Von news.de-Volontär Ayke Süthoff
Groß kündigte das ZDF ein neues Format an: die Doku-Fiction. In einer dreiteiligen Reihe wollte das Zweite die jüngere Weltgeschichte aufarbeiten. Obwohl die Filme zur besten Sendezeit liefen, war das Zuschauerinteresse äußerst gering. Wird die Reihe nun abgesetzt?
Unter dem Titel An einem Tag in ... wollte das Zweite die Vermischung aus Spielfilm und Dokumentation im deutschen Fernsehen etablieren. Die Zuschauer dankten es dem Zweiten allerdings nicht. Schon die erste Folge über die Massenpanik bei der letztjährigen Loveparade sahen nur 1,4 Millionen. Den zweiten Teil über das Minenunglück in Chile verfolgten gestern Abend zu besten Sendezeit lediglich 810.000 Zuschauer. Zum Vergleich: Die Katzenberger-Seifenoper beim Privatsender Vox wollten zur gleichen Zeit 1,25 Millionen Zuschauer sehen.
Normalerweise schauen rund drei bis vier Millionen um diese Zeit das Zweite. Dem Format droht nun angesichts des totalen Quotendesasters das frühzeitige Aus. Schon in der vergangenen Woche bezeichnete einer der am Loveparade-Film Beteiligten gegenüber news.de die Einschaltquoten als «Desaster».
In den Filmen der Doku-Fiction-Reihe werden klassische Dokumentationen mit fiktiven Spielszenen aufgepeppt. Im Pressetext des ZDF heißt es, «die Doku-Fiction-Reihe An einem Tag in ... mischt Interviews und dokumentarische Aufnahmen mit fiktionalen Szenen, ohne den Anspruch auf Authentizität und wortwörtliche reale Dialoge zu erheben.»
An Material zur Loveparade mangelte es nicht
Im Prinzip ist die Doku-Fiction nichts Neues, vor allem bei historischen Dokumentationen sind mit Schauspielern nachgestellte Szenen gang und gäbe. Doch dort besteht eine höhere Notwendigkeit, da es oft keine originalen Filmaufnahmen gibt. Ganz anders ist das jedoch bei den aktuell im ZDF gezeigten Doku-Fiction-Produktionen. Vor allem beim Thema Loveparade 2010 gibt es reichlich Filmmaterial. Allein bei YouTube stehen mehr als 17.000 Videos - von Fernsehnachrichten bis hin zu privaten Aufnahmen von Teilnehmern.
Im gestern gezeigten Film über das Grubenunglück in Chile wurden Szenen aus der Mine nachgestellt. So sollte der Zuschauer nachvollziehen können, wie die 33 Männer 70 Tage in der Tiefe leben konnten. Angereichert wurden diese Szenen mit allerlei Interviewmaterial und Originalaufnahmen.
In zwei Wochen ist die Ausstrahlung des dritten Teils der Doku-Fiction-Reihe geplant. Unter dem Titel An einem Tag in Kunduz geht es um die Luftangriffe auf einen Tanklastzug in Afghanistan im September 2009. Winfried Oelsner, der Regisseur des Films, konnte gegenüber news.de nicht sagen, ob sein Film wie geplant ausgestrahlt wird. «Darauf hab ich keinen Einfluss», sagt er. «Aber ich wäre sehr enttäuscht, wenn er nicht gezeigt würde, weil An einem Tag in Kunduz sehr gelungen ist.»
Fortsetzung fraglich
Den Misserfolg der Reihe kann Winfried Oelsner sich nicht erklären. «Die Mischung aus Spielfilm und Dokumentation ist der Versuch, auf so einem Sendeplatz erfolgreich eine Dokumentation zu zeigen», sagt der Regisseur. Zumindest die ersten beiden Versuche dürfen nun als gescheitert angesehen werden.
Dabei konnte das ZDF mit dem Doku-Fiction-Format in der Vergangenheit bereits Erfolge feiern: 2007 lief die dreiteilige Reihe 2030 - Aufstand der Alten und erreichte im Schnitt 4 Millionen Zuschauer. Doch schon die Fortsetzung 2030 - Aufstand der Jungen im Januar 2011 erreichte mit 2 Millionen nur noch knapp die Hälfte der Zuschauer. Diesen negativen Trend für das Format Doku-Fiction bestätigte nun die aktuelle Reihe. Das ZDF äußerte sich bislang nicht über die Zukunft der Reihe.
ruk/news.de