Von den news.de-Redakteurinnen Juliane Ziegengeist und Claudia Arthen
Keine Gattung ist im deutschen TV so beliebt wie der Krimi. News.de hat alle Erstausstrahlungen des ersten Halbjahres 2011 unter die Lupe genommen und die Top Ten der erfolgreichsten Filme zusammengestellt. Haben Sie alle gesehen?
Er ist auch nach 40 Jahren noch immer spitze: Der Tatort ist im deutschen Fernsehen der Quotenrenner Nummer eins. Die am längsten laufende und beliebteste Krimireihe der Republik erreicht meist zwischen acht und neun Millionen Zuschauer und beschert dem Ersten Traummarktanteile von 25 Prozent und mehr.
Unter den erfolgreichsten Erstausstrahlungen deutscher TV-Produktionen, die news.de für das erste Halbjahr 2011 ermittelt hat, stellt der Tatort die absolute Mehrheit. Neun der zehn quotenstärksten Filme stammen aus der Tatort-Schmiede der öffentlich-rechtlichen Sender. Dabei verfolgten die Zuschauer die Ermittlungen einmal quer durch Deutschland: vom Bodensee über München, Ludwigshafen, Köln und Leipzig bis nach Berlin.
Am erfolgreichsten aber war ein Münsteraner Tatort. Die Folge Herrenabend brach mit 11,79 Millionen Zuschauern und 32,9 Prozent Marktanteil den Rekord. So viele hatten seit 1993 nicht mehr eingeschaltet. Das Ermittlerteam aus Pathologe Professor Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers) und Hauptkommissar Frank Thiel (Axel Prahl) punktet mit starken Charakteren und witzigen Dialogen. Ein Rezept, das aufgeht, und sie zum derzeit beliebtesten Krimi-Duo macht.
Die Teams vom Polizeiruf bescheren dem Ersten zwar auch gute Quoten, aber sie reichen noch nicht heran an die des «großen Krimi-Bruders». Den besten Wert im ersten Halbjahr 2011 erzielte die neue Brandenburger Paarung Maria Simon/Helmut Krause (Folge: Die verlorene Tochter) mit einer Quote von 8,22 Millionen Zuschauern und einem Marktanteil von 26,5 Prozent. Für die Top Ten hat das aber nicht gereicht.
Die news.de-Statistik unterstreicht nicht nur die Spitzenposition des Tatorts im deutschen Fernsehen, sie zeigt auch, dass die Zuschauer nichts so sehr lieben wie den TV-Krimi. Wer wollte, könnte täglich rund 19 Stunden lang Mord und Totschlag konsumieren. Das Krimi-Format verfügt damit über die mit Abstand meiste Sendezeit im fiktionalen Angebot, weit vor den zweitplatzierten Komödien und Sitcoms.
Woher rührt diese Popularität? Laut dem Medienpsychologen Jo Groebel sind es zwei zentrale Elemente, die den Krimi so faszinierend machen. Sie können grundlegender nicht sein und geraten im Krimi in Widerstreit: das Gute und das Böse.
«Weniges bedient das menschliche Grundbedürfnis nach Gerechtigkeit so stark wie ein rechtschaffener Krimi. Am Ende wird der Fall in aller Regel gelöst, das Gute siegt über das Böse, der Verbrecher muss sühnen», sagt Groebel. Eine symbolisch ins Wanken gebrachte Ordnung werde dank des konsequenten Aufklärungswillens des Ermittlers binnen 45 oder 90 Minuten wieder in Ordnung gebracht. Das Gute, der Rechtsstaat, siegt immer am Sonntag, der Tatort ist das Märchen für Erwachsene.
krc/news.de