Bis sein Reich zusammenbrach, konnte sich Leo Kirch vor ökonomischen Ehrentiteln nicht retten. Mal war er der «Medienmogul», dann wieder der «Patriarch» oder aber ein «Tycoon». Tatsächlich hat Kirch die Medienlandschaft in Deutschland geprägt wie kein zweiter.
Kirchs Geschichte begann im Jahr 1954. Damals kaufte er den Streifen La Strada ein. Wer ihn zeigen wollte, und das konnte damals nur die ARD sein, musste Kirch eine Lizenz abkaufen. Diese Abhängigkeit war neu. Bis dahin kauften Sender ihre Filme direkt bei den Produzenten ein. Denen aber kam ein Zwischenhändler äußerst gelegen, nahm er ihnen doch bürokratische Arbeit ab. Kirch nutzte diese Chance.
Dieses Prozedere weitete Kirch konsequent aus: Als das Privatfernsehen in den 1980ern startete und es galt, neue Sendeflächen zu füllen, wurde der Unternehmer Kirch reich. Kartellähnlich hielt er die Fäden für deutschen Lizenzen an begehrten Produktionen aus den USA in der Hand. Zeitweise führte für hiesige Sender nur noch ein Weg nach Hollywood: der über den Rechtehändler Kirch.
Das Imperium wuchs und mit ihm der Umsatz und die Möglichkeit, viele Kredite aufzunehmen. Das Geld steckte Kirch relativ flott in eigene Medienhäuser. Sein Imperium umfasste zeitweise die Kanäle ProSieben, Sat.1 und dazu Kabel Eins, das wiederum schlicht Kirchs Filmarchiv rauf und runter spielte. Mit N24 startete Kirch zudem einen Nachrichtenkanal.
Ein einmaliges Medienimperium in Deutschland
Auch das Deutsche Sport-Fernsehen (DSF, heute Sport1) zählte in der Hochphase zu Kirchs Einzugsgebiet. Zudem steckte er sein Geld in den Medienkonzern Axel Springer (Bild, Welt). Das waren Anteile an einem Großverlag, die ihn zu weit mehr machten als zu irgendeinem TV-Mann. Kirch schuf eine Mediengruppe, wie es sie nie wieder in Deutschland geben sollte.
Vor allem aber investierte Kirch Media ins Bezahlfernsehen. Kirch war begeistert von den Erfolgen in Großbritannien, Frankreich und Italien. Dort zeigten andere wie der jüngst in die Schlagzeilen geratene Rupert Murdoch, dass Zuschauer sehr wohl bereit sind, für sehr exklusive Programme auch tief in die Taschen zu greifen.
Kirch aber stieß bei seinem Versuch, das Konzept zu kopieren, erstmals an seine Grenzen. Er unterschätzte, dass der deutsche Fernsehmarkt anders tickte als andernorts.
Scheitern am Bezahlfernsehen
Deutschland ist nicht nur der größte TV-Markt in Europa, sondern das Land mit den meisten frei empfangbaren Sendern in der EU. So warb Kirchs Pay-TV-Kanal Premiere am Ende mit Exklusivrechten für die Fußball-Bundesliga für sich, die kaum einer haben wollte. Viele Fans blieben bei der Alternative: der ARD-Sportschau. Kirch griff auf diese Weise erstmals daneben. Seine Kirch Media meldete 2002 schließlich Insolvenz an. Das Reich Leo Kirchs, der stark erblindet und zuckerkrank war, zerfiel. Was zurückblieb, das waren offene Verbindlichkeiten von knapp sieben Milliarden Euro.
Premiere heißt heute Sky und gehört im Wesentlichen Rupert Murdoch - jenem Mann, dem es Kirch gleichtun wollte. Während das deutsche Pay-TV nach Kirchs Pleite lange weiter kurz vor dem Bankrott stand, weil sich kaum einer ein Abonnement zulegen wollte, ging es mit Sky zuletzt sogar bergauf: Die Abonnentenzahlen steigen langsam. Gut möglich, dass Kirchs Traum also einmal tatsächlich wahr wird und sich in Deutschland Bezahlmodelle für TV-Filme und Sportereignisse durchsetzen.
rut/ruk/news.de/dapd