Musik Baumgarten hebt Zwiespalt im «Tannhäuser» hervor

Baumgarten hebt Zwiespalt im «Tannhäuser» hervor (Foto)
Baumgarten hebt Zwiespalt im «Tannhäuser» hervor Bild: dpa

Die Neuinszenierung des «Tannhäuser» zum Auftakt der 100. Bayreuther Festspiele ist erst die zweite Begegnung von Sebastian Baumgarten mit einer Oper von Richard Wagner.

Bayreuth (dpa) - Die Neuinszenierung des «Tannhäuser» zum Auftakt der 100. Bayreuther Festspiele ist erst die zweite Begegnung von Sebastian Baumgarten mit einer Oper von Richard Wagner.

«Ich will das Werk befreien vom reinen Künstlerdrama», beschreibt der 42-jährige Regisseur seinen Ansatz in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Bereits vor einem Jahrzehnt hat er am Staatstheater Kassel Wagners «Parsifal» inszeniert.

Im Sinne von Friedrich Nietzsche und in Anlehnung an die griechischen Götter Dionysos und Apollon stellt Baumgarten im «Tannhäuser» den dauerhaften und grundlegenden Konflikt des Titelhelden zwischen der exzessiven sinnlichen Welt der Venus und dem System der Ordnung auf der Wartburg heraus. «Mir geht es nicht um sexuelle Expression, sondern um etwas Grundlegendes, den kompletten Verlust der Kontrolle eines Menschen über sich selbst», betont Baumgarten. Tannhäusers Rückzug aus der Form- und Grenzenlosigkeit des Venusbergs in die geordnete Welt der Wartburg bedeute, dass er sich dort in einem guten Gleichgewicht befinde.

Tagespolitische Aspekte der Oper wie etwa die sexuellen Ausschweifungen eines Dominique Strauss-Kahn klammert der Regisseur bewusst aus. «Mir geht es nicht um die Sehnsucht nach traumhafter Opulenz, sondern um große grundlegende philosophische Aspekte», betont der 42-Jährige.

Baumgarten wurde noch von Wolfgang Wagner und dessen Frau Gudrun verpflichtet. So konnte er sich über fünf Jahre hinweg mit der kontrastreichen Musik von Wagners «Tannhäuser» beschäftigen. «Ihr Reiz liegt in der Wechselwirkung von kraftvoll und feinsinnig.» Gemeinsam mit Dirigent Thomas Hengelbrock und den neuen Festspielleiterinnen Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier engagierte er die Darsteller.

Die Auswahl der Sänger ist für Baumgarten ein «absoluter Glücksfall». «Wir haben ungewöhnliche, junge und tolle Sänger», sagt er über seinen Titelhelden Lars Cleveman und Michael Nagy, der den Wolfram von Eschenbach singt. Sie geben ebenso ihr Debüt am «Grünen Hügel» wie Camilla Nylund als Elisabeth und Stephanie Friede als Venus, Günter Groissböck als Landgraf und Lothar Odinius als Walther von der Vogelweide.

Das Bühnenbild hat Baumgarten gemeinsam mit Joep van Lieshout entwickelt. Der Holländer ist bildender Künstler und Architekt zugleich. 1995 gründete er ein interdisziplinäres Künstlerkollektiv. «Die Bühne wird eine Herausforderung für das Stück, die Darsteller und die Zuschauer.» Mehr zum Thema Ästhetik will Baumgarten vor der Premiere nicht verraten.

Bis zur «Tannhäuser»-Premiere zur Eröffnung der Festspiele am 25. Juli bleiben Baumgarten und seinem Team nur noch wenige Tage. «Der Zeitdruck war für mich anfangs ein Horror», bekennt Baumgarten. «Aber alles wächst schneller zusammen, als man denkt.»

Bayreuther Festspiele

news.de/dpa

Leserkommentare (0) Jetzt Artikel kommentieren
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig