Von Jill Lawless und Meera Selva
Die Website der Boulevardzeitung The Sun wurde attackiert. Bekannt hat sich die Hackergruppe Lulz Sec. Unterdessen hat der Medienskandal um News of the World einen Toten - den Journalisten Sean Hoare. Er hatte den Ex-Chefredakteur schwer belastet.
Hacker haben am Montagabend ein Blatt des umstrittenen Medienunternehmers Murdoch ins Visier genommen. Die Organisation Lulz Security verschaffte sich am späten Abend offenbar Zugang zur Internetseite der britischen Boulevardzeitung The Sun und manipulierte die Inhalte.
Besucher der Website wurden automatisch zu einem Artikel über den angeblichen Tod Murdochs weitergeleitet. Die Leiche des Sun-Verlegers sei in seinem Garten gefunden worden, hieß es in dem Beitrag. Später wurden Besucher von The Sun auf die Twitterseite von Lulz Security weitergeleitet.
Dort bekannte sich die Gruppe zu dem Hackerangriff und bezeichnete ihn als erfolgreichen Teil des Murdoch Meltdown Monday (dt.: Murdochs Montag des Niedergangs). «Wir haben es Sun/News of the World gezeigt», schrieben die Hacker auf Twitter. Bei dem Angriff habe man auch interne Personaldaten von The Sun entwendet, teilte Lulz Security mit.
Die Hackergruppe hatte in der Vergangenheit bereits die Verantwortung für Angriffe auf die Internetseiten von Unternehmen, Partnerorganisationen der US-Bundespolizei FBI und des Auslandsgeheimdienstes CIA übernommen.
Enthüllungsjournalist tot aufgefunden
Der Medienskandal um News of the World hat unterdessen einen ersten Toten. Sean Hoare hatte den einstigen Chefredakteur der Zeitung und früheren Kommunikationschef von Premierminister David Cameron, Andy Coulson, belastet. Hoare war von der New York Times mit den Worten zitiert worden, das Abhören von Telefonen sei bei der News of the World zu Zeiten Coulsons eine weitverbreitete Methode gewesen und die Journalisten seien dazu sogar ermutigt worden. Der Reporter wurde in seinem Haus tot aufgefunden. Sein Tod werde nicht als verdächtig eingestuft, erklärte die Polizei laut der britischen Inlandsnachrichtenagentur PA.
Im Zusammenhang mit dem Hacking- und Bestechungsskandal traten binnen 24 Stunden auch der Londoner Polizeichef Paul Stephenson und sein Stellvertreter John Yates zurück.
Der stellvertretende Londoner Polizeichef Yates hatte vor zwei Jahren entschieden, die Ermittlungen zu den Vorwürfen gegen die News of the World nicht wieder aufzunehmen. Nach Angaben der Polizei-Aufsichtsbehörde wurden mittlerweile Vorwürfe gegen vier ehemalige ranghohe Londoner Beamte erhoben, darunter Ex-Polizeichef Stephenson und Yates. Rebekah Brooks, einst eine der mächtigsten Frauen Großbritanniens, verlor ihren Posten als Chefin der britischen Zeitungssparte des Medienimperiums von Rupert Murdoch und wurde festgenommen.
Murdoch und Brooks vor Parlamentsausschuss
Premierminister David Cameron verkürzte seine Afrikareise am Montag weiter und forderte vom Parlament zudem einen Aufschub der Sommerpause und eine zusätzliche Sitzung am Mittwoch. Die Sommerpause der Abgeordneten sollte eigentlich am Dienstag beginnen - nach einer mit Spannung erwarteten und öffentlich übertragenen Befragung Murdochs, seines Sohnes James und Brooks' im Parlament.
Oppositionsführer Ed Miliband sagte, Cameron habe «eine ganze Reihe von Fragen» zu seiner Beziehung zu Brooks, James Murdoch und seinem früheren Kommunikationschef Coulson zu beantworten. Coulson gab seinen Job bei Cameron im Januar auf und ist eine von zehn Personen, die im Zusammenhang mit dem Abhör- und Bestechungsskandal mittlerweile festgenommen wurden.
cvd/news.de/dapd