Von den news.de-Redakteuren Claudia Arthen und Sven Wiebeck
Ihr Debütroman Feuchtgebiete sorgte für Wirbel, jetzt hat Charlotte Roche ihr zweites Buch geschrieben: Schoßgebete. In dem autobiografisch gefärbten Werk geht es wieder mal um Sex - und zwar in der Ehe. Neben dem Körperlichen spielen diesmal aber auch psychische Leiden eine Rolle.
Wir sind ja einiges gewohnt von der Provokateurin Charlotte Roche. Ausführlich hat sie ihre Gedanken über Analfissuren, Hämorrhoiden und Selbstbefriedigungspraktiken in Feuchtgebiete zu Papier und unter Millionen Leser gebracht. Sie hat nach nur fünf Sendungen Giovanni di Lorenzo und der Talkshow 3nach9 den Rücken gekehrt. Und sie hat dem Bundespräsidenten Christian Wulff Sex angeboten, damit er die Unterschrift unter das Gesetz zur Verlängerung der Laufzeiten für Atomkraftwerke verweigert.
Jetzt will Charlotte Roche «eines unserer letzten Tabus» brechen, kündigt der Münchner Verlag Piper an. Die Feuchtgebiete-Autorin hat ein neues Buch geschrieben. Schoßgebete lautet der Titel. Das klingt ein bisschen wie Stoßgebete, aber verruchter und verlockender. Und riecht nach feuchtem Inhalt - so wie man es von der Roche erwartet. Mittwoch geht das Buch in den Handel.
Stark autobiografische Züge
Über den genauen Inhalt ist so kurz vor der Veröffentlichung aber nur wenig bekannt, den hält Piper größtenteils unter Verschluss. Eines ist jedoch gewiss: Es geht wieder um Sex. Diesmal um ehelichen. Und um die Frage, wie ein Paar es schafft, für immer zusammenzubleiben. «Offen und mutig, provokant, abgründig und komisch» soll es werden, wirbt Piper.
Zudem soll die Bestsellerautorin auf den 288 Seiten «sehr viel von sich preisgeben». Dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel verriet die 33-Jährige, dass der Roman stark autobiografische Züge habe. Und erzählte in dem Interview auch von ihrer Magersucht, ihrer Alkoholabhängigkeit und ihren Depressionen. Nur ihrer Therapeutin verdanke es die TV-Moderatorin, dass sie noch am Leben ist.
Zwar beginnt das Buch mit einer ausführlichen Sexszene, sagte Roche, die erneut kein Blatt vor den Mund nimmt. Dennoch steht das Körperliche dieses Mal nicht an erster Stelle, ist Schoßgebete ein persönliches und anrührendes Buch.
In dem sich die Autorin auch erstmals öffentlich mit dem Autounfall auseinandersetzt, bei dem vor zehn Jahren auf dem Weg zu ihrer Hochzeit ihre drei Brüder getötet wurden. «Ich habe bis heute nicht getrauert, kein bisschen», sagte Roche. Jetzt aber müsse dieser Unfall aus dem Weg geräumt werden: «Das ist wie ein Tumor, der entfernt werden muss.» Auf rund 90 Seiten habe sie «das Protokoll des Horrors» in ihrem Kopf niedergeschrieben.
Hinzu kommt sehr viel Medienkritik. Charlotte Roche will eine große deutsche Boulevardzeitung mit ihren eigenen Waffen schlagen, greift boulevardeskes Verhalten auf und kritisiert es offen. Sie zeigt die Grausamkeit des Witwenschüttelns auf und wie zwischen Medien und Stars Grabenkämpfe ausgefochten werden.
Heizdecke an und dann geht's los
Im Mittelpunkt all desen steht «die Geschichte einer unerschrockenen wie verletzlichen jungen Frau». Einer Frau namens Elizabeth, die es am liebsten tagsüber und bei geschlossenen Fenstern mag, wegen der Nachbarn. «Ihr Mann macht die Heizdecken auf dem Bett an, dann kann's losgehen. Sie fährt sofort mit der Hand rein in Georgs XXL-Yogahose. Und ab hier betrügt sie ihre Männer hassende Mutter, die ihr beibringen wollte, dass Sex etwas Schlechtes sei», heißt es in einer Kurzmitteilung des Verlags. Das klingt nicht nach einem Knaller.
Aber die Münchner sind siegessicher: Das Buch soll mit einer Startauflage von 500.000 Exemplaren erscheinen - das ist Rekord. Große Buchhandlungen dürfen sich gleich mit Paletten zu 500 Stück eindecken. Geworben wird über YouTube und Google, auf Facebook und Twitter. Ein Hörbuch - gelesen von Charlotte Roche höchstpersönlich - und eine Lesetour durch Deutschland - ab dem 10. September und passenderweise mit dem Startschuss in Bremens Schlachthof - sind ebenfalls geplant. Eine gewaltige Werbekampagne, die vor allem eines zum Ziel hat: den Erfolg der Feuchtgebiete zu toppen.
Doch kann es Schoßgebiete mit Roches Debüt- und Skandalbuch aus dem Jahr 2008 aufnehmen? Mit jenem Buch, mit dem die ehemalige Viva-Moderatorin zum Star der Literatur-Charts avancierte? Acht Monate stand es an der Spitze der Bestseller-Listen. Wohlgemerkt: der belletristischen. Es war der erste deutschsprachige Titel, der es an die Spitze der internationalen Charts des Online-Händlers Amazon schaffte. An die zwei Millionen Feuchtgebiete wurden verkauft, oft an junge Frauen.
Gewiss war die Freude groß, dass es in der deutschsprachigen Literatur endlich Sätze gab wie diesen: «Wenn ich zum Beispiel Pickel ausdrücke und den Eiter am Finger habe, esse ich ihn mit großem Vergnügen.» Ein harmloser Satz im Vergleich zum Rest des Buches. Der frische Wind, den Charlotte Roche (damals 30), brachte, wehte strenge Gerüche herbei.
Dabei ging es bloß um eine 18-Jährige, die sich beim Nassrasieren im Hintern geschnitten hatte. Eine kleine Verletzung, die sich entzündet hatte. Sie lag folglich im Krankenhaus, die Finger zwischen ihren Beinen, wurde operiert, ließ sich auch gleich die Hämorrhoiden entfernen. Schmutzige Klobrillen liebte die Romanfigur, und wenn man Feuchtgebiete als Antwort auf den Hygienewahnsinn verstanden hat, dann war 's gar nicht so übel.
Eine richtige Achterbahn der Gefühle
Jedenfalls löste kein anderes Werk so viel Ekel und Begeisterung zugleich und eine gesellschaftliche Debatte darüber aus, wie offen über Sex oder körperliche Ausscheidungen geredet werden sollte. Feministinnen klatschten in die Hände, denn Roche rückte mit Feuchtgebiete ein überstyltes Frauenbild zurecht und dem übertriebenen Hygienewahnsinn zuleibe. Das Werk schaffte es sogar in Windeseile auf die Theaterbühne und soll angeblich verfilmt werden - vom ZDF, man höre und staune!
«Es ist eine Fik-tion, mit Betonung auf der ersten Silbe», beschrieb Roche ihr Erstlingswerk. Und in einem Interview mit dem Magazin der Süddeutschen Zeitung ließ sie uns nach dem Erfolg der Feuchtgebiete wissen: «Ich bin im Schockzustand. Ganz viele Freunde sagen mir, ich könnte mit einem nächsten Buch nie mehr an diesen Erfolg anknüpfen. Aber das kann ja wohl auch nicht das Ziel sein. Schreiben für Verkaufszahlen, ach. Aber jetzt bin ich sowieso so was von versaut, das gibt's kein zweites Mal. Ich komme mir so vor, als hätte ich einen Weihnachtshit gelandet.»
Den Schockzustand hat Roche offenbar überwunden, genau wie ihre Unlust auf Sexthemen. Auf der Internetseite von Piper verrät Roche in einem 26-Sekunden-Spot über ihr neues Buch: «Wer dachte, Feuchtgebiete ist krass, der muss sich hierbei richtig anschnallen. Das ist eine richtige Achterbahn der Gefühle.»
Vielleicht wird uns Charlotte Roche bald auch verraten, warum sie ehelichen Sex für ein Tabu hält. Ist der nicht anders als der uneheliche allzeit gestattet, sofern er von beiden Seiten gewollt ist? Die Autorin und ihr Verlag sollten schon einmal das eine oder andere «Schoßgebet» Richtung Himmel senden, auf dass sich die Republik erneut so errege wie seinerzeit bei den Feuchtgebieten.
oro/pfj/news.de/dpa
Unerfüllte Lust, Triebhaftigkeit ganz ohne Liebe führen unweigerlich zu Frust und sexueller Gewalt, egal ob gegen sich oder andere. Sei es in Form der Lächerlichkeit oder Leiden, es bleibt eine krankhafte Verhaltensstörung, welche naturgemäß nur beim Menschen vorkommt. Wohl dem, der in einem Partner einen gleich Gesinnten findet, mit dem gemeinsam alle Höhen und Tiefen unserer Gefühle erlebt werden kann.
jetzt antwortenKommentar meldenDiese komische Schriftstellerin sieht aus wie eine "Lolita",wahrscheinlich hat die schon als Siebenjährigen angefangen zu p.....n.Die hat ja nur ein Thema im Kopf,schon irgendwo abartig.Das letzte ,was ich tun würde,mir ihr Machwerk zu kaufen.Im Leben nicht! Sowas Doofgeiles!
jetzt antwortenKommentar meldenLesen kann dies ,wer will ! Ich nicht ,dies tue ich mir nicht an !
jetzt antwortenKommentar melden„Anrochiges“ finde ich gut. Prüderie und das Vorgaukeln von Gefühlen ist in einer Beziehung tödlich!
jetzt antwortenKommentar melden... und der Flügelschlag eines Schmetterlings löst die nächste Umweltkatastrophe aus ...
jetzt antwortenKommentar meldenIn China ist ein Sack Reis umgefallen. Silvester läuft »Dinner For One« im Dritten. Frau Roche gibt ein neues Buch heraus.
jetzt antwortenKommentar melden