Von news.de-Redakteurin Ines Weißbach, Kappeln
Er ist der dritte Landarzt in der gleichnamigen ZDF-Serie: Wayne Carpendale steht derzeit wieder als Dr. Jan Bergmann vor der Kamera. News.de hat ihn in Kappeln besucht und mit ihm über fotografierwütige Fans und seine neue Vaterrolle gesprochen.
Sie spielen seit vier Jahren den Landarzt. Wenn Sie unterwegs sind und jemand fragt: «Ist ein Arzt anwesend?», rufen Sie «Hier!»?
Wayne Carpendale: Nein! Ich kann noch ganz gut zwischen mir und Dr. Jan Bergmann unterscheiden. Allerdings würde ich schauen, ob ich helfen kann, was weniger etwas mit meiner Rolle und Erfahrung als «Landarzt» zu tun hat als damit, dass ich eine Sanitäterausbildung habe. Deswegen bin ich noch lange kein Arzt, aber für Erste Hilfe reicht es und zu der bin ich ja, wie jeder andere auch, verpflichtet.
Die Sanitäterausbildung haben Sie in Vorbereitung für den Landarzt gemacht. Hat sie Ihnen für die Rolle tatsächlich geholfen?
Carpendale: Ja, tagtäglich. Zum einen natürlich technisch: Oft unterhalte ich mich in meiner Rolle mit den Patienten über ihre privaten Problem und messe nebenbei zum Beispiel Blutdruck oder Blutzucker. Da ist es einfach viel realistischer, wenn ich weiß, was ich da mache und nicht nur so tue als ob. Aber auch wenn es um den psychologischen Umgang mit Patienten geht, hat mir die Ausbildung geholfen. Der Arzt muss in seiner Praxis ja oft Grenzen überschreiten, die fremde Menschen im Alltag nicht überschreiten würden. Bei seiner Anamnese stellt er Fragen, die manchmal sehr privat sind und untersucht die Patienten natürlich auch körperlich. Da fällt dann oft diese natürliche und soziale Hürde «mein Tanzbereich, dein Tanzbereich».
Sie haben scheinbar eine richtige Faszination für den Arztberuf entwickelt.
Carpendale: Vor allem die Erste-Hilfe-Medizin finde ich wahnsinnig spannend, weil es darum geht, einen Menschen in einer Notsituation möglichst schnell zu stabilisieren. Man wundert sich da oft, mit wie wenig man schon viel und schnell helfen kann. Man sieht also die Folgen seines Tuns meistens sofort. Bei einem Allgemeinmediziner wiederum geht es um andere Dinge. Seine Patienten sind meist nicht in akuter Lebensgefahr. Die Patienten kommen mit einem medizinischen Problem zu ihm, er verordnet eine Therapie und begleitet die Patienten, bis diese hoffentlich wieder gesund sind. Das finde ich nicht weniger spannend, aber dafür muss man, glaube ich, sehr geduldig sein. Und das bin ich leider nicht.
Werden Sie als Landarzt-Darsteller mit der Diskussion um den Landarztmangel in Deutschland konfrontiert?
Carpendale: Es ist schon etwas befremdlich, wenn ich nichtsahnend in seriösen Zeitungen auf der Politikseite mein Gesicht sehe und drunter steht sowas wie: «Immer weniger Landärzte in Deutschland». Aber meine Meinung zu dem Thema ist eher selten gefragt, was auch gut so ist.
Sie geben dem Landarzt eben ein Gesicht. Die Serie gibt es mittlerweile seit 25 Jahren. Was ist das Erfolgsgeheimnis?
Carpendale: Ich denke, bei 25 Jahren sind Worte wie «Tradition» und «Nachhaltigkeit» nicht zu hoch gegriffen. Viele Zuschauer hat die Serie zweieinhalb Jahrzehnte lang begleitet, sie gehört zu ihrem wöchentlichen Freitagabend. Das liegt zum Beispiel an meinen beiden Vorgängern Christian Quadflieg und Walter Plathe, die mit ihrem charismatischen Spiel der Serie eine Seele gegeben haben.
Dass über die Jahre immer wieder neue Zuschauer hinzugekommen sind, liegt aber auch an vielen Kreativen hinter der Kamera. Sie haben unterhaltsame Geschichten entwickelt, die immer modern waren, aber eben nicht diese Tradition des Landarztes verraten haben. So auch mein Einstieg in die Serie. Klar erzählen wir mit einem Arzt am Anfang seiner Karriere andere Geschichten als mit seinem Vorgänger, aber inhaltlich ist es immer noch unverkennbar Der Landarzt. Und wenn die Quoten ein Maß sind, scheinen die uns Recht zu geben.
Und die Fans, die zum Set pilgern, geben der Serie auch Recht. Gerade stehen wieder viele vorm Zaun und fotografieren, was das Zeug hält. Ist das immer so?
Carpendale: An relativ normalen Tagen fahren zwei oder drei Busse vor. Hin und wieder schreibe ich auch Autogramme, aber nicht immer. Wir arbeiten ja hier und müssen jeden Tag ein ziemlich intensives Programm abdrehen. Gerade wenn man draußen dreht und 30 oder 40 Zuschauer vor dem Zaun stehen, muss man sehr aufpassen, dass man konzentriert bleibt.
Interessieren Sie sich für amerikanische Arztserien?
Carpendale: Ja klar, Emergency Room fand ich von Anfang an sehr spannend - übrigens waren gerade die in ihren medizinischen Handgriffen immer sehr professionell und korrekt. Dr. House wiederum ist inhaltlich medizinisch so kompliziert, dass selbst erfahrene Ärzte da manchmal nachschlagen müssen, um alles zu verstehen was die da erzählen. Aber auch die Serien, in denen es mehr ums Private hinter dem Arzt geht, gucke ich gern, zum Beispiel Grey's Anatomy.
Gucken Sie sich bei denen was ab?
Carpendale: Vor allem bin ich erstmal beruhigt, wenn ich sehe, dass auch bei Dr. House die Reanimationsszenen nicht immer absolut realistisch aussehen. Aber natürlich schau ich mir genau an, wie andere Schauspieler ihre Rolle als Arzt angehen. Und manchmal versuche ich daraus dann auch was für mich zu entwickeln.
Sie wohnen eigentlich in München, verbringen aber die Hälfte des Jahres für den Landarzt auf dem Dorf an der Ostsee. War das ein Kulturschock?
Carpendale: Nein, im Gegenteil. Der Norden zieht mich immer wieder an. Auch weil mein bester Freund, mit dem ich sieben Jahre zusammen gewohnt habe, aus Kiel kommt. Außerdem hatte ich ja auch schon des Öfteren beruflich in Schleswig-Holstein zu tun. Ich habe mehrere Monate in Bad Segeberg bei den Karl-May-Spielen gespielt oder auch für die Küstenwache gedreht. Und außerdem ist meine Mutter in Hamburg geboren
Aber viel los ist in Kappeln nicht gerade.
Carpendale: Ich komme hier meistens erschöpft nach Hause, bereite mich auf den nächsten Tag vor, mache noch ein bisschen Sport, schlafe und komme dann wieder zum Set. Mit dem Team mache ich abends hin und wieder was. Und am Wochenende bin ich meistens unterwegs oder in München. Bei mir ist also auch hier oben 'ne ganze Menge los.
Wie gefällt Ihnen eigentlich die neue Vaterrolle von Dr. Jan Bergmann?
Carpendale: Es ist sehr spannend, mit einem Baby zu drehen. Wir proben natürlich mit einem Dummy. Wenn der dann zum Beispiel die ganze Szene lang auf der Brust der Mutter schläft, während man sich unterhält, vergisst man total, dass das richtige Baby vielleicht beim Dreh gar keinen Bock hat, auf der Brust der Mutter zu liegen. Zumal es auch nicht die richtige Mutter ist. Wenn es rumschreit ohne Ende, kannst du Dialoge wie «Mensch, guck mal, wie süß die Kleine schläft», in die Tonne knallen. Aber das Spontane, Unerwartete ist auch das, was Spaß macht bei solchen Szenen.
Haben Sie schon was gelernt für die eigenen Kinder später?
Carpendale: Ich könnte unserem Baby hier stundenlang einfach nur zuschauen. Wenn es lächelt, wenn es neue Dinge entdeckt, wenn es Dich das erste Mal fokussiert oder wenn es schreit, dann die Flasche bekommt und sich beruhigt. Windeln gewechselt habe ich allerdings noch nicht.
Die ZDF-Serie Der Landarzt feiert in diesem Jahr 25. Geburtstag. Im April 1986 fiel die erste Klappe, inzwischen praktiziert mit Wayne Carpendale der dritte Doktor, und in der Jubiläumsstaffel gibt es sogar ein Landarztbaby. Die 21. Staffel wird derzeit gedreht; Sendetermin ist im Herbst 2012. Wer sich bis dahin nicht gedulden kann, schaltet freitags um 19.25 Uhr das ZDF ein - dort läuft die Wiederholung der 18. Staffel.
car/news.de