Von news.de-Volontär Ayke Süthoff
Erstmals übertrugen ARD und ZDF alle Spiele einer Frauen-Weltmeisterschaft live. Am Sonntag steht das Finale zwischen Japan und der USA an. Für die deutsche Mannschaft war die WM kein Sommermärchen, für die Fernsehsender schon. News.de zieht Bilanz.
Die Experten
Was durfte die ARD an Kritik einstecken, nachdem Ex-Schwimmerin Franziska van Almsick im ersten Spiel der Weltmeisterschaft als Expertin hinhalten musste. Eigentlich hatte sich das Erste damit von Anfang an diskreditiert. Dass auch noch Moderator Michael Antwerpes sagte «Fußball-WM der Frauen ist, wenn man trotzdem Spaß hat», schlug dem Fass den Boden aus.
Allerdings konnte das ZDF diese Unfähigkeiten kontern: Die ehemalige Torfrau Silke Rottenberg schrie auf Moderator Sven Voss ein wie seinerzeit auf die Abwehrreihen vor ihr. Da hatte ihr wohl niemand erklärt, wozu das Mikro in ihrer Hand gut war. «Frau Rottenberg hatte keine Fernseh-Erfahrung, die musste das in der Praxis lernen», gibt ZDF-Sportchef Andreas Lauterbach gegenüber news.de zu. Das Zusammenspiel mit Sven Voss sei aber sehr gut gewesen.
Voss seinerseits bestach nicht nur durch smarte Optik, sondern auch durch haarsträubend peinliche Fragen. Das war so nicht zu erwarten, Voss gilt als der kommende Mann in der ZDF-Sportredaktion und wird demnächst das Aktuelle Sportstudio moderieren. Bis dahin sollte er etwas an seinen Fragen arbeiten.
Vielleicht schaut er sich nochmal die Aufzeichnungen der ARD an. Denn nach Franziska van Almsick durften nur noch Claus Lufen und Nia Künzer ran. Und Künzer machte alles richtig. Sie hat nicht nur wirklich Ahnung von Fußball, sondern sie bringt diese gegenüber dem Zuschauer auch rüber. Selbst wenn man ihr den mitunter zu gut gelaunten Claus Lufen an die Seite stellt.
Die Kommentatoren
Bei den Kommentatoren gab es zur Frauen-WM eine kleine Revolution im deutschen Fernsehen: mit Claudia Neumann moderierte erstmals eine Frau. Das ZDF ging diesen mutigen Schritt, traute seiner Kommentatorin aber zunächst nur das eher uninteressante Vorrundenspiel zwischen Kolumbien und Schweden zu. Neumann begann nervös, bellte ins Mikro wie Rapper DMX und machte den Machospruch «Das ist weit - für 'ne Frau».
Doch nach wenigen Minuten fing sich Claudia Neumann und wurde in der Folge zu einer echten Bereicherung für die WM. Das findet auch Andreas Lauterbach vom ZDF: «Wir sind mit Claudia Neumann ein Risiko eingegangen, aber sie kann Fußball live kommentieren. Das hat sie bei der WM gezeigt.»
Die bekannten Kommentatoren aus dem Männerbereich kamen da kaum mit: ZDF-Kollege Norbert Galeske verhaspelte sich regelmäßig bei den Namen der Spielerinnen und blieb sonst unauffällig. Bernd Schmelzer sah in der ARD ein ums andere Mal mehr Spannung als die Zuschauer, brachte auf die Art aber viel Emotionalität rein. ARD-Kollege Tom Bartels kommentierte wie immer im Bereich des solide-langweiligen.
Die Quoten
Dreimal errangen die deutschen Damen bei der WM Rekordquoten. Schon das Eröffnungsspiel im Ersten wollten mehr als 14,4 Millionen Deutsche sehen. Bis dahin lag der Rekord noch beim WM-Finale 2003 mit 13,58 Millionen Zuschauern. Doch die neue Rekordmarke sollte schon vier Tage später Geschichte sein, das Gruppenspiel gegen Nigeria sahen 16,4 Millionen Zuschauer. Wieder im Ersten. Damit konnte die ARD zwei Quotenrekorde einfahren.
Das ZDF übernahm danach das Spiel Deutschland gegen Frankreich und erreichte mit 16,2 Millionen etwas weniger Zuschauer. Dafür wollten das Viertelfinale und damit die bittere Niederlage der Deutschen fast 17 Millionen sehen. Dieser Frauenfußball-Rekord wird dem ZDF auf Jahre nicht mehr zu nehmen sein. Denn in einem sind sich alle Verantwortlichen bei ZDF und ARD einig: die WM war quotentechnisch eine Ausnahme.
Die Zukunft
Die Gerüchte entstanden beinahe zwangsläufig, wurden aber auch schnell wieder dementiert: Nein, die Sportschau wird keine Spielzusammenfassungen der Frauenbundesliga zeigen. Dafür sollen Spiele der deutschen Frauen-Nationalmannschaft in Zukunft zu besseren Sendezeiten angepfiffen werden.
In diesem Jahr werden noch drei bis vier Spiele der Nationalmannschaft angepfiffen, zu sehen bei ARD und ZDF. Die Frauen-Bundesliga wird wohl kaum so prominent gezeigt. Andreas Lauterbach aus der ZDF-Sportredaktion warnt davor, Nationalmannschaftsspiele und Bundesliga-Alltag in einen Topf zu werfen. Der Zuschauerschnitt in der Frauen-Bundesliga läge bei 800 bis 1000, die Plätze sähen teilweise aus wie in der Bezirksklasse. «Kleine Stadien, wenig Zuschauer - diese Optik genügt den deutschen Sehgewohnheit nicht», sagt Lauterbach.
Dem stimmen die Verantwortlichen der ARD zu. «Die WM ist nicht mit dem Ligabetrieb zu vergleichen», sagte ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky. «Ich halte es derzeit für ausgeschlossen, dass wir regelmäßig Spielberichte aus der Bundesliga samstags zeigen», sagte er in Bezug auf die Sportschau. Bleiben also die Länderspiele der deutschen Damen. Die sollen bald später angepfiffen werden, um mehr Zuschauer zu erreichen. Bisher fanden viele Länderspiele nachmittags statt.
Der Vergleich
In Sachen Fußball sind ARD und ZDF schon seit langem ein gutes Team und zugleich Konkurrenten. Das gilt natürlich auch für die Frauen-WM. «Da ist ein Wettbewerb da, deswegen analysieren wir genau, was die ARD macht», sagt Andreas Lauterbach.
In Sachen Rahmenprogramm sieht Lauterbach das ZDF mit 3D-Analysen bestimmter Spielszenen und Schiedsrichter-Analysen vorn. Dafür hat die ARD mit Nia Künzer die beliebteste Expertin in ihren Reihen. Letztlich ist die erfolgreiche Fußball-WM sowieso ein positives Ergebnis für beide öffentlich-rechtliche Sender. ZDF-Chefredakteur Peter Frey sagt, man habe «neue Maßstäbe für den Frauenfußball gesetzt.» Dem lässt sich ohne Vorbehalte zustimmen.
wam/news.de/dpa
... ich frage mich sowieso, wozu man einen Kommentator während des spieles überhaupt braucht ... ausser sinnlosem dauergequatsche, dass man leider nicht abstellen kann, kommt da sowieso nix. und: man sieht es ja, was die mannschaften abliefern. eine grafik, die hin und wieder die namen einblendet, wer grad am ball ist, würde komplett reichen. apropos grafik: beim ZDF finde ich die spielstands-grafik besser: man sieht gleich, wenn man später einschaltet, welche mannschaft in welcher farbe spielt. das fehlt bei der ARD komischerweise und da muss man im ersten moment immer überlegen, wer ist wer
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