Von news.de-Redakteur Cord Krüger
Rupert Murdoch erwägt den Verkauf seiner Zeitungen in Großbritannien. Ziehen der Medientycoon und seine Berater bei News Corp. damit drastische Konsequenzen aus der Affäre um die News Of The World? Oder wollen sie die Politik unter Druck setzen?
Dem Wall Street Journal zufolge lautet eine der seit einigen Wochen erwogenen Optionen: Verkauf aller britischen Blätter. Dazu gehören neben der kürzlich eingestellten News Of The World die Sun, die Times sowie die Sunday Times. In den vergangenen Wochen habe News Corp. informell nach möglichen Käufern der Zeitungen Ausschau gehalten - bislang ohne Erfolg.
Dabei soll auch der australische Medienunternehmer Murdoch selbst einem Rückzug aus dem britischen Zeitungsmarkt eher kritisch gegenüberstehen. Seinem für das Europageschäft zuständigen Sohn James und anderen aus seiner Führungsriege macht der politische und wirtschaftliche Gegenwind der letzten Wochen jedoch zu schaffen. Das Wall Street Journal zitiert einen von ihnen mit den Worten: «Wenn die britische Regierung weiterhin rachsüchtig agiert, sollten wir vielleicht alles verkaufen.»
Die Gedankenspiele bei News Corp. sind im Zusammenhang mit der geplanten Übernahme des Fernsehsenders British Sky Broadcasting (BSkyB) zu sehen. Die britische Regierung erklärte am Dienstag, sie werde Murdoch vor dem Hintergrund des Abhörskandals zum Verzicht auf seine Expansionspläne auffordern.
Sprecher Steven Field sagte, die Regierung werde sich hinter einen Vorschlag der oppositionellen Labour-Partei stellen, nach dem Murdoch und dessen Medienkonzern aufgerufen werden, ihr Übernahmeangebot für BSkyB zurückzuziehen. Das Vorhaben soll heute im britischen Parlament besprochen werden. Ist es also Zufall, dass die Überlegungen zum Rückzug Murdochs aus dem britischen Zeitungsmarkt nun unmittelbar vor den Beratungen veröffentlicht werden? Zumal das Wall Street Journal ebenfalls zu News Corp. gehört?
Der Abhörskandal ist auch am Börsenwert des Medienunternehmens nicht spurlos vorrübergegangen. Allein am Montag sank der Kurs um mehr als sieben Prozent. Binnen vier Tagen hat News Corp. bereits rund sieben Milliarden Dollar an Wert verloren. Der geplant Kauf von knapp 61 Prozent der Anteile an BSkyB würde Murdoch fast zwölfeinhalb Milliarden Dollar kosten. Ob es dazu noch kommt, ist fraglich. Ob der Konzern seinerseits überhaupt einen Käufer für seine Zeitungen fände, allerdings auch.
Journalisten der Sonntagszeitung News Of The World wird vorgeworfen, die Mailboxen Tausender Telefone - unter anderem von Verwandten getöteter britischer Soldaten, von vermissten Kindern und Todesopfern der Bombenanschläge 2005 in London - abgehört zu haben. Zudem sollen Redakteure Polizisten bestochen haben.
wie/news.de/dapd