Musik Revolution auf dem Bodensee

Die «Revolution» auf dem Bodensee ist geglückt, der Spagat zwischen Kunst und Kommerz wieder einmal gelungen. Die Aufführung von Umberto Giordanos (1867-1948) Revolutionsoper «André Chénier» am Mittwochabend hat gehalten, was das spektakuläre Bühnenbild versprach.

Revolution auf dem Bodensee (Foto)
Revolution auf dem Bodensee Bild: dpa

Bregenz (dpa) - Die «Revolution» auf dem Bodensee ist geglückt, der Spagat zwischen Kunst und Kommerz wieder einmal gelungen. Die Aufführung von Umberto Giordanos (1867-1948) Revolutionsoper «André Chénier» am Mittwochabend hat gehalten, was das spektakuläre Bühnenbild versprach.

Eingepackt in Wolldecken und Wintermäntel jubelt das durchfrorene Premierenpublikum den Künstlern nach einem atemberaubenden Finale zu. Mit 7000 Zuschauern war die Premiere nahezu ausverkauft. Bis zuletzt hatten die Organisatoren gezittert, ob die Premiere ins Festspielhaus verlegt werden muss. Doch pünktlich zu Spielbeginn reißen die Wolken auf und es bleibt trocken.

Einige Künstler werden dennoch sehr nass und ernten für ihre gewagten Sprünge in den See Szenenapplaus. Bravorufe gibt's am Schluss auch für die Solisten. Im Mittelpunkt der Handlung steht der Dichter André Chénier. Die historische Figur wird während der Französischen Revolution vom Revolutionär zum erbarmungslos Verfolgten.

Herzstück der Inszenierung ist der 60 Tonnen schwere Kopf einer Leiche, die blass aus dem Bodensee ragt. Regisseur Keith Warner und Bühnenbildner David Fielding, der schon für die Pet Shop Boys die Kulisse entworfen hat, ließen sich bei der sieben Millionen Euro teuren Kulisse von dem Gemälde «Der Tod des Marat» von Jacques-Louis David (1748-1825) inspirieren, der als Kopf der Revolution 1793 in einer Badewanne erstochen wurde.

Ebenfalls aufwändig und nach historischem Vorbild sind die 500 Kostüme und gewagt aufgetürmten Barockperücken der Amerikanerin Constance Hoffmann. Bei der Kulisse klotzt Technikdirektor Gerd Alfons mit technischen Tricks. Die toten Augen öffnen sich und aus dem Wasser kommt ein riesiger Dolch, der dem Koloss eine klaffende Wunde zufügt. Stacheln fahren aus der Haut und in einer Gerichtsszene klappt die Konstruktion nach hinten und gibt einen Stapel Bücher frei, auf dem die Sänger herumturnen.

Gespielt wird auf mehreren Plattformen und 154 Stufen, die steil über die Brust des Kolosses zum Auge führen. In bunten Revolutionsszenen lässt Regisseur Keith Warner Volk und Adel aufeinanderprallen. Die Sänger überzeugen das Publikum nicht nur stimmlich, sondern auch durch körperliche Fitness. Tenor Peter Bronder, der sich als Spitzel aus dem Auge abseilt, absolvierte für seinen Auftritt sogar einen Kletterkurs. Die Hauptfiguren sind gefangen zwischen den Exzessen des Ancien Régime und dem Terror der Revolution. Da sind der Poet André Chénier (Héctor Sandoval) und sein Gegenspieler Carlo Gérard (Scott Hendricks). Beide lieben die adelige Maddalena (Norma Fantini), die auf der Flucht von ihrem Dienstmädchen (Tania Kross) begleitet wird.

Obwohl dem Werk bekannte Opernhits fehlen, tauchen immer wieder vertraute Revolutionsklänge an, darunter das «Ça ira» und die «Marseillaise». Es spielen die Wiener Symphonikern unter der Leitung von Ulf Schirmer, der in Bregenz zuletzt «Tosca» dirigierte. Mit dem eher unbekannten Werk ist Intendant David Pountney, der für die knapp 100 Veranstaltungen rund um die Festspiele bis zu 200 000 Besucher erwartet, ein kalkuliertes Risiko eingegangen, wie er sagt. Das Stück sei wie für die Seebühne gemacht. Pountney setzt darauf, dass sich dies nicht nur unter Opernliebhabern herumspricht. Bis 21. August ist die zweistündige Oper noch 23 Mal in Bregenz zu sehen.

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news.de/dpa

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