Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen
Vorsicht, Nebenwirkungen: Wer heute Abend bei Pro7 den US-Streifen Cloverfield schaut, könnte mit Schwindel, Kopfschmerzen und Übelkeit reagieren. News.de erklärt warum - und was Zuschauer dagegen tun können.
Cloverfield sorgte im Vorfeld für wilde Spekulationen: Denn sowohl der Plot als auch die Hauptdarsteller des Monsterspektakels wurden bis zum Schluss geheim gehalten. Nur winzige Details wurden verraten und damit wilde Vermutungen und Gerüchte im Netz entfacht. Mit Erfolg: 41 Millionen Dollar spielte der Film bereits am Startwochenende ein. Pro7 zeigt den Streifen jetzt noch einmal in der Wiederholung.
Wurde der Film diesem Hype gerecht? Die Kritiker waren sich uneinig, als der Film im Januar 2008 in den US-Kinos anlief. Die einen lobten «die Spezialeffekte» (Variety) und «die klaustrophobische Intensität des Films» (Hollywood Reporter). Die anderen kritisierten die Anspielungen auf den 11. September 2001 und nannten den Film «billig und opportunistisch» (LA Weekly).
Chaotische Schwenks und Filmrisse
Wer ihn anschaut, erlebt auf jeden Fall eine clever getrickste Achterbahnfahrt und sollte einen halbwegs stabilen Magen haben. Denn auf den Zuschauer warten 85 Minuten Wackel-Kamera mit chaotischen Schwenks, Filmrissen und unscharfen Bildern. Schon die ersten 20 Minuten sind durchgehend aus der Camcorder-Perspektive gedreht: Die Bilder zeigen eine feuchtfröhliche Party, auf der sich New Yorker Yuppies schnatternd vergnügen. Dann rumst es plötzlich und der Kopf der Freiheitsstatue kullert durch die Gegend. Eine zerstörerische Macht fällt vom Hafen aus über Big Apple her. Die Brooklyn Bridge kracht zusammen, der Strom fällt aus. Und während sich immer mehr Panik breit macht, hält einer der Partygäste unermüdlich die Kamera hoch. Selbst im größten Grauen, das noch folgt.
Die dokumentarische Handkamera-Perspektive des Thrillers erinnert stark an Blair Witch Project (1998). Doch während die vermeintliche Horror-Doku das Low-Budget-Projekt von Studenten war, steht hinter der Produktion von Cloverfield das Film-Genie J.J. Abrams. Der Produzent dürfte Pro7-Zuschauern nicht unbekannt sein: Er steht hinter Projekten wie Lost und Fringe.
Mit Cloverfield hat Abrams auch deswegen Filmgeschichte geschrieben, weil so mancher Zuschauer mit den typischen Symptomen der Reisekrankheit aus dem Kinosaal kam: Blässe, Schwindel, Kopfschmerz, Übelkeit und Erbrechen. Die Kinobetreiber sahen sich sogar gezwungen, das Publikum mit deutlichen Hinweisschildern vor den Schleuderbildern aus der Handkamera zu warnen.
Fencheltee statt Chips und Bier
Dass Zuschauer im Kinosaal mit unliebsamen «Nebenwirkungen» zu kämpfen haben, kommt anscheinend immer öfter vor. Besonders, seit es das dreidimensionale Kinovergnügen gibt. Anfang des Jahres berichtete die US-amerikanische Augenoptikervereinigung, dass fast jeder vierte Zuschauer Probleme während oder nach dem Anschauen von 3D-Filmen habe. Übelkeit, verminderte Sehfähigkeit und Kopfschmerzen seien die häufigsten genannten negativen Begleiterscheinungen.
In speziellen Fällen muss wohl ausdrücklich vor einem Kinogang gewarnt werden. In Taiwan gab es sogar einen Todesfall: Ein 42-jähriger Mann sei an einer Hirnblutung gestorben, nachdem er sich den 3D-Film Avatar im Kino angesehen habe, schrieb die Zeitung China Times. Allerdings habe der 42-Jährige unter hohem Blutdruck gelitten, die Hirnblutung sei keine direkte Folge des 3D-Erlebnisses, sondern wohl mit übermäßiger Aufregung erklärbar.
Cloverfield ist ebenfalls nichts für schwache Nerven. Wer sich dem Monsterhorror trotzdem aussetzen möchte, sollte statt Chips und Bier besser Zwieback und Fencheltee bereithalten.
Titel: Cloverfield
Regie: Matt Reeves
Darsteller: Michael Stahl-David, Odette Yustman, Jessica Lucas und andere
Sendetermin: Freitag, 15. Juli 2011, 20.15 Uhr, Pro7
Im Japanischen Meer um Fukushima bald Realität? Die enorme Verstrahlung wird nicht ohne Folgen für die Natur und die Menschheit bleiben. Der Prozess hat längst begonnen, nur die Öffentlichkeit wird wieder mal im Unklaren gelassen, nicht informiert und für dumm verkauft.
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