Von news.de-Redakteur Konrad Rüdiger und -Volontär Ronny Janke
Treffen der Dauerbrenner: Blondie rutschen auf ihrem neuen Album nur zwei Mal aus und das nimmermüde Alaska-Quartett Portugal The Man bettelt erneut um musikalisches Asyl.
Musik ist Musik ist Musik. Und oft eben auch ein Stück Geschichte. Blondie, die amerikanische New-Wave-Band, gehört so sehr in die 1970er und 1980er Jahre wie Schulterpolster, schrilles Make-up und grässliche Frisuren. Für ihr aktuelles Album Panic Of Girls hat sich die Alt-Popper-Garde den Produzenten Jeff Saltzman geangelt, der zuvor unter anderem den Sound der Neuzeit-Helden The Killers entscheidend mitgeprägt hat.
Frontfrau Deborah Harry ist mittlerweile stolze 66 Jahre und trotz ihres fortgeschrittenen Alters klingt dieser wasserstoffblondierte Jugendtraum alles andere als müde. Zwar kleistert Saltzmann den ohnehin typisch düster-aufgeblähten Blondie-Sound mit allerlei Effekten zu und sorgt so dafür, dass Blondie manchmal an eine krude Mischung aus Gwen Stefani und Pink erinnern, aber wirklich schlecht ist das nur selten. Songs wie D-Day, What I Heard oder Love Doesn't Frighten Me erinnern stark an das, was Blondie mal waren: Der Großteil klingt hingerotzt, schmutzig und nach ein wenig Drama.
Darüber, was Saltzman allerdings geritten hat, Blondie für den Song Sunday Smile ein ekelhaftes Reggae-Kleid zu schneidern oder das heillos nervige Wipe Off My Sweat so klingen zu lassen, als wolle er Loonas Bailando Konkurrenz machen, kann man unentwegt rätseln. Oder das elf Titel umfassende Album einfach um die beiden Ausrutscher kürzen.
Interpret: Blondie
Album: Panic Of Girls
Plattenfirma: Parlophone (EMI)
Erscheinungsdatum: bereits erschienen
Es gibt sie. Sie müssen da draußen sein. Die Kapellen, die sich mit knapper Not finanziell über Wasser halten und jeden Gig spielen, den sie kriegen können. Irgendwo in einem kleinen oder mittelgroßen Club kann man sie dann sehen, wie sie auf der Bühne nicht ganz, aber fast um ihr Leben spielen. Portugal. The Man gehören auf jeden Fall dazu, zumindest in Europa. Nach diversen Ausflügen in Punkige und Elektronische hat sie sich der Vierer aus Alaska nun dem Folk im weitesten Sinne verschrieben. Und das wirkt auf In The Mountain In The Cloud oftmals sehr bemüht nach einer eklektischen Variante der Mumford & Sons.
Auch das Songwriting übertrittt beim sechsten Album in ebenso vielen Jahren die Grenze zur Beliebigkeit spielend. Man könnte nur nörgeln, wenn man sie nicht eigentlich lieb gewonnen hätte als reisende Musikanten, die sich überall lieber herumtreiben als in einem Bundesstaat, in dem Sarah Palin Gouverneurin werden konnte. Also, Jungs, ein wenig mehr Konzentration und etwas mehr Richtung bitte. Es darf dann auch gern mal etwas länger dauern. Wir gewähren im Gegenzug auch gern musikalisches Asyl.
Interpret: Portugal. The Man
Titel: In The Mountain In The Cloud
Plattenfirma: Warner
Erscheinungsdatum: bereits erschienen