Von news.de-Volontär Ayke Süthoff
Ich weiß, was du letzten Freitag getan hast heißt eine neue Show bei RTL2. Hypnotisierte Menschen tun darin Dinge, die ihnen nachher äußerst peinlich sind. Das erste Opfer dieser Show hieß Ursula. Sie hat viel erlebt, ohne es zu wissen.
Jörg Draeger ist als Moderator ein Star der 1990er, damals präsentierte er die Gameshow Geh auf's Ganze, aus der heute nur noch der Zonk! hängengeblieben ist, der Trostpreis. Es ist ein wenig komisch, dass dieses Ebenbild der 1990er im Jahr 2011 bei RTL2 eine neue Show moderiert. Noch dazu hat er sich kaum verändert, außer ein paar Falten vielleicht. Frisur und Schnauzbart jedenfalls sind gleich geblieben in all den Jahren. Ich weiß, was du letzten Freitag getan hast ist allerdings neu, zumindest im deutschen Fernsehen. Als eine Mischung aus Quiz, Reality-TV und Familienshow wurde die Sendung angekündigt, die schon erfolgreich in den Niederlanden und Belgien lief.
Letzteres ist schon mal ein gutes Zeichen: Wie die deutschen Zuschauer spätestens seit Traumhochzeit und Big Brother wissen, kommen aus Holland regelmäßig phänomenal innovative und spannende Fernsehformate. Und so ist die Spannung natürlich vor dieser Premiere hoch. Noch jemand kommt bei Ich weiß, was du letzten Freitag gemacht hast aus Holland, nämlich Hypnotherapeut und Mentalcoach Jos Claus.
«Der Star und super-niederländische Hypnotiseur Jos Claus», preist Draeger diesen an, als wäre seine Herkunft für dieses Format wichtiger als sein Beruf: super-niederländisch, wow. Ursula, von Claus liebevoll Uschi genannt, kriegt das alles gar nicht mit. Sie liegt mitten auf der Bühne in einem Bett, ratzt tief und fest, in einem Zustand irgendwo «zwischen Schlaf und Koma», wie Jos Claus sagt. Nur mit einem Mittel kann sie geweckt werden - dem Klingeln eines Weckers. Nochmal: wow. Wenn das mal nicht revolutionär ist.
Auf nach Butzbach!
Wie funktioniert nun die Show? Erstmal klingelt der Wecker. Ursula erwacht aus ihrem komatösen Zustand und setzte sich auf den Kandidatenstuhl. Nun werden ihr, ihrer anwesenden Familie und den Zuschauern Videos vom letzten Freitag gezeigt. Man ahnt, das könnte peinlich werden. Ursula darf die Videoshow jederzeit abbrechen, doch nur wenn fünf Videos komplett gezeigt werden, gewinnt sie für sich und fünf Familienmitglieder eine Reise nach Miami. Außerdem werden ihr Fragen gestellt zu ihrem Verhalten in Hypnose. Weiß sie die richtige Antwort, gibt es 100 Euro für die Urlaubskasse.
Uschi wohnt in Butzbach, Hessen. Dorthin hat sich Jos Claus begeben und Uschi noch an der Tür hypnotisiert. Sie kann sich noch erinnern, wie sie ihm die Tür öffnete, was danach geschah, ist weg. «Es ist unglaublich», sagt Ursula, als sie die Videoaufnahmen sieht und sie hat Recht: Man kann sich nicht vorstellen, wie die Hypnose funktioniert. Soll das wirklich echt sein? Zweifelhaft. Aber auszuschließen ist es nicht. Genau davon lebt die Show.
Im ersten Video flüstert Jos Claus Uschi zu, sie sei Königin Beatrix. Sie setzt sich ein Nudelsieb als Krone auf, hängt sich ein Trockentuch als Nerz um und wedelt mit ihrem Zepter in Schneebesenoptik. Sie kommandiert ihren Mann herrisch durch das Haus und setzt sich vor Besuchern auf ihren Thron: das Klo.
Lecker Mayo und «delfinisch»
Im nächsten Filmchen sitzt sie in der örtlichen Pommesbude und mampft ein Schüsselchen Mayonaise. Sie glaubt allerdings, bei Alfons Schuhbeck Créme Brulée zu schnabulieren. Lecker, lecker. Im Studio wird Uschis Gesichtsfarbe immer roter, aber sie gewinnt Flugtickets für die Familie und vermehrt eifrig die Urlaubskasse.
Nächster Film: Ursula wird eingebläut, sie sei eine berühmte Schauspiel-Diva. Zum Dank beschimpft sie auf dem Set von Unter Uns den Regisseur als dilettantisch und verlässt polternd das Studio, weil sie angeblich für eine Gastrolle gebucht wurde. Dann verweigert sie dem Schauspieler Kai Noll einen Kuss, weil er angeblich «nicht mit Herz» spiele. Lustig, aber auch bescheuert.
In Video Nummer vier verhält sie sich wie eine Fünfjährige. Spätestens hier werden die Filmchen wirklich unglaubwürdig: Die etwa 50-jährige Frau springt mit Förmchen und Schüppe durch den Sandkasten - irre. Ob sich RTL2 wirklich leistet, die gesamte Show zu faken? Schwer zu glauben. Aber die Hypnose-Geschichte ist genauso schwer zu glauben. Egal, lustig sind die Filmchen auf jeden Fall. Und das vor allem, weil Uschi sich so zum Affen macht - ob nun tatsächlich im Hypnosezustand oder nur für die Kamera und den Miami-Urlaub.
Zum Höhepunkt der Sendung hüpft Uschi durchs kleinstädtische Hallenbad und schiebt mit der Nase Bälle durchs Wasser. Sie spricht «delfinisch» und zwängt sich zuletzt sogar schwimmend durch einen Reifen, weil sie glaubt, sie sein ein Delfin in Florida. Gott, ist das albern. Dafür fliegt Uschi nun mit der gesamten Familie und 500 Euro Reisekasse nach Miami, zu den echten Delfinen. Dafür hat sich die Albernheit doch gelohnt.
Bestes Zitat: «Hypnose ist Sauna für die Seele», meint Hypnotiseur Jos Claus.
ruk/news.de