Von news.de-Redakteur Konrad Rüdiger
Üppiges Menü, übersichtlicher Genuss: Frank Plasbergs Gäste wissen keine rechte Antwort auf die Frage, wie hoch die Steuern denn nun sein müssen, damit es dem Land gut geht. Aber damit sind sie wenigstens nicht allein.
75 Minuten sind im Fernsehen eine vergleichsweise lange Zeit. Viele politische Magazine würden sich nach so viel Sendezeit die Finger lecken, selbst anspruchsvolle Dokumentationen bekommen bei den öffentlich-rechtlichen Sendern nur noch maximal eine Dreiviertelstunde, in der hochwertige Information geboten werden kann. Parallel zum WM-Halbfinale der Frauen im Zweiten hat sich im Ersten Frank Plasberg angeschickt, wertvolle 75 Minuten zu füllen.
Und er versucht es wie mit einer guten hausgemachten Roulade: viele Zutaten, die allesamt keine Gourmetküche versprechen, sondern grundsolide Hausmannskost. Eine Prise Griechenland-Krise hier, dort ein halbes Pfund Steuersenkungsdebatte, noch zwei Scheiben Schuldenbremse hinzu, gewürzt mit ein paar zitronengelben Spritzern FDP-Debakel, fertig ist die Füllung für eine schmackhafte Talk-Roulade.
Doch ganz so einfach ist es dann doch nicht. Zu lange kocht das Talk-Gericht von Chefkoch Plasberg auf Sparflamme. Folglich fehlen die Röstnoten in Form eines wirklich substanziellen Schlagabtauschs zwischen der Regierungsfraktion Christian Lindner (FDP-Generalsekretär) und Steffen Kampeter (Staatssekretär im Finanzministerium) auf der einen und Hubertus Heil (stellvertretender Fraktionsvorsitzender der SPD im Bundestag) auf der anderen Seite. Sie wollen alle beweisen, dass viele Köche den Brei verderben. Dass sich über das eine, wirklich schmackhafte Rezept endlos streiten lässt.
Hohelied auf die deutsche Küche
Da wird die eigene Küche gelobpreist, dass einem Kritiker ganz schwummerig wird vor soviel Selbstlob. Kostprobe: «Wir können stolz darauf sein, was wir in den letzten zwei Jahren geschafft haben», so Steffen Kampeter über Deutschland im allgemeinen und die Regierung im Besonderen. Doch auch die Kellner von Chefkoch Plasberg singen ein Hohelied auf den Aufschwung in der deutschen Küche, dass es fast scheint, allein die bösen Südländer und Iren mit ihren Finanzkrisen wären diejenigen, die das Menü stören. Kein kritisches Wort darüber, dass die deutsche Wirtschaft auch wegen der hohen Exporte in klamme Länder unverhältnismäßig floriert.
Der Gast bekommt so statt einer sättigenden Portion aus bodenständiger Küche eine etwas lauwarme Kreation vorgesetzt, die sich nicht zwischen Haute Cuisine (Rettung von Griechenland) und Pommesbude (Steuersenkung im Jahr 2013) entscheiden kann. Wenn die Diskussion mal wieder abzuebben droht, bringt man natürlich ganz revolutionäre Ideen ins Spiel, in diesem Fall die derzeit viel diskutierten Eurobonds. Doch so richtig probiert hatte dieses Gericht keiner, denn aufgetischt wird es wohl nur im Notfall, wenn das Vielländerrestaurant Europa auf Notbetrieb umschaltet. Aber gut, dass mal drüber gesprochen wird.
Hauptsache es köchelt
Es erinnert alles ein wenig an eine der endlos langen Kochshows am Freitagabend, die Gäste sind Halbprominente, wichtig ist eine kurzweilige Sendung mit ein paar Floskeln, die den Zuschauer nicht einnicken lassen. Welche Rezepte nun wirklich zur Wahl stehen, um den Staatshaushalt dauerhaft im Lot zu behalten, das ist Nebensache. So wie auch die Rezepte in den TV-Kochshows. Hauptsache es köchelt.
Eines wird aber beim Probieren der Argumente dann doch noch klar: Der Bürger weiß es auch nicht so recht. So plädieren nur 24 Prozent einer in der Sendung zitierten Umfrage für Steuersenkungen, wenn die Alternative Haushaltskonsolidierung heißt. Diese wiederum favorisieren 70 Prozent der Befragten. Schlechte Aussichten also für das «Wiederbelegungsprogramm» (Hubertus Heil) der FDP.
Als Kronzeuge für den geschmacklich eher betrüblichen Abend wird dann auch noch der Oberchefkoch in Sachen Finanzen zitiert. Wolfgang Schäuble darf im Einspieler seine Skepsis gegenüber der bereits beschlossenen Steuerpolitik mit wenigen Worten zum Ausdruck bringen: «Die ganze Zukunft ist ein Geheimnis», so Schäuble in der Bundespressekonferenz zur geplanten Steuersenkung. Womit die Frage nach dem Geschmacksurteil der Plasberg-Roulade und nach dem besten Zitat des Abends auch abschließend geklärt wäre.
cvd/news.de
Ganz meiner Meinung! Es ist Zeitverschwendung über das ganze Gelabere drittklassiker Protagonisten zu diskutieren!
jetzt antwortenKommentar meldenDer Herr Plasberg ist in meinen Augen ein Wichtigtuer ohne Substanz. Er selbst ist zu keiner selbstkritischen Haltung fähig. Diese ganzen Talk Shows können wir uns sparen.
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