So., 27.05.12

«Maybrit Illner» 15.07.2011 «Amerika hätte es nie in den Euro geschafft»

Maybrit Illner (Foto)
Maybrit Illner diskutierte über die Kreditwürdigkeit Amerikas. Bild: ZDF

Von news.de-Mitarbeiter Armin Peter

Euro-Krise mal ganz locker: Illners Gäste haben über den Zustand der maladen Währung geplaudert. Erleichterung schaffte vor allem der Blick über den Atlantik: Man tröstete sich damit, dass auch in den USA der Dachstuhl brennt.

Die 15 Talkshowkönige

Eigentlich sollte er längst tot sein: Beinahe im Wochentakt ertönen dramatische Abgesänge auf den Euro aus den Talkstudios - und das seit über einem Jahr. Trotzdem ist die Gemeinschaftswährung stabil wie selten. Die Freude darüber bleibt allerdings verhalten, denn die Stärke des Euro ist vor allem auf den schwächelnden US-Dollar zurückzuführen. Wenn Präsident Barack Obama der republikanischen Opposition nicht bis Anfang August eine Anhebung der Schuldengrenze aus dem Kreuz leiert, droht auch auf der anderen Seite des Atlantiks eine Staatspleite. Die Ratingagenturen drohen schon mit dem Verlust der Bestnote.

Krisensitzung mit Galgenhumor

Auch deshalb wehte ein gewisser Galgenhumor durch Illners Runde: Wie schön, dass es anderen noch schlechter geht als uns. In ihrer letzten Sendung vor der Sommerpause hatte die Moderatorin ein gemütliches Grüppchen von Wirtschaftsexperten vor die Kamera gebeten, um dem Euro ein weiteres Mal auf den Zahn zu fühlen. «Flächenbrand in Euro-Land - wer rettet unser Geld?» - so poetisch kann eine TV-Krisensitzung wohl nur im Land der Dichter und Denker betitelt werden.

Und auch die Gäste hatten einige Überraschungen parat. Börsenexperte Frank Lehmann outete sich als Marktversteher und enthüllte in kumpelhafter Schnoddrigkeit das Geheimnis der vielgescholtenen Institution: «Das sind keine Spekulanten, sondern stinknormale Anleger, die ihr Geld solide anlegen wollen.» Gleichzeitig musste Lehmann aber einräumen, dass die Märkte «jedes Land zerfleddern», wenn Zweifel an dessen Kreditwürdigkeit bestehen.

Von einer Instabilität des Euro wollte trotzdem niemand etwas wissen. Lieber weidete sich die Runde daran, dass es um den Dollar noch schlechter bestellt ist. «Amerika hätte es nie in den Euro geschafft», verriet Finanzjournalistin Silvia Wadhwa mit Kennermiene. Manchmal kann ein Blick in die Ferne das eigene Elend in milderem Licht erscheinen lassen.

Dennoch ist guter Rat teuer, denn selbst wenn der Euro stabil sein mag, bleibt das Problem der ausufernden Staatsverschuldung. Hans-Werner Sinn sorgte sich deshalb vor allem um künftige Generationen: «Die Euro-Rettungspakete sind eine Hypothek auf die Zukunft - und man darf davon ausgehen, dass sie auch eingelöst wird», unkte der Präsident des ifo-Institutes. Sein Gegenvorschlag: Das Geld knapp halten und einen höheren Selbstbehalt der Anleger einfordern.

Sinns Zauberformel: «Helfen mit Augenmaß»

«Helfen mit Augenmaß», lautete Sinns Zauberformel, für die er nicht nur aus dem Publikum regen Beifall einheimste: Alexander Graf Lambsdorff, FDP-Vorsitzender im Europaparlament sprang auf den Zug auf und kündigte mit Nachdruck eine «Rückkehr zur Solidität an». Noch vor der Sommerpause müsse «ein Stabilitätspakt mit Zähnen» verabschiedet werden, versprach der Europapolitiker.

Wolfram Weimer ging all das nicht weit genug. Der FOCUS-Chefredakteur geißelte die westlichen Staaten als «Schuldenalkoholiker» und pochte auf ein generelles Umdenken: Sämtliche Staatshaushalte müssten schnellstmöglich ausgeglichen werden.

Italien versucht das derzeit im Eiltempo: Nachdem kürzlich auch die italienische Zahlungsfähigkeit ins Gerede gekommen ist, hat das Parlament binnen einer Woche ein beispielloses Sparpaket von 80 Milliarden durchgepeitscht.

Merkel scheucht Berlusconi

«Das wird vor allem dem kleinen Mann wehtun», seufzte Siegfried Brugger. Trotzdem hatte der Fraktionsvorsitzende der Südtiroler Volkspartei warme Worte für Angela Merkel übrig: «Ein Anruf in Rom war nötig und Berlusconi hat sofort verstanden», staunte der Oppositionspolitiker. Maybrit Illner wollte es kaum glauben.

Dass allerdings wieder einmal die Steuerzahler zur Kasse gebeten werden, stieß Hans-Werner Sinn sauer auf: «Immer wenn die Beteiligungsfrage aufkommt, wird sie falsch herum gestellt», zürnte der ifo-Chef. Auch Wadhwa nahm kein Blatt vor den Mund: «Seit drei Jahren machen wir uns was vor und retten Banken, nicht Staaten.»
Alternativen dazu gibt es allerdings noch nicht - die Finanzminister der Euro-Staaten ringen verzweifelt um ein gemeinsames Stabilitätssignal an die Märkte. Lehmann kalauerte, man müsse die Finanzminister schlicht «so lange in einem Raum brutzeln lassen, bis weißer Rauch aufsteigt.»

Da ein solches Konklave aber eher unwahrscheinlich ist, muss der Steuerzahler erstmal weiter Euro-Feuerwehr spielen. Für alle TV-Spekulanten fällt dagegen vorübergehend der Vorhang: Maybrit Illner meldet sich erst am 8. September aus der Sommerpause zurück - der Euro dürfte auch das überleben.

An dieser Stelle gibt es die Sendung noch einmal in voller Länge zu sehen.

Bestes Zitat: «Lieber alle paar Jahre eine Krise finanzieren, als einen Krieg führen.»
FOCUS-Chefredakteur Wolfram Weimer

 

cvd/news.de
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