire Diaries und Supernatural Being Human ausstrahlen. Die Serie handelt von einer Wohngemeinschaft eines Vampirs mit einem Werwolf und einem Geist. Die von Steven Spielberg produzierte Science-Fiction-Serie Terra Nova wird noch eine Weile auf sich warten lassen, startet sie doch erst Anfang September in den USA. Darin reisen Siedler aus dem Jahr 2149 85 Millionen Jahre in die Vergangenheit und tauschen die weitestgehend zugrunde gerichtete Erde der Zukunft gegen die von Sauriern bevölkerte Kreidezeit. Klingt nicht unbedingt nach einem naheliegenden Plan, um den Fortbestand der Menschheit zu sichern, verspricht aber T-Rex-Action und herbe Pionierabenteuer.
Wie der junge Clint Eastwood
Die spannendsten neuen Serien wird es allerdings nicht im Programm der drei Platzhirsche zu sehen geben, sondern bei Kabel Eins. Wo andere Sender sich damit begnügen, auf für ein Genre etablierten Sendeplätzen eine Reihe möglichst identischer Serien anzubieten, beweist die kleine Schwester von Pro7 und Sat.1 Mut zu Neuem.
Im Herbst startet hier Blue Bloods. In der Krimiserie spielt Tom «Magnum» Selleck den - natürlich schnauzbärtigen - New Yorker Polizeichef Frank Reagan. Seine ganze Familie hat sich der Verbrechensbekämpfung verschrieben und arbeitet bei der Polizei oder der Staatsanwaltschaft. Die Macher von Blue Bloods produzierten schon die Sopranos und Ausgerechnet Alaska. Neben Selleck sind Bridget Moynahan (Sex And The City) und Mark Wahlbergs älterer Bruder Donnie (Band Of Brothers) mit von der Partie. Die ersten Trailer versprechen eine hochklassige Unterhaltung auf Kinoniveau.
Für das größte Serien-Highlight der kommenden Monate müssen sich deutsche Zuschauer leider noch bis Anfang 2012 gedulden. Dann sendet Kabel Eins die ersten beiden Staffeln von Justified. Timothy Olyphant (Stirb langsam 4.0) ist darin als Federal Marshal Raylan Givens zu sehen - ein Revolverheld wie aus einem John-Wayne-Western.
Nachdem er in Miami einen Drogenhändler erschossen hat, weil der nicht binnen 24 Stunden die Stadt verlassen wollte, wird er nach Harlan, Kentucky, versetzt. In seiner alten Heimat warten nicht nur zahlreiche Jugendfreunde und -feinde auf den Marshall, sondern auch brutale Neonazi-Hinterwäldler und sein krimineller Vater. Die ultracoole Serie basiert auf einer Geschichte von Elmore Leonards (Jacky Brown, Out Of Sight) und kann sich derzeit - neben Breaking Bad und Mad Men - der am besten geschriebenen Dialoge des US-Fernsehens rühmen.
Olyphants Marshal Givens hat dabei das Zeug zur Ikone vom Schlage eines Dr. House, weil er einen klassischen Typ Mann - gradlinig, unbestechlich, kernig, charmant - glaubwürdig für die Gegenwart neu erfindet. Wenn kein ungünstiger Sendeplatz oder eine schwache Synchronisation dazwischen kommen, könnte Justified auch in Deutschland weit mehr werden als ein Geheimtipp. Es wird ohnehin mal Zeit, dass der Vampir- und Piratenboom ein Ende findet. Ein Westernrevival käme da gerade recht.